Leica Summicron APO M 75mm f/2 asph. Review aus der Praxis

Sie wird in der Regel kaum beachtet, dabei ist die Brennweite 75mm bezogen auf Kleinbild / Vollformat eine sicherlich weit unterschätze Brennweite. Um diese abzudecken, haben wir zur Zeit das Leica M Summicron APO 75mm f/2 asph. im Einsatz und nähern uns diesem Objektiv in unseren ganz alltäglichen Situationen. Beispielhaft zeigen wir in diesem Artikel einen Wintertag in St-Peter-Ording, einem berühmten Surfer-Hotspot in Norddeutschland. An diesem Tag sind wir einzig mit dem Leica APO 75mm f/2 asph. unterwegs.

Wir testen nicht. Wir fotografieren.

Tests und sogenannte Reviews über das Leica M APO 75mm f/2 gibt es ja zuhauf.  Komischerweise finden wir in solchen Beiträgen oftmals nur ganz komische und langweilige Bildchen, die kaum die Stärken oder Schwächen dieses Objektives vermitteln. Aber genau die möchte man doch wissen. Wie sind die Erfahrungen mit dieser Brennweite. 

Wie lässt sich mit dieser Brennweite in unterschiedlichen Situationen arbeiten und wie zuverlässig liefert sie gute Ergebnisse? Solchen und anderen Fragen können wir uns immer wieder lebhaft anschließen. So versuchen wir hier, unsere Erfahrungen aus einem längeren Einsatz mit dem Leica M APO 75mm f/2 wiederzugeben.

Warum das Leica M APO 75mm f/2 bei uns zur Debatte stand / steht

Wir selbst sind Freunde von leichtem Gepäck. Ob es um die Wohnungseinrichtung geht, um das Gepäck für den Urlaub oder um ein Kamerasystem- wir möchten nur so viel wie nötig und so wenig wie möglich. 

Im Prinzip möchten wir zukünftig weitgehend mit zwei Brennweiten arbeiten: 35mm und 75mm. So schön eine große Blendenöffnung ist, mit Blende 2 können wir gut arbeiten. Blende 1.4 hört sich theoretisch sehr schön an. Ist aber in der Praxis schwieriger zu handhaben, ist schwerer, größer und teurer.

Genauso lieben wir das Arbeiten mit Festbrennweiten. Sie sind leichter und in der Regel besser als ein vergleichbares Zoom. Zudem gibt es, wenn ich selbst koche, am Herd nur zwei Stufen: niedrig und hoch. Genauso nutze ich auch ein Zoom, wenn ich denn mal eines in der Hand habe: entweder so weit oder so nah wie möglich. Der Bereich dazwischen interessiert mich nicht.

Nun kennen wir das Leica M Summilux 1.4 50mm asph. zur Genüge und die einhellige Meinung ist, dass das M 75mm f/s und das M 50mm f/1.4 den direkt vergleichbaren Charakter haben. Genau diesen Bildausdruck lieben wir. 

Warum 75mm Brennweite (Vollformat / Kleinbild) ?

Lange haben wir die Brennweite von 75mm gar nicht so recht beachtet. Doch spielen gerade auf Reisen Anforderungen an die universelle Nutzung eine oft unterschätzte Rolle. Haben wir vor allem die 50mm Brennweite von Anfang an eingesetzt, offenbart diese zumindest im Leica M System eine Schwäche: den Nahbereich. 

Wenn wir unterwegs sind, wechseln wir so wenig wie möglich die Objektive. Möchten wir aber in einem Gebäude Innenaufnahmen aus der Nähe machen, kommen wir mit der Normalbrennweite nicht gut zurecht. Der Abbildungsmaßstab ist einfach zu hoch.

Wir haben in unterschiedlichen Einsatzbereichen die Brennweite von 75mm für uns entdeckt. Kann man doch mit ihr in einem Restaurant formatfüllend ein Gedeck aufnehmen und gleichzeitig passable Innenaufnahmen einer Kirche oder nur leicht komprmierte Aufnahmen eines abfahrenden Zuges machen. Auch für Portraits bietet die Brennweite von 75mm den Vorteil von distanzierter und damit höflicher Nähe.

 

Was macht das Leica APO M 75mm f2 asph. aus?

Leica M Objektive sind unbestritten in hervorragender Qualität gebaut. Bei den Optiken darf man auch ohne Pixelanalysen sicher sein, dass sie über jeden Zweifel erhaben sind. Für ein manuell zu fokussierendes Objektiv ist das Leica APO M 75mm f2 asph. sicherlich schwer gebaut. Aber nur auf dem Papier. In Wahrheit hat es einen grundsoliden Metallkörper und echte Glaslinsen.  Und so liegt es im praktischen Gebrauch einfach gut und satt in der Hand. 

Die Blende wird am Objektiv angenehm hör- und fühlbar eingestellt. Wir selbst nutzen ausschließlich den Blendenbereich 2.0 bis Blende 8. Die Fokussierung funktioniert butterweich und genau und kann anhand der eingravierten Scala in ihrer Schärfenebene voreingestellt werden. 

Mit dem Leica APO M 75mm f2 asph. gelingt auch das unauffällige und vor allem unaufdringliche Fotografieren. Bei einem Filterdurchmesser von 46mm haben die Fotografierenden kein Klotz vor dem Auge.

Die Vergütung der Linsen ist auf modernem Stand und dürfte keine Wünsche offen lassen. Zumindest nicht bei uns. Bemerkbar macht sich das in der Abbildungsleistung. Und nein, die kann man nicht am Rechner sehen. Die Abbildungsleistung offenbart sich in einem anspruchsvollen Ausdruck außerhalb der Drogerieangebote. 

Worauf es ankommt: Die optische Leistung des Leica M APO 2.0 75mm asph. 

Objektive an sich, im speziellen aber die Leica M Objektive, sind für eines gebaut: Optische Leistung zu bringen. Sprich: ein aufgenommenes Bild möglichst realitätsnah wieder zu geben. Mit dem Leica M APO 2.0 75mm asph. gelingt das auf sehr hohem Nieveau. Uns hat die Klarheit der Aufnahmen beeindruckt und das Verhalten bei direktem Gegenlicht. In solchen Aufnahmesituationen erzeugt das Gegenlicht eine traumhafte Kontrastreduzierung ohne auch nur irgendeine Spiegelung oder Reflexion auf der Linse. Wohlgemerkt bei eingefahrener Gegenlichtblende.

Der Vorteil bei Leica M-Objektiven: sie können ihre Fehler nicht hinter elektronischen Korrekturen verstecken. Denn sie müssen die Leistung auch an analogen Kameras erfüllen und an so macher professionellen Filmkamera. Bei uns hat die analoge Fotografie im übrigen immer noch einen sehr hohen Stellenwert. 

Das Bokeh des Leica M APO 2.0 75mm asph. 

Heute scheint die allumfassende Frage eines jeden Objektivs sich in erster Linie um das Bokeh zu drehen. Selbst Weitwinkelobjektive werden dazu auf extrem hohe Anfangsöffnungen getrimmt. Die Maschinerie des Marketing scheint also erfolgreich zu laufen. Denn eine höhere Blendenöffnung bedeutet zwar mehr Gewicht und höhere Anfälligkeit für Bildfehler, aber auf der anderen Seite auch höheren Profit.

Nun setzen auch wir das Bokeh in vielen Fällen als bildgestaltendes Mittel ein. Aber erst ab einer Brennweite von 50mm bezogen auf Kleinbild / Vollformat. Von Blendenöffnungen unter 2.0 haben wir uns verabschiedet. Spielte es bisher für uns nur beim Leica M 1.4 / 50mm asph. eine Rolle, sind wir bei längeren Brennweiten mit einer Anfangsöffnung 2.0 bis 4.0 zufrieden.

Beim Leica M APO 2.0 75mm asph. halten wir die Anfangsöffnung mit 2.0 als ideale Version. Denn unter dieser Voraussetzung stimmt noch das Verhältnis zum Gewicht. Bei einer Brennweite von 90mm reicht uns im M-System die Blende 2.8.

Viele Jahre haben wir das Leica M Summilux 50mm asph. eingesetzt. Aber zugegebener Weise nur recht selten die Blende 1.4 genutzt. Zwar wird zum Preis eines Kleinwagens mittlerweile auch das M 75mm mit großer Blendenöffnung angeboten. Doch das befindet sich deutlich außerhalb unserer Preisliga. Und außerhalb unserer Gewichtsvorstellung. Denn tatsächlich kann man mit etwa des doppelten Gewichtes rechnen. 

Abgesehen davon manuell den Punkt einer nur wenigen Millimeter weiten Schärfenebene zu treffen. Spontane Fotografie wird damit zur echten Herausforderung. Selbst das legendäre Leica M 75mm f1.4 ist nur sehr schwer zu handhaben. Wenngleich es auch einen traumhaften Bildlook bietet. Von dem Anteil unscharfer Bilder sprechen wir lieber nicht.

Nun wird dem Leica APO M 75mm f2 asph. nachgesagt, den gleichen Bildcharakter wie das Leica M 50mm1.4 asph. zu haben und damit können wir sehr gut leben. 

Aber jetzt ist etwas ganz menschliches passiert. Wenn man verheiratet ist, hat man die schönste Frau der ganzen Welt. Solange man keine andere anschaut. Auch nicht aus der eigenen Familie. Tut man es doch, ist man plötzlich hin und her gerissen- Ihr wisst schon….

Um es kurz zu fassen- wir haben auch das Leica SL 75mm ausgiebig kennen lernen dürfen. Und nun fängt man an zu vergleichen und kommt in die Verlegenheit. Zum Glück akzeptiert das eine Objektiv das andere. Anderes eben als bei der eigenen Frau…

Fazit, was dann doch keines ist

Wo wir dann doch treu bleiben: Uns kommt nichts anderes ins Haus außer Leica. Egal ob andere Anbieter besser, schneller, schöner oder was auch immer sind. Da sind wir ganz wertfrei.

Wir mögen den Bildausdruck und die Fertigungsqualität von Leica und können auch nur beurteilen, was wir kennen. Von daher schreiben wir auch nicht über Kameras oder Objektive, die wir mal einen Tag oder eine Woche im Einsatz haben.

Man muss mit seinem Werkzeug eins werden um gute Bilder zu bekommen. Nur darauf kommt es an. Und die Konstellation mit einigen Produkten aus Wetzlar passt gut zu uns.

So können wir auch keine Empfehlung geben sondern nur unsere Sicht der Dinge schildern. Ganz ohne Verlinkung auf Amazon-Links. Das macht unabhängiger und unterstützt die fairen kleinen und mittelgroßen Fotohändler in unserer demokratischen Umgebung.

Was unsere persönliche Entscheidung betrifft, so wollen wir die meisten Aufnahmen mit 35 und 75mm Brennweite abbilden. Bei welchem der beiden Objektive bleiben, dem Leica SL75mm f2 asph. oder dem Leica M 75mm asph., oder ob wir gar beide auch zukünftig unser Eigen nennen werden, haben wir noch nicht abschließend geklärt.  Das M-Objektiv können wir sowohl an die Leica M wie an die Leica SL anschließen. Mit dem SL-Objektiv sind wir an das SL-System gebunden. Aber das wird ein weiterer Artikel.

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