Stahl verbindet – Die Schleibrücke Lindaunis

Schleibrücke Lindaunis – Kodak Portra 160 | © mare.photo
Schleibrücke Lindaunis – Kodak Portra 160 | © mare.photo

Hoch im Norden Deutschlands führt ein Relikt aus vergangenen Tagen über den Ostseefjord Schlei, die Schleibrücke Lindaunis. Ihre Tage sind nach mehr als 90 Jahren gezählt. Für die einen ist die Schleibrücke Lindaunis nicht mehr zeitgemäß, für andere hat die alte Damen unwiederbringlichen Charme. Wir haben diese Stahlfachwerk-Brücke mit dem Kodak Portra 160 portraitiert.

Schleibrücke Lindaunis: Portrait mit Kodak Portra 160

Wer einmal in der schönen Landschaft Angeln im nordöstlichsten Kreis Schleswig-Flensburg unterwegs ist, kann sich der Faszination der Schleibrücke Lindaunis kaum entziehen. Überall warten die Touristen mit ihren Fotoapparaten, um dieses seltene Exemplar beim Öffnen und Schließen für die Erinnerung festzuhalten. Wir haben das Gleiche getan, haben den Kodak Portra 160 in unsere analoge Leica M gepackt und beschreiben hier ihre Geschichte und Zukunft.

Es ist der 01. Juli 1881, als der südliche Abschnitt der insgesamt 79 Kilometer langen Strecke Kiel-Eckernförde-Flensburg für die Eisenbahn freigegeben wird. Die Strecke ist eingleisig, die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland noch eine sehr junge. Bereits am 21. Dezember des selben Jahres ist dann auch die Verbindung bis nach Flensburg fertig und wird dem Schienenverkehr übergeben. Anfangs sorgt eine Drehbrücke für die Verbindung über die Schlei.

Auf dem Weg von Kiel bis Eckernförde wird bereits der Nord-Ostsee-Kanal mit der internationalen Bezeichnung Kiel Canal mit Hilfe der Stahlbogenbrücke Levensau überquert.  Weiter führt sie parallel zur Ostseeküste über die drei Halbinseln Dänischer Wohld, Schwansen und Angeln. Hier, in Lindaunis, sorgt anfangs eine Drehbrücke für die Verbindung zwischen dem südlichen Schwansen und Angeln im Norden.

Schleibrücke Lindaunis – Kodak Portra 160 | © mare.photo

Schleibrücke Lindaunis – Kodak Portra 160 | © mare.photo

Schon früh kommt die Drehbrücke an dieser Stelle an ihre Grenzen und so baut man aus Teilen der abgebauten Brücke Taterpfahl. Die Drehbrücke Taterpfahl führte bislang die westlich gelegene Marschbahn über den Nordostseekanal und ist 1920 der modernen Hochbrücke Hochdonngewichen. So führen die beiden Stahlfachwerksegmente vom Südufer der Schlei hin zum eigentlichen Klappelement. Am 17. Juli 1927 geht diese neue Konstruktion in Betrieb.

Seit 1997 steht diese einzigartige Klappbrücke Lindaunis unter Denkmalschutz. Mittlwerweile wird sie stündlich mit Regionalzügen befahren, dazwischen wird auf der gleichen Spur wechselseitig der Verkehr, bestehend aus Autos, Radfahrern und Fußgängern geführt. Ebenso öffnet die Schleibrücke Lindaunis stündlich, jeweils um viertel vor jeder vollen Stunde, für den Schiffsverkehr. Dann setzt sich langsam und stöhnend der schwere Koloss mit seinem Gegengewicht in Bewegung, bis die Brücke stolz und erhaben in den Himmel zeigt. Mit gleicher Gemächlichkeit schließt sie dann wieder.

Abschied von der Schleibrücke Lindaunis mit dem Kodak Portra 160

Doch diese Gemächlichkeit, sie ist nichts für die streß-geplagten Autofahrer, die immer auf der Flucht anstatt im Reisemodus sind. Ihr Unmut wird unüberhörbar. Auch die viel zu breiten und oft zu schweren Fahrzeuge setzen der Brücke zu. Sie wird nur noch unzulänglich gewartet, denn der Neubau ist längst zum Politikum geworden. Der Denkmal wird in den Wind geschrieben und die Rollklappbrücke Lindaunis steuert auf ihre letzte Phase zu. Sie würde gerne weiter verbinden. Aber eine Bindung muss immer wechselseitig bestehen. Ihr Nachfolger ist schon bestimmt. Er wird breiter und leichter, schneller und bunter.

Aber bis dahin werde ich immer mal wieder kommen, die Leica mit dem Kodak Portra 160 laden, so viele Impressionen bei Queren dieser Brücke auf den Film bannen und vielleicht wieder für einige Sekunden das Aufenthaltsverbot auf dieser betagten Konstruktion ignorieren.

Technische Daten

  • Zu Beginn befand sich zwischen 1881 und 1927 östlich der heutigen Brücke eine Drehbrücke. Je eine Bogenbrücke befand sich vom Nordufer und Südufer kommend. Das Drehelement war in der Mitte platziert. Allerdings war die Durchfahrtbreite zunehmend zu klein, sodass Ersatz geschaffen werden musste.
  • Bei dem hier beschriebenen Bauwerk handelt es sich um eine Rollklappbrücke mit einer Gesamtlänge von 120 Metern und einer lichten Breite von 22,50 Metern.
  • Bis 1975 wurde die Rollklapbrücke Lindaunis durch einen Kettenantrieb bewegt, seit 1975 wird die hydraulisch in Gang gesetzt.
  • Die Schleibrücke Lindaunis wird immer um viertel vor der neuen Stunde, stündlich und zeitgleich mit der Klappbrücke in Kappeln für den Schiffsverkehr geöffnet.

Hintergrundinformationen zur Fotografie

Die Bilder haben wir mit der Leica M und dem Summilux 1.4 50 asph. auf Kodak Portra 160 belichtet. Dieser Film ist eigentlich zum Portraitieren von Menschen gedacht und verhält sich dadurch zurückhaltend in seiner Farbgebung. Zudem geht er hervorragend mit unterschiedlichen Beleuchtungen um. So reduziert er auch eventuelles warmes Sonnenlicht in Richtung Tageslicht.

Man darf sich aus Sicherheitsgründen nicht auf der Brücke aufhalten, sondern hat sie zügig zu passieren.Entsprechend schnell muss man die Bilder einfangen. Für die Übersichtsaufnahmen durfte ich in den Steuerraum der Deutschen Bahn, der im weißen Turmhaus an der Brücke untergebracht ist.