Warum ich mit dem Leica M System fotografiere

Jeder der reisenden Blogger oder Journalisten hat seinen eigenen Schwerpunkt in der Fotografie. Während der eine einen schweren Rucksack gefüllt mit diversen Kameras und Objektiven einpackt, kommt anderer mit dem Smartphone aus. Die einen möchten für jede Situation gewappnet sein, andere möchten möglichst wenig Geld investieren. Dazwischen gibt es natürlich viele Alternativen. Die sind nicht besser oder schlechter. Wir haben uns für das Leica M System entschieden und beschreiben, warum es für uns das ideale Kamera-System darstellt.
mit unserer Tochter bei Leica in Wetzlar | © mare.photo

Das älteste existierende Kleinbild-System der Welt

Um es genau zu nehmen, ist das Leica-M-System das älteste noch im Einsatz befindliche Kleinbild- System der Welt. Schon vor 1920 nahmen Reisende eine Leitz Kamera mit und dokumentierten damit ihre Aufenthalte. Viele Kriegsfotografen nutzten sie im zweiten Weltkrieg, also unter härtesten Bedingungen. Bis die Spiegelreflex-Kameras Einzug hielten, sollte die Leica das Werkzeug für Reporter rund um den Globus bleiben. 

Leica, damals noch Leitz Wetzlar,  entwickelte nach dem Krieg die Kamera weiter und schuf daraus das noch heute aktuelle Leica-M-System. Aktuell, nach über 80 Jahren, kann man mit den damaligen Kameras und Objektiven fotografieren. Ohne Probleme kann man ein über 80-jähriges Leitz-Objektiv an eine Leica M-Kamera anschließen. Hat man in den Anfängen die Objektive an die Kamera über ein Schraubgewinde befestigt, kam mit der ersten Leica M der Bajonett-Verschluss, der immer noch Stand der Technik ist. Auch für das Vollformat. Ich kann mit den gleichen Objektiven sowohl analog wie auch digital fotografieren. Leica hat nach wie vor analoge Leica M Kameras im Programm, die ganz ohne Batterien funktionieren. Ein wahres Meisterwerk der Mechanik. Immer noch können diese alten Kameras und Objektive gewartet und repariert werden.

Mit der Leica M kam das erste Vollformat-System auf den Markt, noch heute ist die Leica M das kleinste Vollformat-System der Welt bei erstklassigen optischen Leistungen.

Tradition verpflichtet: zu Höchstleistungen

Kodak Tri X 400, Leica Elmarit M 2.8 28 asph., Hamar Norge, Norge Jernvägmuseum,Mjøsa,

Eine Leica M ist in den letzten Jahren der analogen Fotografie als Arbeitswerkzeug vielen Systemen gewichen, die alles in ihre Gehäuse packen, was nur möglich ist. Größer und schneller ist die Devise, die Entwicklungen überrollen oft die Neuerscheinungen. Viele Reporter nutzen heute andere Systeme, wobei manche Komponenten unter teils fragwürdigen Arbeitsbedingungen in Niedriglohnländern entstehen und dadurch billiger (nicht preiswerter) sind. Wie auch bei Leica ist das Markenbewusstsein in den männlichen Nutzergruppen durchaus hoch und hat teils religiöse Züge.

Dabei geht es in der Fotografie eigentlich um das Bild und damit um die Frage, mit welchem Werkzeug erreiche ich es. 

Gerade im digitalen Zeitalter werden Optiken zunehmend digital korrigiert. Beim genauen Hinschauen sieht man durchaus, ob ein Bild von Natur optisch ideal zustande gekommen ist oder von der Kamera-seitigen Elektronik „optimiert“ wurde.

Leica-Objektive werden „um jeden Preis “auf das Optimum gerechnet, dabei kommen teilweise die teuersten Glassorten zum Einsatz, die man für Geld kaufen kann. Bis auf wenige Ausnahmen sind Leica-Objektive auch im digitalen Zeitalter die einzigen tatsächlich optisch korrigierten Objektive. Und damit haben sie weiterhin in der Analogfotografie auf hohem Niveau Bestand. Zugegeben, all das hat seinen Preis. Aber hier sind wir dann bei dem Begriff „Preiswert“. Gebrauchte Objektive des Leica M Systems liegen oftmals irgendwann über ihrem Neupreis.

Kodak Tri X + Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

So einfach wie möglich - nicht mehr als nötig

Vom Naturell bin ich ein Mensch, bei dem Dinge funktionieren müssen. Und- ich bin ein eher zurückhaltender Mensch. Entsprechend wünsche ich mir eine zurückhaltende Kamera.

Was die Fotografie anbelangt, muss ich mich aufs Bild konzentrieren können. Ich muss Zeit und Blende beherrschen und ein Gefühl für die Schärfenebene haben. Damit ist es auch schon gut. Ich würde mir nie eine Taschenlampe mit einer Reichweite von 300 Meter kaufen und auch kein Auto mit den ganzen Assistenzsystemen. Ich habe auch noch ein echtes Mobil-Telefon ohne jegliche mich überfordende Apps. Selbst die Wohndekoration fällt bei uns zuhause sehr dezent aus. Weniger ist für uns mehr und das Gleiche gilt  für das von mir bevorzugte Kamerasystem. Was ich nicht brauche, will ich nicht. Und was ich brauche, muss einfach gut sein. Schon das ist meine grundsätzliche Entscheidung, die mich zum Leica M System gebracht hat. Alles andere wäre mir persönlich zu anstrengend.

Leica M: Die Reportage-Kamera

Aland Zeitungen, Leica M Summilux 1.4 50 asph.

Die Leica M ist bis heute das, was sie in ihren Anfängen war: Eine echte Reportage-Kamera. 

Sie ist klein, unauffällig, schnell zu bedienen und bei allem robust. Genau das richtige also für mich, wenn ich einen Pressetermin besuche, wenn wir unterwegs oder gar auf Wandertour sind. Zur Not verschwindet die Leica  im kleinen Tagesrucksack mit nur einem Objektiv, ansonsten reicht eine kleine Tasche.

Selbst im Museum, im Konzert oder auch im Zug oder Bus stört sie nicht. Auf Städtetouren bleibt sie einfach umgehängt.

Der Energieverbrauch ist zu vernachlässigen. Nutzt man einzig den optischen Sucher, kommt man endlos weit. Das ist ideal auf langen Wander- und Radtouren abseits der Zivilisation und bei Aufnahmen in kalten Regionen.

Und wenn es dann zum Bild kommen soll: Deckel ab. Blende und Entfernungsbereich eingestellt und ausgelöst.

Vom Sympathiefaktor, sei es Retro oder Marke- reden wir hier nicht. Aber es ist schon besonders, wenn man auf einmal in einer Ausstellung auch nach Geschäftsschluss mit dem Inhaber noch über Fotografie spricht und er dann seine Abzüge heraus holt, die er in letzter Zeit gemacht hat.

Kodak Tri X - Leica M Elmarit 28 asph. Fröslevlejren | © mare.photo

Die Freude am Bild

Beim Aufzählen der Funktionen, die eine Leica M hat, ist man schnell fertig. Was sie auf jeden Fall nicht hat, sind irgendwelche Kreativprogramme. Was sie anstatt eines elektronischen Suchers hat, ist ein aufwendiger, erstklassiger optischer Sucher. Der wird aus unzähligen Einzelteilen zusammen gebaut und erlaubt unabhängig von Energie einen klaren Durchblick, selbst in der Nacht.  Schon alleine der optische Sucher wäre für mich ein Argument für eine Leica M. Über einen Schnittbildindikator wird scharf gestellt. Von Zeit zu Zeit muss der Messsucher eingestellt werden, damit die Objektiveinstellung mit dem Messsucher übereinstimmt. 

Und jetzt kommt ein weiteres Argument, was für viele Menschen für oder gegen eine Leica M spricht. Sie hat keinen Autofokus. Die Leica-Objektive müssen manuell fokussiert werden. Aber das geht in der Regel in den meisten Fällen ganz gut. Vor allem in unserer Reisefotografie. Auf uns zulaufende Kinder oder Tiere machen das Ganze natürlich schwieriger, aber irgendwie dann doch noch möglich.

Denn auf den Objektiven sind die Schärfebereiche im Kombination mit der Blende gut sichtbar markiert. Das ist  schon besonders, denn alleine schon diese Gravuren werden gerne eingespart. 

Durch den fehlenden Autofokus sind die Objektive dafür allerdings sehr klein. Und doch sind Leica M Objektive wahre Juwelen in der Fototechnik. Sie haben ihren eigenen Charakter, liegen zwar schwer aber sehr gut in der Hand und sind wunderbar zu fokussieren. Dabei bringen die aktuellen Leica M Objektive bereits bei voller Öffnung weitgehend Bestleistung.

Bei allem macht es mir Freude, mit der Leica M  zu fotografieren. Man muss sich darauf einlassen. Das Leica M System ist nicht bequem, aber es ist befreit. Und es macht frei, ein Bild einzufangen anstatt darauf zu schießen.

Mittlerweile hat die Leica M auch im professionellen Bereich wieder Boden gut gemacht. Viele professionelle Fotografen, auch in den Redaktionen, wissen eine Leica M zu schätzen. Oft reicht die Wahl eines einzigen Objektives.

Abgesehen davon gehört die Leica M mit Abstand zu den nachhaltigsten Systemen. Geringstmöglicher Verbrauch an seltenen Erden, durch den optischen Sucher geringer Energieverbrauch und hohe Wertbeständigkeit suchen ihresgleichen. 

Währe die Leica M meine erste Kamera gewesen, ich hätte keine andere mehr genommen. Und so ist sie für mich, was eine Kamera sein soll: ein passendes Werkzeug.

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