Oldtimerløbet / Oldtimertreffen in Gråsten an der Flensburger Förde

Wenn ein Däne von Gråsten erzählt, dann auch in der Regel von dem järhlich im späten Frühling stattfindenden Oldtimerløbet. Bei diesem dürfte es sich um das größte Oldtimer-Treffen in Dänemark handeln. Dann kommen mitunter über 1000 Autos, Traktoren und Lastwagen  und einige hundert motorisierte Zweiräder auf den Ringreiter-Platz in Gråsten / Gravenstein. 

Dort zeigen die stolzen Besitzer aus Dänemark, Deutschland, Polen und dem skandinavischen Ausland ihre große Liebe im Blechkleid. Regelmäßig kommen einige tausend Besucher nach Gråsten und mindestens noch einmal so viele an die Straßenränder der aufregenden Rally. 

Im Jahr 1992 fiel der Startschuss für das ersten Oldtimertreffen. Heute gehört der Oldtimer-Løbet Gråsten zum festen Bestandteil der wichtigsten Veranstaltungen an der Flensburger Förde. Dabei treffen wir die Senioren, die mit ihrem Fahrzeug mit gewachsen sind genauso wie die junge Frau, die einfach ihre Liebe zum Käfer aus den 1970er Jahren lebt. Die Familie mit dem T2 Westfalia,  den Unternehmer mit seinem alten Porsche, die Träumer mit ihrem Ford Mustang oder das ewige Partygirl mit ihrem Golf I Cabriolet.

Ein kompletter Museumslöschzug der Feuerwehren in Flensburg mit seinem Käfer und den alten Magirus, das 100 Jahre alte Nimbus Motorrad oder den 80 Jahre alten Volkswagen. Den Ford T als erstes Massenfahrzeug, welches seine schönsten Rolle in den Filmen von Stan Laurel und Oliver Hardy spielte.

Von wegen, dass das Auto alleine das liebste Spielzeug des Mannes sei. Wer zum Oldtimer-Løbet nach Gråsten kommt, erlebt, dass der Oldi zur Familie gehört und oftmals die gesamte Familie zu ihrem Oldie.

Nicht selten haben die Besitzer ihren Liebling als Schrotthaufen erworben und mit viel Geld und Liebe wieder hergerichtet. Entsprechend Überwindung kostet es, bei unklarer Witterung den Oldtimer nach Gråsten zu bringen und ihn dann noch auf der anschließenden Tour bis nach Kruså / Krusau zu bewegen.

Der Oldtimerløbet Gråsten ist eine Zeitreise, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Die museale Automobilgeschichte wird quasi auf die Straße gebracht. Automarken, die es so nicht mehr gibt, ein emotionales Fahrzeugdesign, welches sich so nie wieder in aktuellen und zukünftigen Fahrzeugen finden wird.

Entgegen dem heutigen Auftritt kommen diese alten Fahrzeuge, von denen ich viele tatsächlich noch aus meiner frühen Kindheit kenne, fast friedlich und in der Regel ohne aggressive und machtvolle Erscheinung daher. Und so entsteht ein Fenster von nostalgischen Gefühlen, von echten Fahrzeugträumen, von inneren und unbedingt erhaltenswerten Bildern.

Um so gelassener die Stimmung auf dem Ringreiterplatz in Gråsten. Um so offener die Atmosphäre. In der uns Tagträumer, Romantiker, Nostalgiker, Lebenskünstler und Familen begegnen, deren Leben noch stattfindet. Also ganz real. So real wie das halbverbrannte Benzin duftet. Genauso ungefiltert. Nicht in der heutigen Masse zu verkraften, aber als Individueller Höhepunkt an der dänischen Flensburger Förde zu genießen. Egal, wen man trifft, hier trifft man auf echte Typen. Die zeigen sich nicht selten im angelehnten epochalen Stil ihrer Vehikel. Völlig unabhängig von Geschlecht und Alter.

Und so fahre ich im Anschluss irgendwo an den Straßenrand, suche meinen Platz und genieße dieses Gefühl des Straßenverkehrs aus meiner Kindheit. erinnere mich an die alten Käfer meines Bruders, den kleinen Daf meiner Schwester, meiner ersten VW-Bus-Fahrt zum Kindergottestdienst, den Magirus Rundhaubern unserer Gemeinde oder die Mofas vor unserer Schule.

Bald werden die über 1000 Fahrzeuge an uns vorüber gezogen sein. Der Alltag zurück kommen. Aber die Träume bleiben. Um im nächsten Jahr um diese Zeit wieder aufgefrischt zu werden.

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