Nordland

Vesterålen in Norwegen I – Andøya und Andenes

Vesterålen Norge : Vesteralen Norway, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph
Vesterålen Norge : Vesteralen Norway, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph | © mare.photo

Nördlich der Lofoten liegen die drei Inseln der Vesterålen in Norwegen. Touristisch von jeglicher Perfektion verschont kommen hier die echten Individualreisenden. Noch ist die Insel von den gigantischen Wohnmobilen verschont. Dafür aber öffnet sich die Inselgruppe für jene, die sich wirklich den Vesterålen öffnen.

Vesterålen in Norwegen – Andøya und Andenes

Hoch im Nordland, nördlich der beliebten Lofoten, liegen die Inseln Andøya, Langøya, Hadseløya Hinnøya. Skogsøya, Und gerade die Insel Hinnøya macht es einem gar nicht so einfach, zu unterscheiden, ob man sich gerade auf den Lofoten oder auf Vesterålen befindet.

Aber der Weg ist bekanntlich das Ziel und da ist es eben zweitrangig, wo man sich in diesem Moment befindet. Wir selbst haben die Fähre von Bognes am Tysfjord erreicht und setzen auf der etwa 60 minütigen Fahrt über nach Lødingen, das liegt ganz bestimmt auf den Vesterålen. Alleine die Überfahrt auf dem geschlossenen Deck mit seinen riesigen Panoramafenstern gehört für uns zu den schönsten Fährverbindungen innerhalb von Norwegen. Und es gibt wenige Fähren, die wir noch nicht genutzt haben. Eine atemberaubende Landschaft aus Felsen und Meer zieht langsam an uns vorbei, während wir unser recht preiswertes Menü auf dem Schiff genießen.

Auf Vesterålen angekommen, schauen wir zurück auf das Meer, fast ungläubig, von solcher bescheidenen und doch überwältigenden Schönheit eingerahmt zu sein.

Wir werden in den nächsten Tagen eine Rundreise mit unserem Bulli unternehmen, die wichtigsten und schönsten Orte der Insel besuchen und schon jetzt wissen, dass Vesterålen nicht in fünf Tagen zu entdecken ist. Auf unserer Reise begleitet uns das polare Klima mit allen Kapriolen, welches es Anfang Juni zu bieten hat. Und so rau die Insel mit ihren Wetterwechseln sein kann, so zeigt sie in jeder Form ihre Schönheit, ihre Besonderheit, die man genießen kann, so man sich denn darauf einlässt und vor die Tür tritt.

Stürmische Begegnung auf Vesterålen

Auf der Überfahrt haben wir Glück mit dem Wetter, das Wasser zeigt nur leichten Wellengang. Wie es wohl im Winter hier sein kann, wenn Schnee und Stürme über das Nordmeer und die breiten Fjorde peitschen, wenn Wale durch die Gewässer des Tysfjord ziehen, wenn das Polarlicht vor der markanten Silhouette der weich geformten Berge ein stilles Konzert gibt….

Aber jetzt ist Spätfrühling, Frühsommer- wir wissen es nicht so genau und das Wetter wohl auch nicht. Dafür ist es jetzt hell, 24 Stunden hell. Kaum angekommen auf Vesterålen verdichten sich die Wolken, die sich von aufkommenden Wind begleiten lassen. Unser erster Weg führt in den Norden der Insel- wir lieben eben den Norden, egal, wo wir gerade sind. Unterwegs werden wir das Zelt aufschlagen und in der Nacht spüren, wie Wind und Regen an unserem Bulli mit dem aufgeklappten Dach unnachgiebig rütteln.

Vesterålen, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph

Vesterålen, Andøya, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph | © mare.photo

Als wir am Morgen weiter fahren, zeigt der eisige Wind, dass er noch steigerungsfähig ist. Wir fahren die Ostseite der Insel Andøya bis nach Andenes, unterwegs werden wir Mühe haben, die Türen aufzumachen und ruhige Aufnahmen mit der Kamera zu machen. Der aufkommende Sturm zerrt an allem, was ihm begegnet und er bringt Kälte mit, die auch das kleinste Schlupfloch in unserer Kleidung findet. Aber es ist ja Spätfrühling, oder früher Sommer, wir wissen es nicht ganz genau.

Bei Ankunft in Andenes hat es der Sturm auf Stärke 12 gebracht, das Schiff der Walsafari wird drei Tage im Hafen bleiben. An den Stränden gilt es, die teuren Objektive der Kamera vor dem Sandsturm zu schützen, die Kinder und der Hund bleiben besser im Auto. Zu groß die Gefahr, dass sie an den Kai-Mauern ins Meer geweht werden. Aber der Sturm zeigt dem Regen, dass zumindest dessen Zeit vorbei ist und sorgt für strahlenden Sonnenschein.

Andøya auf Vesterålen – eine der schönsten Landschaftsrouten

Vesterålen, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph

Vesterålen, Andøya, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

Am Morgen liegt die nördliche zu Vesterålen gehörende Insel Andøya in erreichbarer Nähe. Die Hauptinseln sind über Brücken miteinander verbunden, so erreichen wir auch zügig Andøya. Wir nehmen die schmale Straße auf der Ostseite bis nach Andenes, dem nördlichsten Punkt von Andøya. Den Orten sieht man die klimatischen Verhältnisse und die damit verbundenen Herausforderungen an. Die Straße führt immer entlang an der rauen Küste mit ihrer heute so aufgewühlten See, aber die Sonne kommt durch. Bei jedem Halt müssen wir überlegen, auf welcher Seite wir die Tür des VW Busses öffnen, denn der Sturm schlägt sie sonst gnadenlos zu. Auf beiden Seiten gleichzeitig aussteigen ist schier unmöglich.

Zur Motivwahl für die Fotos kommt nun die Suche nach Windschatten, denn es ist unmöglich, die Kamera auch nur ansatzweise ruhig zu halten.

Entsprechend karg und bescheiden zeigen sich auch die Gärten, auch die Fassaden der Häuser sind immer wieder Wind und Wetter ausgesetzt. Reichtum ist in den Dörfern der östlichen Küste von Andøya nicht eingezogen und irgendwie macht es diese Umgebung authentisch und liebenswert. Hier geht es um Leben und nicht um Kitsch- Romantik. Kein Wunder, dass in den klassischen Tourismusbroschüren die Ostseite unerwähnt bleibt, für uns allerdings ist es eine wunderbare Entdeckung eines Stück Alltags im Nordland von Norwegen.

Die Nordspitze in Andenes

Vesterålen, Andøya, Andesnes, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Irgendwann in der Mittagszeit erreichen wir Andenes, den Zentralort von Andøya /Vesterålen. Die schmale Straße auf der letzten Etappe nach Andenes hat eine Schranke, deren Schlagbaum zum Glück offen steht. Das mag in den Sommermonaten der Normalfall sein, in der Schneesaison allerdings ein Glücksfall. Denn im Schatten der Berge auf der einen und der Küste auf der anderen Seite verfängt sich hier gerne der Schnee und türmt sich undurchdringlich auf, oder aber er kommt lawinenartig herunter. Doch heute sind die Berghänge in grüne Farben gehaucht, wie von einem Moosteppich überzogen. 

Vor uns liegt am Ortseingang der feinsandige Strand in einer felsigen Landschaft. Wir brauchen gar nicht daran denken, heute ans Wasser zu gehen, zu aufgewühlt ist die See. Draußen brechen sich die Wellen im türkisfarbenen Meer, die vorgelagerten Felsen schützen die Küste auf ganz natürliche Weise.

Schon lange haben wir die Präsenz des Militärs hier in Andenes auf Andøya wahr genommen, hier betreibt die Luftwaffe einen von der NATO finanzierten Stützpunkt zur Seeraum- Überwachung. Als Folge des Kalten Krieges. Zugleich wird der Flughafen aber auch zivil für regionale Anbindungen genutzt.

Andenes auf Andøya ist ein großes Dorf mit Kleinstadtcharakter. Es hat alles, was man in solcher Umgebung benötigt, um autark sein zu können. In Andenes leben etwas mehr als 2.600 Menschen und sie haben sich und ihre Zukunft dem Pottwal verschrieben. Denn die Pottwale lieben das Meer um das nördliche Vesterålen herum, Pottwale auf einer Bootstour zu entdecken ist somit sehr wahrscheinlich. So ist Andenes ein Magnet für Touristen, die einen Pottwal aus der Nähe betrachten wollen, diese allerdings zeigen dann den Zuschauern gerne die kalte Flosse. Es muss schon sehr stürmen, damit das Boot der Walsafari nicht ausläuft, heute ist einer der anhaltenden Tage, denn wir haben mittlerweile Windstärke 12. Bei dieser Windstärke wäre abgesehen vom allgemeinen Wohlbefinden auf einem solchen Schiff sicherlich auch kein vernünftiges Foto möglich.

Also widmen wir uns dem, was auf jeden Fall Vesterålen-Besucher ansonsten nach Andesnes auf Andøya zieht: dem Leuchtturm Andenes.

Der Leuchtturm Andenes auf Andøya / Vesterålen

Andesnes Fyr, Andøya, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Andesnes Fyr, Andøya, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Für alle, die nicht auf Wal- Safari gehen und trotzdem nach Andenes kommen, wird vermutlich der Leuchtturm Andenes Fyr ausschlaggebend sein. Irgendwie ist ja doch ein Leuchtturm wie jeder andere und doch strahlt jeder einzelne von ihnen eine seltsame Faszination aus, vor der wir uns ebenso wenig verschließen können. Nun sind wir hier, wohl am nördlichsten Punkt auf Vesterålen, und stehen in der Sackgasse auf dem kleinen Parkplatz, der sich zunehmend füllt und aufgrund des eisigen Sturmes genauso schnell wieder leert. Vor uns steht er, wie ein Fels in der Brandung, der rot gestrichene Leuchtturm Andenes Fyr. Seit 1859 ist er von diesem Platz nicht mehr wegzudenken und genauso lange bietet er den Fischern auf See mit der zerklüfteten und unübersichtlichen Küste die nötige Orientierung.

In seinem Schatten, am alten Hafen, liegt das Boot für die Wal-Safari, im Hauptgebäude des Anbieters bringt uns eine Ausstellung dem Thema Wale vor Andesnes auf Vesterålen ein Stück näher. Ein alter Hafenkran erinnert an den früheren Betrieb und zeigt auf den gegenüberliegenden, neuen Hafen. Der Sturm weht ohne Rücksicht und schäumenden Wellen bleiben nicht verborgen. Das Salz des Meeres klebt förmlich im Gesicht. Und doch oder vielleicht auch deshalb lassen wir es uns nicht nehmen, die Gegend um den Leuchtturm Andesnes auf Andøya /Versterålen zu Fuß zu erkunden. Denn neben den Wetterkapriolen, die wir in den südlicheren Regionen in dieser Form nicht kennen hat das Nordland eine weitere Besonderheit: das Licht.

Vesterålen, Andenes, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.

Vesterålen, Andenes, Andøya, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

Wir sind immer wieder verzaubert, in welchen Farben die Landschaften im Nordland bis hin zur Finnmark eintauchen und einmal mehr wird uns dies auf Vesterålen bewusst. Kaum öffnet sich der Himmel, strahlt die warme Farbe der Sonne wie Theaterlicht auf die mitunter dramatische Landschaft. Vielleicht ist dies der gerechte Ausgleich zur oft empfundenen Kälte, die es sicherlich Außenstehenden unverständlich macht, wie man hier überhaupt leben kann. Dabei haben wir doch schon Frühsommer, zumindest Anfang Juni.

Die Westküste auf Andøya / Vesterålen – eine der schönsten Landschaftsrouten

Irgendwann verabschieden wir uns wieder von Andenes, sicherlich nicht zum letzten Mal. Weiter in den Norden geht es von hier aus auf dem Landwege nicht, so führt unsere Tour nun entlang der Westküste von Andøya / Vesterålen auf einer der schönsten Landschaftsrouten Norwegens, in den südlicheren Teil auf Vesterålen.

Jede Medaille hat bekanntlich zwei Seiten, das trifft genau so auf Andøya auf Vesterålen zu. Vesterålen ist sicherlich eine einzigartige Medaille und Vesterålen hat zwei völlig unterschiedliche, aber nicht minder schöne Seiten. Wobei die vorliegende Route auf der Westseite im gängigen touristischen Verständnis sicherlich die schönere ist.

Vesterålen, Andenes, Andøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Vesterålen, Andenes, Andøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Von nun an geht es für uns langsam die nächsten 51 Kilometer entlang der Küste mit ihren weißen Stränden und schönen Badeorten, und entlang der atemberaubenden Berge bis zur Kreuzung Åkneskrysset, durch kleine Dörfer und endlose Weiten, in denen man umgehend halten und wandern mag. Aber der orkanartige Sturm wird uns die nächsten Tage nich begleiten, bis er so schnell abebbt wie er gekommen ist.

Fortsetzung folgt…..

 

 

 

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