(Nicht mehr) Standard – Vom Einsatz des Leica SL Vario Elmar 2.8 24-70mm asph.

Zum ersten Mal nach langer Zeit habe ich wieder ein ganz gewöhnliches Standardzoom. Das neue SL 2.8 24-70mm. Das braucht ein wenig Zeit, sich im Umgang daran zu gewöhnen. Aber, es deckt weitgehend die Brennweiten ab, die ich im Alltag brauche. 

Gestern hatte ich die Gelegenheit, für einen Bericht den kleinen und so bekannten Händler Kieft & Klok mit seinen Klassikern von Volkswagen in den Niederlanden zu portraitieren. Eine ganz praktische Situation also, das Leica SL 2.8 24-70mm in ganzem Umfang einzusetzen.

Gegen Mittag holte mich Patrick mit dem blauen T3 Multivan LLE vom Bahnhof ab. Nach kurzer Zeit befanden wir uns auf dem kleinen Werkstatthof und damit auf einmal  in einer ganz eigenen Welt. Alte Porsche und VW, auch mal ein alter Volvo- da geht mein Herz auf. Eigentlich die richtige Umgebung, jetzt eine analoge Leica mit dem Kodak Gold oder Kodak Tri X zu füttern.

Und doch, heute bin ich mit der Leica SL2-2 und dem Leica SL 2.8 24-70mm, einem krassen Gegensatz zur historischen VW-Welt. Stolze 1900 Gramm zusammen mit der Kamera und dabei ein riesiger Filterdurchmesser von 82mm. Aber dieses Schwergewicht liegt erstaunlich gut in der Hand.

Nun geht es um das Einfangen von Emotionen. Den potentiellen Betrachter gedanklich mitzunehmen mitten in diese enge Werkstatt, die vollgepackt ist mit Käfern, T1, T2, T3, dem legendären VW 181 oder dem ersten Variant oder auch mal einem Volvo. Eng an eng stehen die Raritäten aus der ganzen Welt, jede vor Ort ausgesucht und importiert. Mal fast ein Haufen vermeintlicher Schrott. Mal ein fein heraus geputzter Samba mit 16 Fenstern und glänzenden Chromzierleisten

Der T2 Camper bekommt auf der Bühne gerade seinen neuen Motor, daneben wartet die geschweißt Rohkarosse eines alten Porsche auf sein nächstes Leben. 
Auch ohne Kamera ist es schon eine Kunst, sich durch den wenigen Platz hindurch zu bewegen. Und nun habe ich noch diesen selbstgewählten Klotz an Kamera und Leica SL 2.8 24-70mm vor mir. Bloß nirgendwo anstoßen, aber die Kamera mit diesem Objektiv, sie liegt einfach gut in der Hand. Ich suche nach Details, nach Perspektiven, nach Blickpunkten. 

Versuche mich, in die Sehgewohnheiten des Betrachters hineinzuversetzen. Ich setze vorwiegend den Punktautofokus ein, wenn es geht, ein Armaturenbrett mit den herrlichen manuellen Anzeigen einzufangen oder die Linienführung eines Türgriffes. Für solche Aufnahmen liebe ich die 70er Brennweite. Viele Serien habe ich mit der 75er Festbrennweite fotografiert und so merke ich, dass ich die Brennweite des Zooms selten korrigiere.
 
Aber manchmal, um die Vielfalt der Werkstatt anzudeuten, braucht es doch ein moderates Weitwinkel. Blende 2.8 bleibt dabei weitgehend obligatorisch. Seitdem ich mit der SL fotografiere, gehe ich dicht ran. Eine Möglichkeit, die mir mit dem M-System verwehrt bleibt. Mit beiden Systemen fotografiere ich ganz unterschiedlich. Aber so war es mir bei der Wahl des Leica SL 2.8 24-70mm wichtig, wie nah ich an die Objekte heran kann und wie sich dabei das Bokeh verhalten wird. Vom Leica 2.0 75mm bin ich da mehr als verwöhnt.
Jetzt hier, inmitten der Werkstatt von Kieft & Klock wird mir einmal mehr bewusst, warum es mehr als eine Brennweite braucht und; warum die Leica Q auch nicht die eierlegende Wollmilchsau sein kann, sondern immer als Ergänzung gesehen werden sollte. Es wird mir bewusst, wenn ich eine Linie mit eben 24 oder 70mm einfange. Beide Brennweiten wirken ganz unterschiedlich und ergänzen sich hervorragend.

Fazit

Zugegeben, meine liebste Brennweite liegt irgendwo bei 75mm. Und doch fehlt mir mitunter ein normaler Weitwinkel. Da hat Leica mit dem neuen SL 2.8 24-70mm bei mir ins Schwarze getroffen. Denn genau das Objektiv bietet ganz unterschiedliche Vorteile.
 

Ich kann auf den Objektivwechsel verzichten und verhindere so unnötige Verschmutzung des Sensors. Gerade, wenn wir uns am stürmischen Nordatlantik aufhalten, ein Riesenvorteil.

Das Objektiv ist für Leica-Verhältnisse preiswert. Dass es nicht selbst von Leica gebaut wird, war schon durchaus eine Kröte, die ich schlucken musste. Wie es scheint, lässt Leica das SL Vario Elmar 2.8 24-70mm bei Sigma produzieren, dessen Variante etwa 1000 Euro günstiger ist. Aber Leica hat nach eigenen Angaben die Optik gerechnet. 

Ob die Sigma Variante nun schlechter sein soll, bezweifele ich. Aber das Leica Vario Elmar 2.8 24-70mm ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt. Da ich tatsächlich auch im Regen fotografiere oder am stürmischen Polarmeer, gab es für mich dazu keine Alternative. Man bekommt auf jeden Fall für ein Viertel des Preises einen Brennweitenbereich gegenüber zweier Leica Festbrennweiten.

 
Auch, wenn das Leica SL 24-70mm zunächst in Klotz ist, ich transportiere es mit der Kamera in der kleinen Ona-Tasche, die für die Leica M gedacht ist. Zwei SL-Objektive mitschleppen, wäre ehrlicherweise schwerer.

Ein kleines aber nerviges Manko ist der Objektivdeckel, der sich bei aufgeschraubter Sonnenblende nur mit Mühe aufsetzen lässt. Vielleicht bin ich da auch nur ungeschickt. Aber wichtiger als das, was draufkommt ist ja auch, was rauskommt. Und so hoffe ich, dass die Bilder, aufgenommen mit dem Leica SL 2.8 24-70mm, einfach Freude machen.

Leica Vario Elmar 2.8 24-70mm bei 70mm im Nahbereich

Nun ein paar Beispiele im Einsatz des Leica Vario Elmar 24-70mm, bei dem ich die Brennweite auf 70mm eingestellt habe und so nah wie möglich an die Motive heran gegangen bin. Die Blende ist in der Anfangsöffnung 2.8. 

Leica Vario Elmar 2.8 24-70mm bei Brennweite 70mm im Weitbereich

Nun ein paar Beispiele im Einsatz des Leica Vario Elmar 24-70mm, bei dem ich die Brennweite auf 70mm eingestellt habe und die Weite einfangen wollte. Die Blende ist in der Anfangsöffnung 2.8. 

Leica Vario Elmar 2.8 24-70mm bei 24mm

Nun ein paar Beispiele im Einsatz des Leica Vario Elmar 24-70mm, bei dem ich die Brennweite auf 24mm eingestellt habe und die größtmögliche Weite einfangen wollte. Gerade bei den ganz dicht geparkten Autos, bei denen jegliche Bwegungsfreiheit fehlte, war diese Brennweite sehr hilfreich. Aber auch, um die Tiefe der recht großen Halle zu transportieren. Die Blende ist weitgehend in der Anfangsöffnung 2.8. 

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