Magerøya – Was war außer Nordkap noch?

Nordkapp, Magerøya , Kodak Ektar, Leica M Summilux 1.4 50 asph. | © mare.photo
Nordkapp, Magerøya , Kodak Ektar, Leica M Summilux 1.4 50 asph. | © mare.photo

Der Norden zieht uns immer wieder magisch an. Und so nähern wir uns ihm, so weit wir nur können: Und gelangen so auf die Insel Magerøya in der Barentssee. Wir stellen die Insel Magerøya vor und zeigen, dass sie viel mehr zu bieten hat als einzig das traumhafte Nordkap. Ein längerer Aufenthalt lohnt sich allemal.

Magerøya und das Nordkapp – Insel der Sehnsucht

Magerøya, die Insel, die sich bis zu 308 Meter über die Barentssee erhebt und jedes Jahr das Sehnsuchtsziel von 200.000 Menschen ist. Magerøya, von Sturm und Wellen, von eisiger Kälte geformt, genarbt, zerfranst. Magarøya, der nördlichste Punkt, den man über die Straße erreichen kann, um dann endlich am Nordkap (Nordkapp) zu sein.

Einer der ersten Touristen war drei Jahre lang von Norditalien zur Insel Magerøya unterwegs, bis er andächtig vor der Insel ankerte. Auch heute benötigt man auf dem Land- oder Seeweg einige Tage, an das nördlichste Ende Europas zu gelangen. Doch dabei sollte man das Nordkap nicht als alleiniges Ziel seiner Reise sehen. Die traumhafte und einzigartige Insel Magerøya hat nämlich weitaus mehr zu bieten als diesen magischen Ort.


Eigene Bilder folgen in Kürze!


Es gibt kein Baum auf Magerøya

Magerøya, das heißt übersetzt „karge Insel“. Und da macht Magerøya ihrem Namen alle Ehre. Rentiere dürften so ziemlich die Einzigen sein, die sich hier in der Natur ernähren können. Und so grasen jedes Jahr etwa 3000 bis 4000 dieser grauen sanftmütigen und scheuen Tiere über die Insel verteilt. Denn ein wenig Gräser, Flechten und bodennahe Sträucher sind alles, was auf dem felsigen Untergrund einigermaßen wächst. Der ein oder andere hat sich tatsächlich eine Kiefer in den Garten gestellt, denn Weihnachtsbäume dürften rar sein auf Magerøya.

Entsprechend sollte man auf Magerøya auch auf den Wegen bleiben. Denn jeder Grashalm, der hier zertreten wird, braucht ewig lange, sich wieder zu regenerieren. Und so wechselt sich die karg grüne Landschaft mit der karg felsigen Landschaft ab. 

Gjesvær auf Magerøya

Die Mondlandung hätte man auch auf Magerøya fotografieren können, das hätte eine Menge Geld und Energie gespart, die Bilder währen mindestens so reizvoll geworden. Als Drehort hätten wir dafür die Route nach Gjesvær empfohlen. Ein wenig fühlen wir uns hier wie auf einer Geröllhalde, denn weite grüne Hänge sind auch im Sommer noch mit Schneeresten belegt. Das Schmelzwasser sucht sich unentwegt seine Bahnen. An anderer Stelle zeigen sich die kalten grauen Steine in wüsten und bizarren Formationen.

Hat man dann Gjesvær im Nordwesten der Insel auf Magerøya erst einmal erreicht, wird man vielleicht sogar angeschaut, als käme man vom Mond. Denn hier her verirrt sich ohne Grund niemand. Etwa 130 Menschen leben hier ihren ganz eigenen Kosmos, fast eine Autostunde über eine einsame Verbindungsstraße entfernt. Damit ist Gjesvær unerwartet der größte der kleinen Fischerorte. Auf dem Parkplatz steht ein Rettungshubschrauber, im Hafen liegen neben einigen Fischerbooten zwei hochmoderne und Hochsee taugliche Boote der Seenotrettung. Ein Marineschiff verirrt sich genauso in den Hafen wie wir, dreht aber bald wieder ab.

Eine Vogelsafari wird angeboten. Sie wartet in ihrer kurzen Saison in Gjesvær auf Magerøya auf Touristen. Ansonsten hängt hier der Kabeljau für den Eigenbedarf ein wenig ab. Für Hektik haben die Bewohner von Gjesvær einfach mal keine Zeit. Denn die verbringt man lieber im kleinen Bistro / Restaurant. Sogar bescheidene Gästezimmer sind vorhanden Wie kann es anders heißen als Northcape Seapark. Der ein oder andere bemüht sich im Ort, Gäste einzuladen. Und einen Krümmel abzubekommen vom fetten Kreuzfahrt-Geschäft, an dem viele zahlen und wenige zu viel verdienen.

Wir auch nicht. Und so fahren wir irgendwie berührt und bewundernd leise und langsam nach einem halben Tag wieder ab und lassen die melancholisch anmutende Landschaft an uns vorbeiziehen.

Skarsvåg auf Magerøya

Zurück auf der Hauptverbindung E 69 auf der Insel Magerøya zum Nordkapp führend biegen wir ein Stück nordöstlich ab und fahren die schmale Straße hinunter in den kleinen Fischerort Skarsvåg. Einerseits hofft man mit Königskrabben und bescheidenen Übernachtungsmöglichkeiten auch hier, ein wenig Geld mit dem Tourismus in der kurzen Saison auf Magerøya zu verdienen, andererseits sind die Menschen, die hier leben, durchaus von den riesenweißen rollenden Plastik-Wohnboxen zunehmend genervt.

Nicht verwunderlich, wenn es immer wieder Menschen gibt, die die ”Camping verboten“-Schilder schlicht ignorieren und ihr Mobiliar im Schatten der Wohnmobile aufbauen. Würde man das vor der eigenen Haustüre haben wollen? Dabei hat man in Skarsvåg auf Magerøya die einmalige Chance, auf dem nördlichsten Campingplatz der Welt übernachten zu dürfen und damit sogar im nördlichsten Fischerdorf der Welt.

Wenn man ein wenig abseits parkt, vielleicht bei der Fahrzeugwahl schon ein wenig bescheidener auftritt, dann wird man so offen und herzlich empfangen wie man sich selbst gibt. Geiz ist übrigens kein Pseudonym für Offenheit und Herzlichkeit. Wir haben immer wieder die Erfahrung gemacht, dass wir den Menschen ganz anders begegnen, wenn wir uns eine Waffel gönnen oder einen Kaffee, wenn wir die zahlreichen Mini-Museen besuchen und auch vor Ort einkaufen. Unter dem Strich ist das übrigens nicht, wie man in Norwegen glauben mag, wesentlich teurer. Vielmehr aber entdecken wir Orte wie Skarsvåg mit ihren Menschen wesentlich intensiver und in manchen Fällen sehen wir uns sogar wieder.

Aber auch ein schöner Naturspaziergang oder eine kleine Wanderung bieten sich in Skarsvåg an- Vielleicht zum auf der westlichen Seite nur einen Kilometer entfernten Kirkeporten, einer einzigartigen Felsformation auf Magerøya. Vor allem aber hat man von hier aus eine ziemlich besondere Perspektive auf das Nordkap, das nur in einem Kilometer Luftlinie entfernt liegt.

Kamøyvær auf Magerøya

Auf Magerøya ist es im Sommer wirklich taghell. Die ganze Nacht. Aber die Lichtstimmung, die ändert sich durchaus. Zur Nacht hin wird das Licht bei Sonnenschein noch wärmer und trotzdem fühlt sich die Luft kalt an. Genauso aber kann es hier auch im Sommer mal schneien. Regen und Nebel gibt es hier obligatorisch, weitaus mehr als strahlend blauer Himmel. Aber das gehört dazu, zum Leben und zum Entdecken auf der Insel Magerøya in der Barentssee.

Und so lohnt es sich, auch bei gefühlt schlechterem Wetter das kleine Fischerdorf Kamøyvær zu besuchen. Wie an allen Orten und Dörfern auf MAgerøya endet auch hier, in Kamøyvær die Straße in einer Sackgasse. Und man glaubt es kaum, wie schnell die Straßen hier in Kamøyvær auf Magerøya verstopft sind. Ein Blick auf den riesigen Busparkplatz auf der Herfahrt hat uns das Potential verraten. Und einer dieser Busse verstopft gerade irgendwie den Ort Kamøyvær mit Touristen eines Kreuzfahrt-Schiffes.  Darüber freut sich sicherlich eine, wenn nicht die, nördlichste Galerie der Welt, hier in Kamøyvær auf Magerøya.

Würde nicht ein großes Schild an der Hauswand dieses unscheinbaren Wohnhauses hängen, man käme nicht auf die Idee, hier anzuhalten. Aber die Menschen, die hier leben, wollen auch hier leben und hier ihr Geld verdienen, da bietet die kurze Saison eine der wenigen Möglichkeiten. Etwa 60 Menschen leben hier, entweder wie angedeutet vom Tourismus, oder vom Fischfang. Denn wie eine Sichel legt sich das kleine Fischerdorf Kamøyvær auf Magerøya um seinen bescheidenen aber natürlich geschützten Hafen mit seinen Kuttern.

Und wieder ist es unsere Empfehlung,  auszusteigen und durch die Gegend zu laufen, gerne ein wenig in der Natur zu wandern und so Perspektiven zu erleben, die man nur aus Hochglanz-Magazinen bekommt. Einen Ort wie Kamøyvær auf Magerøya zu fühlen, zu riechen, zu hören, zu atmen, das braucht schon ein wenig Zeit. Ich weiß, jeder von uns hat sicherlich die Duelle in irgendwelchen Western gesehen. Geschossen wird hier allerdings mit dem Smartphone und es scheint der ewige Wettbewerb, wer als erster schießt.

Aber warum nicht einfach mal stecken lassen, beobachten, in sich auf nehmen, nach dem einen, ganz persönlichen Motiv von Kamøyvær auf Magerøya suchen und dann zurück zu kommen und die Seele dieses Motivs einfangen und für sich mitnehmen. Nicht für Instagram, nicht für Pintarest- ganz alleine für mich. Nur so bekomme ich das Bild in meine Seele.Kamøyvær auf Magerøya könnte da eine schöne Übung sein. Ein Glücksgefühl ist garantiert und zeigt sich, wenn man dann in sich hinein lächelt.

Honningsvåg – die Inselhauptstadt auf Magerøya

Eigentlich ist Honningsvåg auch ein Fischerdorf auf Magerøya. Aber ein ziemlich großes. Und so hat es den zweitgrößten Fischereihafen auf Magerøya. Etwa 2.465 Menschen leben hier. Grund genug für polare Verhältnisse, Honningsvåg als Stadt zu bezeichnen. Aber Honningsvåg auf Magerøya hat noch eine andere Bedeutung. Zum einen ist es der Anlaufpunkt für die Hurtigruten, die ehemaligen Postschiffe. Sie sorgen und sorgten für die regelmäßige Verbindung entlang der Küste Norwegens, auch hier auf Magerøya.

Und ja, mit Geld lässt sich bekanntlich alles rechtfertigen, auch die qualmenden Kreuzfahrt-Schiffe beglücken mit ihrem rußigen Schwefelduft die so klare Polarregion und bringen nehmen tonnenweise klimaschädlichen Abgasen auch zahlungswillige Kundschaft mit, zunehmend auch aus Asien.  Und so werden die Reisenden auf der kleinen Insel Magerøya mit allen möglichen und teuren Vergnügungs- Programmen aus der Reserve gelockt, augenscheinlich unfähig, sich selbst mit dem Erbe und der Schönheit der Insel auseinander zu setzten.

Mit den gebuchten Programmen sorgen sie übrigens dafür, dass wenig Geld auf Magerøya ankommt, dafür umso mehr aber in den oberen Etagen der Schiffsbetreiber. Denn das Personal, abgesehen von den Hurtigruten, arbeitet oft unter erbärmlichen und für westliche Zivilgesellschaften kaum nachvollziehbaren Umständen.

Also, unsere Empfehlung, selbst in die Hufen zu kommen, Hirn und Herz einschalten und Honningsvåg zu Fuß entdecken. Honningsvåg ist kein Disneyland und ich wünsche mir sehr, dass es so bleibt. Die Menschen versuchen, in ihren kleinen bescheidenen Läden ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Immerhin wohnen sie auch in einer Jahreszeit hier, in der sozusagen das Licht ausgeht, die Sonne nicht mehr über den Horizont schaut. So gehören Tourismus mit allen Vor- und Nachteilen, aber auch der Fischfang zu den Haupteinnahmen der Menschen. 

Honningsvåg auf Magerøya ist eigentlich die nördlichste Stadt Europas, allerdings nicht der Welt. Aber Honningsvåg hat mit Magerøya das Nordkap, das ist Werbung genug. So überlässt es die Bezeichnung als nördlichste Stadt Europas selbstbewusst der südlicher gelegenen Stadt Hammerfest.

In Honningsvåg auf Magerøya gibt es soweit alles, was das Herz begehrt. Café und Pup, Fischlokale und Einkaufsmöglichkeiten, Kirche, Tankstelle und ein ganz spannendes Regionalmuseum bei der Tourist-Info im Hafen. Im Sommer trifft sich in Honningsvåg irgendwie alles mit Ziel Nordkap.

Nordvågen auf Magerøya

In Honnigsvåg fahren wir die Durchfahrtsstraße immer weiter entlang der Küste von Magerøya. Die Straße wird schmaler, die steilen Hänge sind mit massiven Barrieren befestigt und schützen die einzige Straßenverbindung nach Nordvågen auf Magerøya vor Steinschlag, Erdrutsch und Lawinen. So gibt es eine ganzjährig offene Verbindung nach Nordvågen auf Magerøya. Vorbei geht es an der kleinen vorgelagerten Insel Nordvågholmen, während man auf der gegenüberliegenden Seite schon Nordvågen mit dem größten Fischereihafen auf Magerøya sehen kann.

Der Meeresarm schneidet sich recht schmal aber weit in diesen Teil der Küste von Magerøya ein, so fahren wir die kleine Küstenstraße entlang, dann durch einen kurzen Tunnel, um am Ende des kleinen Meeresarmes den Ortseingang von Nordvågen auf Magerøya zu erreichen. In der Kurve liegt der nördlichste Skilift der Welt. Während der Sommermonate, genauer gesagt, Sommerwochen, ist der Skihang die ideale Möglichkeit, hoch zu den Sommerweiden der Rentiere zu wandern.

Auf der Wasserseite repariert eine kleine Bootswerft die Fischkutter, oder entsorgt sie irgendwie. Das hat seinen ganz eigenen Charme und erzählt unerwartet viel über die Region, über das Inselleben auf Magerøya.  Ein wenig scheint in Nordvåg die Armut zu Hause, zumindest lebt es sich hier sehr bescheiden. Eines der leerstehenden Häuser erzählt von der sinkenden Bevölkerungszahl auf Magerøya. Lebten im Jahr 1960 noch etwa 5.300 Menschen auf Magerøya, waren es im Jahr 2004 nur noch 4.000 Inselbewohner. Aktuell leben etwa 3.100 Menschen auf Magerøya. In Nordvåg sind es etwa 430 Einwohner.

Wer in einem Dorf wie Nordvåg auf Magerøya schön dekorierte Fenster sucht und romantische Fassaden, der wird sein Glück hier nicht finden. Wer aber ins Café geht, sich einen Kaffee bestellt, der darf ein wenig dem Alltag lauschen, einem Alltag, wie er nicht im Disneyland Norwegen, sondern einem authentischen Ort wie Nordvåg auf Magerøya erlebt werden kann.

Leave a Comment