Rodenäs – weitläufig, vielfältig und mit Jedem auf Du

Wer kennt schon Deutschlands nördlichsten Punkt auf den Festland? Vielleicht einen der kleinsten befahrbaren Grenzübergänge in Europa? Eine Straße, über welche die Landesgrenze zick zack führt? Oder den deutsch-dänischen Deich? Oder das deutsch-dänische Naturschutzgebiet Rickelsbüller Koog / Margarethe-Kog? Wer kennt ein Dorf, in dem sich alle dutzen? Und das Dorf, an dem sich sogar einer der deutschen Bundespräsidenten heimlich nach Dänemark schmuggelte? Kurzum, Rodenäs hat das Zeug für die Geschichtsbücher. So zersiedelt das kleine Dorf  mit seinen 400 Einwohnern ist, so bemerkenswert sind seine Geschichten.

Wo liegt denn eigentlich Rodenäs?

Rodenäs ist die nordwestlichste Gemeinde in Deutschland auf dem Festland und liegt im nordwestlichen Nordfriesland. Von der Kreisstadt Husum liegt Rodenäs 58 Kilometer entfernt, zur Verwaltung im  Amt Südtondern, nach Niebüll, ist man 18 Kilometer unterwegs. Flensburg an der Ostsee ist nach 58 Kilometer erreicht.

Ins benachbarte Hoyer (Højer) in Dänemark fahren wir 11 Kilometer unterwegs, auf die Insel Röm (Rømø) fährt man von Rodenäß aus 52 Kilometer. Für einen Bummel im dänischen malerischen Tondern (Tønder) rechnen wir 15 Kilometer.

Der nächste Bahnhof befindet sich im benachbarten Klaxbüll.

Rodenäs hat sich einen Namen gemacht. Zum einen als das Duz-Dorf, denn hier duzen sich alle, die benachbarten Dänen sowieso. Mit dieser unverkrampften Fröhlichkeit und Offenheit ging Rodenäs durch die Medien und damit einhergehend konnte jeder erfahren, dass dieses Dorf auch zugleich die nordwestlichste Gemeinde auf deutschem Festland ist. Die Schlagbäume nach Dänemark stehen immer offen, doch, wie in solchen Gebieten ist man beidseits der Grenze sehr wachsam.

Aber ob der Schlagbaum offen oder in Krisenzeiten geschlossen- es ändert nichts an dem friesisch herben und doch herzlichen Miteinander von Dänen und Deutschen hier im Grenzgebiet. Hier am Grenzübergang befindet sich übrigens der nördlichste Punkt in Deutschland, auf das Festland bezogen.

Wo gibt es schon eine Straße, die zum Teil auf deutschem und zum Teil auf dänischem Boden führt und die Verkehrsschilder dänisch sind? Sie führt vom nördlichsten Festlandspunkt Deutschlands mitten durch das gemeinsame Naturschutzgebiet Rickelsbüller Koog / Königin Margarethe Kog. Sie entdet am gemeinsamen Deichprojekt, dem deutsch-dänischen Deich. Dessen Folge im übrigen die Entstehung Deutschlands nördlichsten und Dänemarks südlichstem Kog war.

Um zum westlichsten Punkt der deutsch-dänischen Landesgrenze zu gelangen, müssen die Dänen zunächst ein paar Meter durch Deutschland fahren und am Ende in Deutschland parken. Und Deutsche fahren zwischendrin ein Stück durch Dänemark. 

Die Grenzmarkierungen sind zum Teil im Asphalt und zudem durch Grenzsteine belegt. Am Ende wartet der Deich. Der Gedenkstein erinnert an das gemeinsame Deichbauprojekt in zweisprachiger Inschrift. 

Dabei können die Rodenäser viel mehr als diese beiden Sprachen, was gar das Interesse von Sprachwissenschaftlern weckte. Die Universität Kopenhagen fand bei einer Untersuchung im Jahr 1970 heraus, dass 28 % der Einwohner hochdeutsch, plattdeutsch, friesisch, standarddänisch und südjütisch sprachen und somit fünfsprachig waren. Aber immer mehr setzt sich das Hochdeutsch durch, auch, wenn es Bestrebungen gibt, Dialekte und Verschiedensprachigkeit zu fördern.

Geschichten am Schlagbaum

Für die Grenzbeamten, die hier ihren Dienst verrichten mussten, kam der Einsatzort am Grenzübergang Norddeich-Sieltoft einer Strafversetzung gleich. Für viele Menschen ist der westlichste Grenzbereich zugleich die langweiligste Einöde überhaupt. Zudem geht der Wind unablässig, er unterscheidet sich im Laufe der Jahreszeiten lediglich durch Temperatur und Heftigkeit.

Dieser Grenzposten Norddeich-Siltoft durfte nur mit besonderer Erlaubnis genutzt werden, eine solche Erlaubnis hatte Bauer Broder P. Sein Hof liegt auf dänischer Seite, doch die Straße davor gehört zu Deutschland. Um von seiner Hofeinfahrt auf die eigenen Felder zu kommen, musste er also erst von seinem Grundstück aus nach Deutschland auf die Straße, anschließend durch den Schlagbaum nach Dänemark, um auf seine Felder zu gelangen. Wollte er aber beispielsweise ins nahe Rodenäs auf deutscher Seite, so musste er erst durch den dänischen Schlagbaum, dann über einen langen Umweg zum nächsten östlich gelegenen Grenzübergang wieder über die Grenze, um zu seinem Ziel zu gelangen. Immerhin hatte Bauer Broder P. das Privileg, einen Schlüssel für den Schlagbaum benutzen zu dürfen. Doch ärgerte er sich über den Aufwand und ließ oft genug die Schranke einfach geöffnet. Um zu verstehen, muss man sich den tatsächlichen Grenzverlauf an dieser Stelle anschauen.

Rodenäs und seine hübschen Bienen

Bienen sind toll. Das hat man auch in der kleinen Gemeinde Rodenäs erkannt. Seit einigen Jahren tut man nun alles dafür, das Bienendorf Schleswig-Holsteins zu werden. Damit hat Rodenäs nördlich des Nord-Ostsee-Kanals fast Alleinstellungsmerkmal. Dabei würde man sich doch lieber über mehr Wettbewerb freuen. Auf jeden Fall schauen die Menschen in Rodenäs nach vorn, schaffen großzügige Wildblumen-Wiesen und zunehmend mehr Hotelanlagen für diese so gern gesehenen Gäste. 

Es ist ein weiteres Zeichen, mit welcher Hingabe sich eine so kleine Gemeinde für Nachhaltigkeit engagiert. Und es ist ein weiteres Beispiel über die grandiose Vielfalt, die man völlig unerwartet entlang der nördlichen nordfriesischen Küste entdecken kann.

Rodenäs bietet sich also regelrecht an, entspannt mit dem Fahrrad entdeckt zu werden. Platz genug gibt es.

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