oder: wie ich Fahrzeuge in einem Museum fotografiere

Heute sind wir spontan ins Mekanisk Museum Sønderjylland gefahren. Wir haben Glück, denn es liegt gerade einmal 10 Kilometer von unserem Zuhause entfernt. Aber es ist so spannend, dass Menschen aus weiten Teilen Deutschlands, Dänemarks, Schweden oder Norwegen am letzten Juliwochenende hier her pilgern- zum Tag der offenen Tür.

In der etwa 1.600 qm großen Halle stehen so viele Schätze, dass man nicht jedem Fahrzeug den ihm gebührenden Platz bieten kann. Wie aber fotografiere ich in einer Ausstellung, in denen die wunderbaren und seltenen historischen Fahrzeuge dicht an dicht gedrängt und zudem häufig schlecht ausgeleuchtet sind?

Als wir im letzten Jahr im Mekansik Museum Sønderjylland in Krusau zum ersten Mal fotografierten, nutzen wir einzig die Festbrennweite mit 75mm. Wir stellten die Blende des Leica SL 2.0 75mm durchgehend auf Blende 2.0, um den Hintergrund unscharf aufzulösen.

Heute sind wir mit einem gängigen Zoom-Objektiv ,dem Leica SL 2.8 24-70mm unterwegs, um die Neuheiten dieses Oldtimer-Museum in Krusau einzufangen.

Die Ausleuchtung der Fahrzeuge ist sehr dürftig und voller Farbstiche. Überwiegend hängen Neonlampen an den Decken. Zudem ist Schwarz eine ganz klassische Farbe für Fahrzeuge. Schon von Beginn an. Warum also nicht schwarze Fahrzeuge auch monochrom abbilden? 

Generell arbeite ich mit normaler Schärfe und normalem Kontrast, um ruhige Bilder zu erzeugen. Und dann heißt es, meinem Blickwinkel, meinem persönlichem Bildausschnitt zu folgen. Ich achte darauf, wie ich mir ein Fahrzeug anschaue. Das Auge sucht in der Regel nach Details und stellt sich daraus ein Gesamtbild zusammen. Und so versuche ich, so zu fotografieren wie ich sehe. Ich suche nach Ausschnitten und blende damit störenden oder unruhigen Hintergrund aus. Ich schaffe Raum für Details und sorge damit für mehr Konzentration und Interesse beim Betrachten.

In Außenaufnahmen darf der Betrachter erkennen, dass diese auch außen entstanden sind. Bei Innenaufnahmen, in denen ich enge Bildausschnitte und Details suche, könnten diese Aufnahmen für den Betrachter auch in einer Stadt, einer dunklen Straße oder in einem Parkhaus oder Tunnel entstanden sein. Ein wenig nutze ich den Effekt des Film Noire. Er steht für amerikanische Kriminalfilme aus den 1940er und 1950er Jahren und zeichnet sich durch starke Hell-Dunkel-Kontraste aus. In der Nachbearbeitung gebe ich dem Schwarz-Weiß-Bild eine ganz leichte warme Farbtemperatur.

Etwas einfacher sind Außenaufnahmen, bei denen größerer Abstand möglich ist. Je dichter man an die Objekte heran geht, um so besser löst sich der Hintergrund in Unschärfe auf. Dadurch können in der Regel störende oder unpassende Umgebungen wie zum Beispiel Fahrzeuge, Mode oder Architektur aus anderen Epochen in schemenhafte Kulissen verwandelt werden.

Auch hier gilt es, mit längerer Brennweite und großer Blendenöffnung das abzubildende Objekt vom Hintergrund herauszulösen und so in den dominierenden Blickpunkt zu rücken.

Generell, ob innen oder außen, kann man gut Farb- und Schwarz-Weiß-Aufnahmen miteinander kombinieren. Ggf. nimmt man bei Mischlicht eine neutrale Graukarte zum Weißabgleich. In der analogen Fotografie bietet sich für Aufnahmen mit Mischlicht unbedingt der Kodak Portra 160 oder Kodak Portra 400 an.

In diesem Fall haben wir nachträglich die Farbintensität der Aufnahme leicht reduziert und die Farbtemperatur erhöht. So verleihen wir den Bildern einen dezent romantisierenden Look. Auf keinen Fall erhöhen wir den Kontrast oder die Bildschärfe.

Bei Sonnenlicht sollte man beachten, dass die Helligkeit des Himmels nicht ausfrisst. Ist der Helligkeitsunterschied zwischen Himmel und Objekt zu groß, blenden wir den Himmel durch einen anderen Bildausschnitt einfach aus. Bei Sonnenlicht hat man einen spannenden Bildausdruck, wenn das Licht von der Seite kommt.

Allerdings spielt das Wetter in der Fotografie von Fahrzeugen eine sehr untergeordnete Rolle. Mit einem ordentlichen Objektiv und der nötigen Kreativität kann es regnen oder schneien und ich mache trotzdem spannende Aufnahmen.

Aktiv oder passiv?

Wenn wir einkaufen gehen, folgen wir einer bestimmten Richtung. Nach unserem Unterbewusstsein wird Ladenbau gemacht. Beim Betrachten einer Umgebung, eines Bildes ist das mit unserem Unterbewusstsein nicht anders. Wir entscheiden anhand eines Bildes, ob es sich um ein passives oder aktives Bild handelt.

Zeigt das abgebildete Fahrzeug nach rechts, werden wir damit immer Bewegung, ein Vorwärts, verbinden. Im Unterbewusstsein wird das Fahrzeug an uns vorbei fahren oder uns in eine Richtung lenken.

Wird das Fahrzeug auf uns zukommen und in die linke Richtung zeigen, werden wir in unserem Unterbewusstsein am abgebildeten Vehikel vorbeifahren. Übrigens gedanklich in gleicher Geschwindigkeit wie die mit dem fotografierten Fahrzeug in Verbindung gebrachte.

In den nachfolgenden Bildern suggeriert das Bild mit Traktor und Hund einen pausierenden Traktor und im Bild mit Sitz und Lenkrad einen gleich startenden Traktor.

Farblich habe ich die Bilder des Traktors mit der Landwirtschaft zusammen gebracht. Erdige Farben stellen einen Bezug zur Umgebung eines Schleppers her. Der durch die Sonne erzeugte Kontrast verstärkt diese Verbindung. Bei diffusem Licht oder bei Regen kann man dagegen auch die Kühle farblich darstellen und bleibt dabei möglichst neutral. 

In beiden Fällen könnte man aber auch gut monochrom arbeiten. In diesem Fall wird aber durch die Farbgebung die Wärme von Erde, Stroh und Heu transportiert.

Noch einmal zu den Innenaufnahmen. Folgendes Fahrzeug hatte ich als Kind bereits als Spielzeugmodel. Auch dieses Fahrzeug habe ich aufgrund seiner amerikanischen Herkunft monochrom abgelichtet. Und mich damit an die Kinofilme der 1920er und 1930er Jahre orientiert. Anders allerdings als die zuerst im Artikel vorgestellten Bilder ist hier der Kontrast im mittleren Bereich geblieben. Das allein durch Steigerung der Belichtung. Deutlich mehr Nuancen der Grautöne werden hier sichtbar. Denn: Oben handelt es sich um geschlossene Fahrzeuge- also Autos, die eher an Al Capone als an Charly Chaplin erinnern.

Ein Cabriolet spiegelt eher selten ein Drama. Es steht vielmehr für Spaß und Freude. Mich erinnert es mehr an Oliver Hardy und Sten Laurel. Und so habe ich mich an jene Stummfilm-Zeit angelehnt, als zu den Kinofilmen noch Klavier gespielt wurde.

Bilder tragen in der Regel eine Geschichte. Zumindest vor unserem inneren Auge. Mit solchen kleinen Tricks können wir den Eindruck betonen.

Oftmals trifft man vor Fahrzeugmuseen Menschen, die selbst einen Oldtimer haben. Diese lassen ihren Oldi in der Regel auch gerne fotografieren. Man sollte aber auf keinen Fall deren Kennzeichen veröffentlichen. 

Das Fahrzeuginnere kann man durchaus durch eine geschlossene Scheibe fotografieren und Spiegelungen damit bewusst als Gestaltungselement mit aufnehmen. Bei diesem alten Willys Jeep haben wir ebenso der Farbe die Intensität genommen und zusätzlich einen leichten bräunlichen Schleier über das Bild gelegt. Der Himmel wirkt zum einen weniger dominant. Zum anderen, passend zum Ursprungsland des Fahrzeuges, nimmt diese Farbgebung den Farbcharakter der frühen Kodak-Kinofilme auf. Als Nebenwirkung gibt es einen romantisierten Bildausdruck.

Eine gute Übung kann man mit dem eigenen Fahrzeug machen. Man kann Bilder aus klassischen Kinofilmen anschauen oder nach alten Werbeprospekten von Fahrzeugherstellern Ausschau halten.

Und dann geht man noch einmal ganz ohne Kamera um sein Auto und beobachtet sich selbst. Wie bewegt man sich, wonach schaut man. Die unnatürlichste Art, ein Fahrzeug anzuschauen ist der Blickwinkel durch ein Smartphone. Ein historisches Fahrzeug ist eben mehr als ein Bild. Es ist ein Traum.

Leave a Comment