Reportage

Mittendrin statt nur dabei – die Reportage

Erstes Lazarett des Internationalen Roten Kreuzes in Oeversee | © mare.photo
Erstes Lazarett des Internationalen Roten Kreuzes in Oeversee | © mare.photo

Es gibt verschiedene Wege, den Ort mit seinem Menschen und Tieren zu beschreiben. Die langweiligste Form ist die der Dokumentation, die spannendste die Reportage. Doch, was hat es mit der Reportage auf sich? Ist sie noch zeitgemäß?

Die Reportage – immer noch zeitgemäß?

Es gibt Menschen, die beziehen ihr Wissen aus eigentlich ziemlich merkwürdigen Online-Lexicas oder sie füttern solche noch aus welchen Gründen auch immer. Doch gibt es etwas, was solche Plattformen unfähig sind zu vermitteln: die Atmosphäre.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem wir Gefahr laufen, Wissen gegen Denken einzutauschen und wissentlich vorbereitet den Orten, den Menschen, den Tieren ohne die nötige Naivität und Unvoreingenommenheit zu begegnen. Dabei pauschalisiert Wissen und nimmt uns in ihrer weit verbreiteten Form die Möglichkeit, individuell zu entdecken.

Eine ganz klassische Form, solche wichtigen und lebendigen Einblicke in eine Atmosphäre und einen ganz individuellen Lebensraum zu bekommen, ist die Reportage. Sie sucht sich einen kleinen Punkt, ein ganz eigenes Blickfeld aus dem großen Word Wide Nix heraus und lässt uns ganz intim teilhaben am Erlebnis des Reporters.

Der Begriff Reportage kommt aus dem Lateinischen reportare und steht übersetzt für berichten und melden.

Eine gute Reportage vermittelt das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein. Dabei vermittelt sie verständliche Einblicke in das Thema und auch immer die Sichtweise des Reporters. Durch ein konkretes Beispiel wird er in das Thema hineinführen. Der Reporter wird anhand von nachweisbaren Fakten objektiv berichten, dabei aber auch seine persönlichen Empfindungen und Eindrücke wiedergeben. Je bildlicher die Sprache, umso eindringlicher wird der Inhalt. Eine solche Reportage kann als reiner Text transportiert oder auch mit Bildmaterial ergänzt werden.

Durch den persönlichen Bezug des Reporters zum Ort, zu den Menschen, zum Geschehen fällt es uns leichter, in die beschriebene Situation hinein zu fühlen.

Der Einstieg einer Reportage beginnt mit einem detaillierten Beispiel aus dem Umfeld des gewählten Themas.  Diesen Beispiel wird im Laufe des Berichtes aus unterschiedlichen Seiten betrachtet. Konsequent versucht der Reporter, Spannung aufzubauen und dadurch seine Leser, Zuschauer, Zuhörer, zu binden. Zum Ende der Reportage werden die unterschiedlichen Sichtweisen zusammen gefasst und durch den Reporter eine Einschätzung, ein Blick in die Zukunft gegeben.

Und nun frage ich mich, warum in alles in der Welt augenscheinlich jeder Bürgermeister, jeder Touristiker und jeder Pastor mit einem vorgegebenen Schreibprogramm ein riesiges Online-Lexicon füttert anstatt Menschen zu suchen, die mit Herz und Verstand über den eigenen Ort, die eigene Kirche, die eigenen Menschen reportieren? Denn emotionaler kann man kaum für sich und seine Sache Menschen gewinnen als mit einer guten Reportage. Man darf sich wundern, wie spannend die eigene Umgebung, der eigene Nachbar ist. Nämlich so spannend, dass neugierige Menschen genau hier her kommen.

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