Finnmark

„Einmal vollwaffeln, bitte…. | Auftanken im Landhandel Kongsfjord

Kongsfjord, Varanger, Eismeerstraße, Ishavsveien, Berlevag, Landhandel Kongsfjord, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.
Kongsfjord, Varanger, Eismeerstraße, Ishavsveien, Berlevag, Landhandel Kongsfjord, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.| © mare.photo

Auf einer unserer vielen Reisen durch Skandinavien entdecken wir am Eismeer einen alten Landhandel. In solchen Läden gibt es wirklich alles. Von Benzin bis hin zur frischen Waffel. Wir entdecken den vielleicht nördlichsten und damit einen der wenigen verbliebenen Landhandel der Welt.

Museum, Tankstelle, Café, Baumarkt und Lebensmittelgeschäft, kurz Landhandel Kongsfjord: kurz Halten. Oder ein bisschen länger

Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, von der Europastraße E6 abzubiegen und den weiten Weg an die Nordspitze der Varanger-Halbinsel zu fahren. Erwartungen haben wir nicht viel an diese Umgebung an der Barentssee. Doch schnell fasziniert uns diese karge und hügelige, fast sanftmütige Landschaft mit ihren weichen Formen. Wir folgen der einzigen Verbindungsstraße und blicken hinter einer Kurve auf Kongsfjord, einem kleinen Fischerort vor Berlevåg. Hier beginnt also die Eismeerstraße. So faszinierend diese schon jetzt ist, entdecken wir im kleinen Ort den Landhandel Kongsfjord und damit vielleicht den nördlichsten Landhandel der Welt. Wir können nicht anders, als zu bleiben. Für einen langen Moment. 

Alte Blechreklame und eine ebenso alte Zapfsäule an und vor dem weißen Holzhaus des Landhandel Kongsfjord gleich an der Eismeerstraße lassen mein Herz hüpfen. Habe ich eh schon Sinn für außer-elektronische und simple Technik und Gestaltung, lässt mich diese Dekoration am Landhandel Kongsfjord alles andere als kalt.

Dabei handelt es sich um gar keine Dekoration, vielmehr um den Erhalt aus einer Zeit, wo all das zur Normalität des Landhandel Kongsfjord gehörte. Ich komme ins Träumen. Schnell habe ich meine Familie überzeugt, die Tour genau hier zu unterbrechen, irgendetwas brauchen wir bestimmt. Die Zapfsäule ist heute nicht mehr in Betrieb, aber die erinnert an die Zeit, in denen man doch etwas mehr Zeit füreinander hatte und nicht jede Krone und jeden Euro verglich. 

Traumhaft real – Landhandel Kongsfjord

Ich schüttle meinen Kopf um aus meinem Traum wieder aufzuwachen,  aber die Freude über diesen Ort, über den Landhandel Kongsfjord steht in meinem Gesicht geschrieben. Wir treten ein, schließen langsam und fast andächtig wieder die Tür des Landhandel Kongsfjord. Selbstverständlich hat unsere kleine Tochter die Eistheke schnell entdeckt, allerdings schauen wir zuerst auf den Backtresen. Brote, Brötchen und ein wenig Kuchen, solange der Vorrat reicht. Gleich gegenüber stehen die weißen Metallregale, tragen so alles, was man eigentlich zum Leben braucht: die gängigen Lebensmittel, ein wenig Werkzeug und Gartengerät, Reinigungs- und Kosmetikartikel, Tierfutter, Getränke… Eine schmale gewinkelte Holztreppe führt in die obere Etage. Kurz davor zweigt die kleine Küche ab und, wie man es oft in Norwegen vorfindet, steht eine große Kaffeekanne mit Bechern und Milch bereit, sich davon zu nehmen.

Wir fragen nach dem norwegischen Klassiker, der eigentlich so normal und doch in Norwegen für uns immer wieder so besonders ist: Waffeln. Diese kleinen Herzchen-Waffeln, mit einer Sahne-ähnlichen Konsistenz, die es wohl nur in Norwegen gibt: Rømme.  Es ist dem Schmant oder creme fraiche ähnlich, vielleicht einen Hauch säuerlicher. Dazu gibt es einen Klecks Marmelade, gerne aus Blaubeeren. 

Diese Kombination begleitet uns die ganze Tour durch Norwegen und so sehr sie sich wiederholt, ist sie für uns an jedem Ort wieder besonders. Und so ist es fast eine Selbstverständlichkeit, auch hier Waffeln bestellen zu dürfen. Den Kaffee und das Eis für die Kleine nehmen wir selbst mit in die obere Etage und bestaunen die kleine Bildergalerie, die uns bei Aufstieg begleitet.

Oben angekommen richten wir uns an einem der Tische ein, aber können gar nicht anders, als herumzulaufen. Wir laufen entlang der Wände und tauchen ein in die kleinen Nachbarräume. Denn das kleine Café ist zugleich auch Museum des Landhandel Kongsfjord. Viele Alltagsgegenstände aus früheren Tagen dekorieren die mit Holz vertäfelten Wände, ganz gleich ob aus dem Tankstellenbetrieb oder der Fischerei. Bücher und kleine Artikel füllen die Regale, Öldosen wie Spielzeuge oder alte Magazine.

Die warmen Waffeln werden uns von der jungen Angestellten gebracht. Ja, im Sommer sei schon hier einiges los. Aber die meisten halten nur draußen, um die alte Zapfsäule zu fotografieren. Über den Winter aber würden sie schließen, dann kämen selbst zu wenige Einheimische. Selbst die Schule im Ort habe man zugemacht, weil es immer weniger Kinder gegeben habe. Doch der ein oder andere kommt zurück und baut hier zumindest sein Feriendomizil  in einem der alten Hafengebäude. Aber woanders leben als hier, das könne sie sich nicht vorstellen.

Kurz später kommt ein norwegisches Ehepaar und genießt seinen Kaffee.  Sie kommen aus Oslo und erzählen, dass sie jedes Jahr hier in den Norden kommen Und so kommen sie auch bei jeden Besuch hier, in den Landhandel Kongsfjord. Das volle Kontrastprogramm eben. Sie haben eine Ferienwohnung hier in der Gegend gebucht, wie jedes Jahr. Zwei Wochen werden sie in Kongsfjord verweilen. Eh sie mit ihrem BMW Kombi ohne Allradantrieb wieder nach Hause fahren, 3000 Kilometer südlich.

Erleben statt knipsen – Landhandel Kongsfjord

In unserer Zeit im Landhandel Kongsfjord halten immer wieder Wohnmobile, deren Dächer fast auf unserer Tischhöhe sind, knipsen die alte Tanksäule vor dem Geschäft und brausen weiter. Schade eigentlich. Jeden dieser Touristen möchte man am liebsten hinterherrufen, hereinzukommen, einen Moment zu bleiben, ein Stück zu Hause zu genießen.

Ja, zu Hause fühlen wir uns für einen Moment hier, im Landhandel Kongsfjord. Und so werden wir fast hektisch, als es 18.00 Uhr ist. Und verlassen schnell diesen Laden. Hinter uns schließt die junge Frau ab. Der Ladenbesitzer des Landhandel Kongsfjord mit Sohn ist gekommen, die Kasse abzurechnen. Dann sitzen wir im Auto, alle angeschnallt und meiner Frau wird ganz schwindelig. Wir haben uns zu eingeladne gefühlt, dass wir vergessen haben zu bezahlen. Schnell poltert sie an die Tür des Landhandel Kongsfjord und lässt sich wieder aufschließen. Man dachte schon, wir …. Aber das ist das wenigste, was wir den Menschen hier im Landhandel Kongsfjord zurück geben dürfen, eine Selbstverständlichkeit.

Nun fahren wir weiter, die Eismeerstraße nach Berlevåg. Und auf dem Rückweg, das wissen wir schon jetzt, kommen wir genau hier wieder her, in den Landhandel Kongsfjord.

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