Finnmark Geschichten

Storskog Grensestasjon (Grenzstation) – Grenzübergang Norwegen-Russland

Storskog Grensestasjon, Kirkenes, Grensestasjon Kirkenes, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar
Storskog Grensestasjon, Kirkenes, Grensestasjon Kirkenes, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Neu ist sie, die Europastraße 105, zumindest im norwegischen Teil und damit auch die einzige offizielle Verbindung zwischen Russland und Norwegen. Bereits nach fünf Kilometern Länge erreicht sie entsprechend den einzigen offiziellen Grenzübergang zwischen den beiden Ländern, der Storskog Grensestasjon bei Kirkenes.

Zwei Länder, zwei Systeme – verbunden an der Storskog Grensestation bei Kirkenes

Der Grenzübergang Grensestasjon Storskog – Borisgleb liegt etwa 350 Kilometer nördlich des Polarkreises und ist zudem der nördlichste Grenzübergang im Schengenraum. Entsprechend unscheinbar wirkt die Grensestasjon hier in der kleinen Siedlung Storskog, nur fünf Kilometer von der kleinen Hafenstadt Kirkenes am eisfreien Eismeerhafen.

Der kleine Grenzübergang zwischen dem norwegischen Storskog und dem russischen Borisgleb ist zugleich die Drehscheibe für die regionale Zusammenarbeit in der arktischen Region, Austauschprogramme zwischen den beiden Ländern laufen genau hier entlang.

Geschichten an der Grensestasjon Storskog

Die erste Grenzöffnung zwischen Russland und Norwegen:

Russland und Norwegen sind erst mit Ende des Zweiten Weltkrieges direkte Nachbarn. Zuvor hatte das mit dem Deutschen Reich verbündete Finnland direkten Zugang zur Barentssee. Doch Finnland verlor das Gebiet an Russland.

Nicht unbedingt förderlich war die Entwicklung des Kalten Krieges zwischen der NATO und dem Warschauer Pakt. Die Grenze zwischen Norwegen und Russland wurde so auf ihren fast 200 Kilometern so zur Systemgrenze. Und die war nun gänzlich verschlossen.

Voran ging allerdings die Befreiung der Finnmark für die Rote Arme von der deutschen Wehrmacht. Auch betrieben die Russen und die Bewohner der Finnmark schon seit jeher regen Handel.

Doch nun stand alles still. Wenn es etwas in kleinen Grenzangelegenheiten auf kurzem Dienstweg zu regeln gab, so reichten sich die Grenzsoldaten und Polizisten in englischer Sprache über das schmale Niemandsland.

Doch am 20. Juni 1965 kam die Nachricht aus Russland wie ein Donnerhall: Ab sofort würde die Grenze bei Boris Gleb für Skandinavier geöffnet, so teilten es die Verantwortlichen auf russischer Seite über das norwegische Außenministerium  und über die Grenze nach Kirkenes direkt mit. Alleine der Personalausweis oder ein Reisepass sollten genügen, ohne Visa sich 24 Stunden in Russland aufzuhalten, bei Antrag auch bis zu 48 Stunden.

Rechtzeitig zu diesem Termin hatte man in Russland eine Straßenverbindung gebaut und sogar an eine durchgehende Straßenbeleuchtung gedacht.

Storskog Grensestasjon, Kirkenes, Grensestasjon Kirkenes, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar

Storskog Grensestasjon, Kirkenes, Grensestasjon Kirkenes, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Norwegen war überrascht, gab es doch gar keine Kontrollstelle für einen eventuellen Grenzübergang. Zudem konnte man sich in Kirkenes einfach keinen Reim auf die Beweggründe Russlands machen.

Denn was würde der Nachbarort Boris Gleb schon bieten? Eine alte griechisch katholische Kapelle? Aber die Russen lockten unverhohlen mit preiswertem Wodka, die Lust auf russisches Partyleben war geboren. Sechs norwegische Kronen kostete der Grenzübertritt nach Russland, damit einhergehend musste der Ausweis oder Pass bei den Grenzbeamten hinterlegt werden.

Mitten in der politischen Kälte sah man in Kirkenes so etwas wie ein Aufbruchsignal und träumte schon mal von guten Geschäften vor allem im touristischen Bereich mit den Russen, die hier her kommen würden. Aber in den Visionen der Norweger gab es auch die Möglichkeiten westlicher Touristen, die hier in Kirkenes Zwischenstation auf ihrem Ausflug nach Russland machen würde.

Doch die einzigen, die über die Grenze kamen, waren völlig betrunkene Norweger nach ihrem Ausflug in die Bar von Boris Gleb. Dort gab es Wodka und andere alkoholische Träume von morgens bis spät in die Nacht für etwa die Hälfte der bekannten skandinavisch hohen Preise.

Durfte in Norwegen Alkohol erst ab einem Alter von 21 Jahren ausgeschenkt werden, gab man es in Boris Gleb bereits den 16jährigen.  Vorsorglich hatten die Russen in Boris Gleb eine Intertourist Herberge eröffnet, falls der Rückweg unter den gegebenen Umständen doch zu mühsam wäre.

Doch langsam dämmerte es auch den Norwegern- da ist was faul im Staate Russland. Denn Kontakt zu der russischen Bevölkerung war ausgeschlossen und kein Russe kam kam nach Kirkenes.

Dafür hatte aber Kirkenes nun ein logistisches und finanzielles Problem. Denn bisher musste die Passstelle in Kirkenes jährlich etwa 100 Pässe ausstellen, doch nun stieg das Volumen auf etwa 1000 Pässe, pro Monat!

Eine Grenzstation musste errichtet und mit Personal besetzt werden und das örtliche Gefängnis mutierte zur konstant überfüllten Ausnüchterungszelle. Während die norwegischen Ausflügler im Jahr 1965 täglich etwa 2.800 EUR ließen, sorgten sie für zusätzliche Kosten auf der norwegischen Seite von etwa 280.000 EUR.

Doch so einfach ließ sich dieses Grenzloch nicht schließen, immerhin hatten die Norweger und die Russen in ihren Grenzverhandlungen 1949 beschlossen, Grenzregelungen nur alle fünf Jahre wieder zu ändern.

Und so blieb die große Sorge, Russland könne die betrunkenen Norweger ausspionieren. Denn Nordnorwegen war im Kalten Krieg hochmilitarisiertes Gebiet mit wichtigen NATO-Stützpunkten.


Die Flüchtlingskrise an der Grensestasjon Skorskog im Jahr 2015/2016: Die jüngste Geschichte an der Grensestasjon Storskog mit zumindest europaweiter Beachtung war Teil des Flüchtlingsstromes nach Europa. Viele Menschen ertranken auf der gefährlichen Mittelmeeroute. Und so gab es viele Menschen, welche die Route etwa 350 Kilometer nördlich des Polarkreises wählten. Sie flogen nach Moskau, reisten dann mit dem Zug ins 220 Kilometer entfernte Murmansk. Von dort aus ging es bei herbstlich arktischen Klimaverhältnissen mit Frost und Schneefall in die norwegische Richtung.

Allerdings ist es verboten, die russische Grenze zu Fuß zu passieren, so etablierte sich schnell ein kleiner Fahrradmarkt, an dem die russischen Händler alles anboten, was zumindest die ehemalige Nutzung als Fahrrad erkennen lies.

Zudem konnten viele Flüchtlinge gar kein Fahrrad fahren, ihr Glück war indes, dass die russische Seite gar kein Interesse an Flüchtlingen hat.

Soeben in Norwegen angekommen wurden die völlig untauglichen Fahrräder von der Polizei einkassiert, täglich holte ein Schrotthändler diese Vehikel ab.

Natürlich wäre es ein leichtes, dass Flüchtlinge sich mit einem Auto über die Grenze nach Norwegen fahren ließen. Doch hier würde jeder Fahrer eines solchen Fahrzeuges als Schleuser behandelt und entsprechend strafrechtlich verfolgt.

Zunächst schickte Norwegen Flüchtlinge zurück, die bereits einen Aufenthaltsstatus in Russland hatten, doch bereits nach 200 Rückführungen weigerte sich Russland für weitere Rücknahmen. Mittlerweile haben sich die beiden Länder auf eine Rückführung geeinigt, wenn die abgewiesenen Flüchtlinge mit dem Flugzeug nach Moskau gebracht würden.

Mittlerweile ist ein Zaun gebaut und die Zahl der Flüchtlinge auf ein vertretbares Minimum gesunken.

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