Vardo, Vardø Steilneset Memorial, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Auch vor Vardø hat die mittelalterliche Hexenverbrennung nicht Halt gemacht. Augenscheinlich fand sie in Europa überall dort statt, wo man Schuldige für die eigene Armut oder das eigene Leid verantwortlich machte.  Die Finnmark in Nord-Norwegen hat sich mit dem Steilneset Memorial diesem Thema auf beeindruckende Weise gestellt.

Vardø und seine Hexen – das Vardø Steilneset Memorial 

So sehr das Mittelalter heute gefeiert wird, so brutal waren seine Folter- und Hinrichtungsmethoden. Das machte auch vor der kleinen arktischen Stadt Vardø auf der Varanger Halbinsel nicht Halt. In der Zeit von 1060 bis 1692 wurden von über 100 Beschuldigten nach brutaler Folterung 77 Frauen und 14 Männer als Hexen hingerichtet. Dieser Zeit des Grauens hat die Finnmark ein einzigartiges Mahnmal entgegengesetzt- das beeindruckende Vardø Steilneset Memorial

Die Hexenverfolgung galt in Vardø als eine der schlimmsten in der gesamten Finnmark. Den Höhepunkt erreichte dieser Wahn in den Jahren 1662 und 1663.

Das Steilneset Memorial – Hexenmahnmal von Vardø

Auf beeindruckend künstlerische und architektonische Weise hat Vardø sich diesem dramatischen Thema in Form des Steilneset Memorial angenommen und verpflichtete dazu den Schweizer Architekten Peter Zumthor.

Das 120 Meter lange Hauptgebäude des Steilneset Memorial besteht aus einer modernen Interpretation der traditionellen Fischtrockengestelle und ist mit einem Segeltuch überspannt.

Wie ein seitlich aufgestelltes Kajak hängt darin die lediglich 1,50 Meter breite Erinnerungshalle. Ein Holzsteg mit seitlichen Wänden führt zur schlichten Eingangstür des Vardø Steilneset Memorial. Im Inneren wird es dunkel. Für jedes der 91 Opfer gibt es eines der ungleichmäßig angeordneten kleinen Fenster mit einer dahinter liegenden kleinen Glühlampe. Zu jedem der 91 Opfer gibt es eine Gedenktafel mit Texten der Historikerin Liv Helene Willumsen. Ihre Texte gründen auf die aberwitzigen Gerichtsprotokolle.

Nahe des Gedenkraumes des Steilneset Memorial Vardø gibt es einen kleinen Pavillon mit einem symbolischen und stilisierten Scheiterhaufen. Aus einem Stuhl heraus brennt eine Flamme, die zu den darüber hängenden Rauchglasplatten empor steigt. An den umlaufenden fünf Meter hohen Masten sind sieben Spiegel kreisförmig um die Feuerstelle angebracht, jeder dieser Spiegel steht für einen der Hexenrichter. Und in jeden dieser Spiegel sieht man sein eigenes Gesicht.

Als Besucher des Steilneset Memorial Vardø bewegt man sich zwischen dem Kegelstumpf der Feuerstelle und den Spiegeln, in denen man das nie enden wollende Feuer auch indirekt betrachten kann. Der umgebende quadratische Pavillon des Steilneset Memorial besteht aus einer Stahlkonstruktion und Rauchglaswänden. An seinen Außenwänden spiegelt sich die Umgebung von Vardø.

Der Gedenkpavillon in Vardø war das letzte öffentliche Werk der französisch-amerikanischen Künstlerin Louise Bourgeois, die 11 Monate vor der offiziellen Einweihung verstarb.

Am 23. Juni 2011 wurde das Steilneset Memorial als Denkmal für die Opfer der Hexenverbrennung durch Königin Sonja von Norwegen eingeweiht.

Das Mahnmal im polaren Vardø dürfte eines der größten Einzelprojekte entlang der Touristikstraßen sein. Vom Steilneset Memorial führt ein stiller Pfad in die nahe Umgebung von Vardø.

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