Die idealen Brennweiten für die Reise- und Landschafts-Fotografie

Es gibt unzählige Artikel darüber, welches nun die ideale Fotoausrüstung für den anstehenden Urlaub ist. Und mit diesem Artikel kommt ein weiterer hinzu. Aber: Wir werden keine Auflistung von Kameras und Objektiven machen um möglichst viele Amazon-Klicks zu provozieren, wir möchten ganz  frei und unabhängig erläutern, was wir auf Reisen mitnehmen. Hier also unser Einblick, welche Objektive wir in der Reise- und Landschaftsfotografie einsetzen. Dabei schwören wir auf Festbrennweiten. Bewusst beschreiben wir hier die Brennweiten, die wir auf unseren Touren selbst einsetzen. Würden wir noch auf die ganzen Alternativen eingehen wie es in den meisten Artikeln mit Amazon-Links passiert, wäre die Unsicherheit groß. Nicht ohne Grund kombiniert man gute journalistische Artikel nicht mit themenbezogener Werbung. Auch geht es hier nicht um bestimmte Hersteller, sondern alleine um die von uns eingesetzten Brennweiten.

Kvalsund, Repparfjord, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Die Frage nach der Qualität

Objektive und Kameras gibt es wie Sand am Meer. Leider. Denn niemand kann wirklich den Markt der Möglichkeiten überblicken. Der Anspruch auf Professionalität ist schon lange zum Marketing-Gang verkommen.

Bevor ich mir die Frage nach der richtigen Brennweite für die Reise- und Landschaftsfotografie stelle, sollte ich mir im Klaren sein, welchen tatsächlichen Anspruch ich an die Fotografie habe und was ich mit den Bildern nach meinem Urlaub machen möchte.

Habe ich noch keine geeignete Kamera, stellt sich die Frage nach der verständlichen Bedienung. Was nützt mir eine Kamera, die ich im Urlaub gar nicht verstehe?

Weniger ist mehr

Um es gleich zu sagen: Weniger ist mehr. Je weniger Funktionen und Einstellungen eine Kamera hat, um so mehr kann man sich auf das Fotografieren konzentrieren. Fahre ich mit Freunden oder Kindern an den Strand, ist vielleicht sogar schon eine wasserdichte Einweg-Kamera die richtige Wahl. Man darf überrascht sein, wie gut selbst Abzüge fürs Fotoalbum in einer Größe von 10×15 cm gelingen. (Flugreisende sollten bei analogen Filmen aber unbedingt auf Handkontrollen bestehen.)

Möchte ich wandern, kommt es in erster Linie auf geringes Volumen an. Das ist im übrigen noch wichtiger als ein geringes Gewicht.

Bin ich Tage ohne verfügbaren Stromanschluss unterwegs, kommt es auf den Energieverbrauch einer Kamera an. Ebenso kann sich durchaus die Frage nach den klimatischen Bedingungen einer Kamera stellen. Trockene Kälte und tiefe Temperaturen machen die Kameraelektronik und die Schmierfette träge, hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit stellen ganz andere Herausforderungen.

Egal wie, man sollte sich seiner Fähigkeiten in der Fotografie bewusst sein und sich nicht überschätzen. Man sollte sich nicht mit Profis messen wollen und nicht von angeblichen Profis in die Irre leiten lassen.

Ebenso gibt es keine Kamera für alle Fälle, ebenso kein Objektiv für alle Situationen. Aber kreative Köpfe werden auch mit einem Objektiv in jeder Situation zurecht kommen und ihr Motiv finden.

Wer also Spaß im Urlaub haben möchte und seine Erholung nicht mit Fotostress kaputt machen will, sollte recht entspannt sein, welche Brennweiten er in der Reise- und Landschaftsfotografie einsetzt. Weniger ist oftmals mehr.

Das Weitwinkel-Objektiv: 28mm (Kleinbild / Vollformat)

Die 28mm Brennweite (bezogen auf Kleinbild/ Vollformat)

Figeholm, Kalmarsund, Oskarshamn, Misterhult, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Portra 160 | © mare.photo

Bilder sollen gerne von der Reise erzählen. Ganz gleich, ob auf Städtetour, in der Natur oder auf dem Schiff. Da bietet sich fürs Fotoalbum eine kleine Reisereportage an. In Bildern wird der Reiseablauf erzählt. 

Wir haben gemerkt, das wir tatsächlich in unseren Reisereportagen meistens mit einer Brennweite von 28mm arbeiten. Die größte Lichtstärke liegt bei unserem Objektiv bei 2.8 . In dieser Kombination ist das Objektiv sehr klein und relativ leicht. Der Filterdurchmesser ist gering.

Mit  diesem Objektiv fotografieren wir ganz entspannt enge Gassen, aber auch die Weitläufigkeit einer offenen Landschaft. Spielende Kinder kommen auch in ihrem Bewegungsdrang noch treffsicher mit aufs Bild, ohne , dass ihre Gesichter verzehrt werden.

Die Brennweite 28mm bildete die erste Extrem-Brennweite in der Geschichte der Kleinbild-Fotografie. Heute hat sie zum Teil die klassische Reportage-Brennweite von 35mm verdrängt. Alleine mit der Brennweite 28mm kann man bestens zurecht kommen. Der Inhaber von Messsucherwelt.com, Dr. Claus Sassenberg, würde auf seinen Reisen ein 28 mm Objektiv mitnehmen, könnte er sich nur eine Brennweite für die Reise- und Landschafts-Fotografie aussuchen.

Das Normalobjektiv: 50mm Brennweite (Kleinbild / Vollformat)

Fiskeläge Klintehamn, Gotland, Leica Summilux 1.4 50 asph. Kodak Ekta

Die 50mm Brennweite (bezogen auf Kleinbild / Vollformat)

Die 50mm Brennweite wird gerne als Normalbrennweite bezeichnet, da ihr Bildwinkel in etwa unserem bewusst wahrgenommenen Blickwinkel entspricht. In dieser Brennweite wird die Umgebung am neutralsten wiedergegeben. Die 50 mm Brennweite ist wahrscheinlich die universellste Brennweite. Sie wird von den einen für ihre Langweile verachtet, von anderen geliebt. Der Hamburger Fotograf Parick Ludoph von neunzen72.de kommt aus dem Schwärmen für diese Brennweite gar nicht mehr heraus.

Die Brennweite von 50mm eignet sich sowohl für harmonische Portraits wie auch für das Ablichten seines Abendessens oder kleine andere Details.

Unser Objektiv hat die Anfangsöffnung von 1.4 und ist damit sehr lichtstark. Richtig eingesetzt erzeugt man damit sanfte Unschärfe im Hintergrund. Man sollte sich für eine so hohe Lichtstärke aber nur entscheiden, wenn  sie auch konsequent genutzt wird. Denn sie ist je nach Hersteller deutlich teurer, das Objektiv gegenüber lichtschwächeren Alternativen aber auch größer und schwerer. Im Normalfall kommt man bestens mit Blende 2.0 zurecht und wird mit einer äußerst leichten und kompakten Bauform belohnt. In der Regel haben Objektive mit einer geringeren Lichtstärke sogar eine bessere Abbildungsleistung.

Wir selbst haben schon für Bilder eines Reisekataloges ausschließlich diese Brennweite eingesetzt. 

Mit etwas Übung könnte die 50mm Brennweite als alleiniges Objektiv mit auf die Reise. Bei unserer ersten Gotland-Reise war beispielsweise die 50 mm Brennweite unsere kleinste Brennweite.

Leichtes Tele- und Makro-Objektiv: 90mm (Kleinbild / Vollformat)

Die 90mm Brennweite (bezogen auf Kleinbild / Vollformat)

Geschichte des Cafés, Kodak Portra 160, Leica M Makro Elmar 90

Die 90mm Brennweite wird in der Regel als leichte Tele-Optik gern für klassische Portraits eingesetzt. In dezenter Form wird die Perspektive komprimiert. Das gilt auch für natürliche und bildfüllende Nahaufnahmen. Durch die mögliche Distanz zwischen Objekt und Film bzw. Sensor bleiben Verzerrungen aus. So bietet sich die Überlegung an, diese Brennweite zugleich in einer Makro-Version auszusuchen, um formatfüllende Details aufzunehmen, aber auch Motive aus der Distanz einzufangen. Eine Anfangsöffnung sollte zwischen 2.8 und 4,0 liegen. Alles, was lichtstärker angeboten ist, ist schwerer und größer. Aber auch teurer.

Es lohnt sich, mal alleine mit dieser Brennweite loszuziehen und Details einzufangen. Aus dem urbanen Leben genauso wie aus der Natur.

Teleobjektiv: 135mm (Kleinbild / Vollformat)

Rosfjord, Lista, Leica M Elmarit 2.8 135, Kodak Ektar | © mare.photo

Die 135mm Brennweite (bezogen auf Kleinbild / Vollformat)

Die Brennweite von 135 mm ist sicherlich in heutigen Tagen ein kleiner Exot. Sie wird gerne unterschätzt. Und doch sollte man sie nicht außer acht lassen. Noch recht gut zu handhaben zeigt sie einen deutlichen Tele-Effekt und holt selbst entfernt liegende Motive gut ins Bild. Zudem eignet sich die Brennweite von 135mm auch hervorragend für Portraits mit auflösendem Hintergrund.

Man sollte eine maximale Blendenöffnung zwischen 2.8 und 4.0 wählen, in diesem Bereich ist solch ein Objektiv von der Größe und dem Gewicht noch gut zu handhaben.

Als ich in Griechenland für einen Reisekatalog fotografierte, hatte ich lediglich die Brennweiten 50mm und 135mm im Gepäck und konnte damit alles abdecken.

Zur Zeit ist das 135mm Objektiv bei uns selten dabei. Es wird nur dann mit auf Reisen genommen, wenn wir um weiter entfernt liegende Motive wissen, die schwer zu erreichen sind.

Festbrennweite oder Zoom

Fest-brennweite oder Zoom?

Bücherdorf Fjærland, Mundal, Sognefjord, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.

Die Frage, ob man sich für Objektive mit Zoom oder Objektive mit Festbrennweite entscheidet ist vor allem für Menschen interessant, die sehr anspruchsvoll fotografieren wollen. Die meisten Menschen werden mit einem Zoom bestens zurecht kommen.

Wer es einfach, klein und kompakt haben möchte und dabei nicht verzichten will, dem bietet sich ein Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 28-90mm an. Die meisten Kit-Objektive liegen heute bei 24 bis 75mm (entspricht im APS-Format etwa 15-55mm), auch das ist völlig ausreichend.

Festbrennweiten haben in der Regel eine bessere Abbildungsleistung und eine höhere Lichtstärke. Wir selbst bevorzugen Festbrennweiten, auch, wenn man diese je nach Situation wechseln muss. Man bewegt sich bei der Motivsuche idealer Weise mehr als mit einem Zoom-Objektiv. Wir sind mit den Brennweiten 28-50-90mm unterwegs.

Zoom-Objektive mit hoher Lichtstärke sind extrem groß und schwer und deswegen für die normale Reise eher ungeeignet. Die Anfangsöffnung sollte hier zwischen 4.0 und 5.6 liegen.

Autofokus oder manueller Fokus

In der Regel wird man sich für einen Autofokus entscheiden. Wir selbst nutzen nur manuell fokussierende Objektive. Der Vorteil bei Verzicht auf Autofokus ist der deutlich geringere Energieverbrauch und damit verbunden die höhere Akku-Laufzeit und deutlich kleinere Objektive. Es gehört aber durchaus Übung dazu, ein Objektiv sicher scharf zu stellen oder mit dem vorhandenen Schärfebereich zu arbeiten.

Fazit

Welches ist denn nun die perfekte Brennweite für die Reise- und Landschafts-Fotografie

Möchte man nachhaltig Freude an seinen Bildern haben und liegt der Anspruch über den Ergebnissen eines Smartphones, dann sollte man in ein richtig gutes Objektiv investieren.  Das kann eine bestimmte Festbrennweite sein oder ein bestimmtes Zoom. Ein gutes Objektiv wird man selbst bei einem Wechsel der Kamera behalten. Und der beste Film und der beste Sensor taugen wenig, wenn die vorgesetzte Optik billig ist.

Auf Wanderungen mit Zelt und Rucksack wird man auf eine kleine Kamera mit kleinem Objektiv wert legen. Hier könnte ein 28mm Objektiv mit einer Anfangsöffnung von 2.8 perfekt sein.  Im urbanen Bereich käme man sehr gut mit einer 50mm Brennweite zurecht. Diese beiden Brennweiten kann man für sich genommen einzeln mit auf Reisen nehmen. Die Brennweite von 90mm bietet immer eine Ergänzung.

Natürlich gibt es immer auch Zwischenlösungen wie zum Beispiel als alleiniges Reportage-Objektiv die klassische 35mm Brennweite oder selbige kombiniert mit 75mm.

Ein extremer Weitwinkel wie 21mm oder darunter sollte immer nur eine zusätzliche Ergänzung sein. In solchem Fall sollte man aber die Weitwinkelfotografie beherrschen, um langweiligen und leeren Aufnahmen vorzubeugen. 

Wir haben hier ein Spektrum an Brennweiten vorgestellt, mit denen schon sehr früh Profis in der Reise- und Landschaftsfotografie zurecht kamen.

Mit dem Brennweitenbereich zwischen 28mm und 90mm entstehen übrigens noch heute die meisten Aufnahmen in Reisekatalogen oder Bildbänden.

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