Norwegen entdecken | Auf ins Vikafjell (Vikafjellet)

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vor einigen Jahren haben wir am Sognefjord Weihnachten verbracht. Um zu unserem Haus zu gelangen, blieb uns nur der tief verschneite Pass durch das Vikafjell. Immer wieder sind wir in den nächsten Tagen auf die über 1000 Meter höher gelegene Ebene gefahren. Und immer wieder haben wir beschlossen, hier eines Tages im Sommer zu sein. Heute ist es soweit.

Norwegen entdecken – Auf ins Vikafjell (Vikafjellet)

Das Vikafjell (Vikafjellet) trennt zwei der beeindruckendsten Fjorde in Norwegen, den Sognefjord im Norden und den Hardangerfjord im Süden. Wir kommen mit unserem VW-Bus über die Reichsstraße RV 13 von Vinje aus fast geradezu gen Norden nach Vik.

VW T6 California Beach 110 KW TDI 4Motion, rot

Mit dem VW T6 California Beach 110 KW TDI 4Motion auf den Weg ins Vikafjell (Vikafjellet) | © mare.photo

Gerade Straßen durch langgezogene Täler, kleine Bauerndörfer und beschauliche Seen setzen diese Umgebung vom Hordaland und Sogn og Fjordane malerisch in Szene. Immer wieder halten wir auf dem lang gezogenen Myrkdalsvegen an. Sonne und Wolken tauchen das Myrkdal immer wieder in dramatisches und kontrastreiches Licht. Noch sehen wir die schneebedeckten Berge nur in der Ferne. Doch wir wissen, bald werden wir mitten drin sein. Auch jetzt Ende Mai. Auf unserer letzten Tour über den Jahreswechsel lagen hier die Temperaturen deutlich unter minus 20 Grad Celsius. Doch nun ist Frühling in den Bergen und so erwarten wir eine Mischung aus tauendem Schnee und kargen Flächen in sanften Braun- und Grüntönen.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph. | © mare.photo

Alleine schon die Anfahrt ins Vikafjell (Vikafjellet) zieht sich glücklicherweise entspannt in die Länge. Denn für uns ist der Weg das Ziel. Nichts, was uns treibt. Außer der Wunsch, zu SEIN, hier zu SEIN. Langsam und stetig steigt die Straße an, fast parallel rauscht der Gebirgsbach mit seinen vielen Verzweigungen ins Tal. Immer wieder finden sich kleine Ferienhütten der Einheimischen, denn die gesamte Umgebung des Vikafjell (Vikafjellet) und des Myrkedal ist ideal zum Skilanglauf und Wandern. 

Kurz vor den Serpentinen, die nun endgültig ins Vikafjell (Vikafjellet) führen, halten wir an. Die Landschaft zeigt alle Farben, die ein Gebirge überhaupt zu bieten hat. Das kristallklare Wasser des Bergbaches füllen wir in unsere Trinkflaschen und kochen an diesem Ort dazu einen frischen Tee. Zwei Wasserfälle bringen das Schmelzwasser des Vikafjell talwärts. Einige Zeit wandern wir umher. Achten auf die Kanten, hinter denen es plötzlich etliche Meter abwärts gehen kann. Für solches Gelände habe ich mir ein zwei Meter langes Sicherungsseil mit zwei Karabinern zugelegt, welches den Brustgurt meiner kleinen Tochter mit meinem Gürtel verbindet.

Wir können uns an dieser Schönheit gar nicht satt sehen und wir brauchen Zeit, bis wir wieder einsteigen und weiter in den Norden fahren, ins Vikafjell (Vikafjellet)

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph. | © mare.photo

Langsam fahren wir diese asphaltierte Zick-Zack-Linie hoch ins Vikafjell (Vikafjellet), schauen immer wieder ins Myrkedal. Denn das Panorama ist atemberaubend, traumhaft, unbeschreiblich. Immer wieder verändert die Sonne durch die zügige Bewegung der Wolken ihr Licht. Wie mit einem riesigen Theaterspot wird die Landschaft am Fuße des Vikafjell (Vikafjellet) würdig angestrahlt.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Es ist schon faszinierend, die Schneegrenze zu überschreiten. Als wir Ende Dezember hier waren, lag der Schnee oben im Vikafjell (Vikafjellet) bis zu vier Meter hoch. Die Straße durch das Vikafjell glich einer kleinen geraden Schlucht zwischen zwei weißen hohen Wänden. Mitunter ist der Pass gesperrt, dann wartet man an den Schranken auf die Schneefräse und bildet mit ihr einen Konvoi. Denn auch Allradfahrzeuge, gleich wie schwer, würden in den Schneemassen nicht mehr zurecht kommen. Noch gefährlicher ist aber die Orientierungslosigkeit, wenn man in der weißen Ebene keine Straße mehr erkennt und im schlimmsten Fall ins tiefere Gelände abrutschen würde.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Aber jetzt ist es Mai und die Straßen sind frei und wir erkennen die Landschaft im Fjell fast nicht wieder. Fast nicht. Denn die Konturen, die Hügel und die Senken bilden ja eine ganz ähnliche Silhouette. Zugeschneite Seen erkennt man an der ebenen Fläche und so wissen wir, an welchen Stellen sie sich befunden haben.

Wir suchen eine der Parkmöglichkeiten, denn wir werden heute im Vikafjell (Vikafjellet) übernachten. Die Berghütten sind zum Teil verwaist und für viele Wohnmobil-Reisende ist das Vikafjell von der Witterung zu unberechenbar. Im Gelände parken wir mit Rücksicht auf die Natur nicht, denn beschädigte Pflanzen brauchen in solchen Regionen mitunter einige Monate bis Jahre, bis sie sich erholen. Angesehen davon fällt solches Verhalten nicht in das Allemansrätt, das Jedermannsrecht und kann richtig teuer werden. Die wenigen Buchten an der nicht zu häufig befahrenen Straße sind aber groß genug und ein VW Camper kommt mit sehr wenig Platz zurecht.

Vikafjell, Kodak Ektar, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Heute müssen wir an den Schneekanten aufpassen, um nicht in die Wasserstellen einzubrechen. Türkis grün schimmert schon das getaute Wasser hervor, doch darunter befindet sich noch eine Eisdecke. Jeder Schritt, mit dem wir tief einsinken, will überlegt sein.

Unser Hund liebt Schnee und es ist, als erkennt der das Vikafjell (Vikafjellet) wieder. Er kann es kaum erwarten, in den Schnee zu springen, sich darin zu wälzen, mit seiner Schnauze durch das schwere weiße Nass zu pflügen und sich dann glücklich zu schütteln.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Auch für unsere kleine Tochter ist es ein Erlebnis, in leichter Bekleidung im Schnee toben zu können. Nachher werden wir uns vor den VW Bus setzen, um dann einen Becher Tee und ein paar norwegische Kekse vor diesem Panorama zu genießen.

Es ist sehr selten, aber dennoch möglich, in diesem Gebiet auf Rentiere zu stoßen. Denn es gibt etwa 500 zahme und wilde Rentiere in dem Gebiet Vikafjell (Vikafjellet) zwischen Voss und dem Sognefjord. Ab dem Jahr 1848 haben die Bauern mit ihren kleinen Bergfarmen die wilden Rentiere in diesem Gebiet ausgerottet vor Sorge, sie könnten den Wolf anlocken. Zudem wollten sie die wenigen Weideflächen lieber für ihr Vieh nutzen.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph., mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Erst 1950 ließ man wieder 10 Rentiere in der Umgebung des Vikafjell (Vikafjellet) frei, daraus hat sich in diesem weitläufigen Gebiet eine gesunde wilde Population entwickelt, die dem Futterangebot entspricht. Rentiere kommen mit kargen Landschaften sehr gut zurecht. Heute gibt es hier feste Quoten für die Jagd.

Uns wird heute und morgen kein Tier begegnen, auch, wenn wir tief in das Vikafjell (Vikafjellet) hinein wandern. Das nämlich lohnt sich. Vorausgesetzt, man hat wasserfestes und trittsicheres Schuhwerk dabei. Für die ausgiebige Wanderung bieten sich die markierten Pfade des Norsk Turist Foreningen an. Diese Vereinigung ist vergleichbar mit dem Alpenverein und kümmert sich in ganz Norwegen um die unvergesslichen Möglichkeiten des Wandern und Skilanglaufs.

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.,mare.photo

Vikafjell, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 aph.| © mare.photo

Nach einem ausgiebigen Frühstück und einer kleinen Wanderung packen wir am späten Vormittag zusammen und werden die am Sognefjord liegende Gemeinde Vik und den am anderen Ende der Straße liegenden Ort Fresvik besuchen in Erinnerungen an unser schönstes Weihnachtsfest und Sylvester bei norwegischen Freunden in diesem Ort.

2 Comments

  • @Für solches Gelände habe ich mir ein zwei Meter langes Sicherungsseil mit zwei Karabinern zugelegt, welches den Brustgurt meiner kleinen Tochter mit meinem Gürtel verbindet s.o. .

    Eine sehr gefährliche Lösung. Wenn du abrutschst, reißt du deine Tochter mit in den Abgrund.
    Ich habe unsere Enkeltochter mit einem ca. 15 Meter langen Seil angegurtet, bin vorausgegangen und habe sie nachsteigen lassen. Beim Abstieg geht sie voran und ich folge. Mein Seilende habe ich immer nur in der Hand getragen um es schnell loszulassen, falls ich stürze.

    Sehr schöne Fotos !!!
    HG
    Lutz

    • Ich gehe mit einem kleinen Kind grundsätzlich nicht dort, wo ich abrutschen könnte.
      Selbst am Preiktestolen würde ich 20 Meter Abstand von der Kante halten.
      Kleine Kinder können ja mal von jetzt auf gleich auf die Idee kommen, einfach los zu rennen, ohne zu wissen, was am Ende kommt.
      Es geht mir nur darum, dass sie bei mir bleibt und dass sie spielerisch lernt, zusammen zu bleiben. Auch würde ich so nicht auf Gletscher mit ihr gehen.

      Eine Alternative, aber erst für größere Kinder, ist ein Brust-Kletter-Geschirr, ja, dann ist ein langes Sicherungsseil wichtig. Und genau da ist auch das Problem: Ein Kind bis etwa 2 Jahre kommt in die Kiepe (Kraxel). Ein Klettergeschirr gibt es aber erst für Kinder ab etwa 5 Jahre alt.
      Bleibt in diesem Alter eben nur das Kontaktseil. Wichtig dabei, es beim Kind auf Brusthöhe einzuklinken, da es sonst bei Zug sofort fallen würde.

      Grundsätzlich wichtig, dass das Kind das Tempo vorgibt.
      Richtig auch bei Aufstieg: Erst selst hoch, Halt finden, dann das Kind nachkommen lassen.
      Genauso aber auch bei Absteig: Zuerst der Erwachsene, dann das Kind.

Leave a Comment