Vestland

Kristiansund – die Inselstadt nördlich der Atlantikstraße

Kristiansund, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph., mare.photo
Kristiansund, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

Eigentlich fährt kein Tourist in diese Umgebung. Würde nicht eine der schönsten Tourismusstraßen der Welt genau hier her führen. Aber wer sich durch die Tunnel unterhalb der tiefen Fjorde hier her begibt, wird es nicht bedauern, auf dieser Insel einen Stopp einzulegen.

Kristiansund – muss nicht sein, kann aber sein und darf einfach sein

Zugegeben, wer in Norwegen das Ziel des Nordens hat, wird sich nicht den Umweg entlang der Küste leisten und schon gar nicht nach Kristiansund kommen. Aber, wer nicht hier her findet, dem entgeht eine beschauliche und vielfältige kleine gemütliche Stadt. Die Vielfältigkeit, aber auch ihre jüngste Geschichte hat uns tief berührt.

Kristiansund ist eine Stadt auf vier Inseln, verbunden mit Brücken und Tunnel, die mit starkem Gefälle ihre Wege unterhalb der Fjorde zueinander finden. Vor allem das Zentrum hat es uns angetan durch seine Bescheidenheit, seine schlichte Schönheit und seine unerwartete Offenheit. 

Kristiansund, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph., mare.photo

Kristiansund, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

Dass es Kristiansund überhaupt noch oder wieder gibt, ist nicht weniger beeindruckend. Während des Zweiten Weltkrieges wurde Kristiansund dem Erdboden gleich gemacht. Etwa 900 Häuser wurden durch Bomben völlig zerstört. Ich kann es einfach nicht fassen. Was müssen die Menschen verzweifelt gewesen sein, ihre Existenz, ihre Erinnerungen, einfach alles verloren zu haben. Und welche Energie müssen sie aufgebracht haben, alles wieder aufzubauen. Nicht nur in Kristiansund, aber eben auch hier. Es macht mich immer wieder traurig. In der Bibliothek Kristansund gibt es eine bewegende Ausstellung über die Kriegsjahre mit zahlreichen Zeitdokumenten und Bildern. 

Auch im Hafen von Kristiansund erinnert am Schiffsanleger eine ehemalige Seemine an die Zeit des rechten Terrors und seiner Opfer.  Erst in den letzten 50 Jahren hat Kristiansund wieder zu seiner Größe gefunden, hat sich wieder aufgebaut. Innerlich verheilt sind die Wunden des zweiten Weltkrieges in Norwegen noch lange nicht. Ein Thema, mit dem wir uns in Zukunft noch an anderer Stelle auseinander setzen werden.

Kristiansund – eine ganz normale Nachkriegs-Stadt

Wer nun Kalenderblattmotive, ausgefallene Architektur oder romantische weiße und rote Holzhäuschen sucht, der ist hier falsch. Kristiansund ist eine ganz normale Stadt mit einer Architektur, die so ziemlich alle kurzen Epochen der Nachkriegszeit in sich versammelt. Das aber tut Kristiansund gekonnt und mit reichliche Farbe. Kristiansund ist bunt. Die leichte Hanglage mit ihren gerade gezogenen und parallelen Straßen, die großzügigen Grünflächen, die kleine Fußgängerzone, eine moderne Stadtverwaltung, gutbürgerliche Restaurants und eine schnörkellose Hafenmeile zeigen ein Stück pures Leben einer norwegischen Hafenstadt wie Kristiansund.

Ich weiß nicht, wie viele Nationen hier leben und arbeiten, aber es sind einige. Und diese wirken in all ihrer Unterschiedlichkeit in dieser Stadt vereint. Natürlich gibt es auch die verschrobene Kneipe, zu der auch am Tage die Polizei mit Sirenengeheul fährt, aber welche Stadt hat dies nicht. Insgesamt aber ist Kristiansund innerlich und äußerlich aufgeräumt und strahlt diese Leichtigkeit auch auf uns Besucher ab.

Kristiansund, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.

Kristiansund, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kristiansund zu Fuß

In der Regel suchen wir in einer Nebenstraße einen Parkplatz und entdecken dann die Umgebung gerne in den nächsten Stunden zu Fuß. Besondere Eindrücke animieren uns dann, diese am nächsten Tag genauer anzuschauen oder uns zu  verabreden. So parken wir dieses Mal direkt vor der Bibliothek. 

Kristiansund hat eigentlich die ideale Größe, zu Fuß entdeckt und erlebt zu werden. Dazu gehört der ganz normale und ungeplante Spaziergang genauso wie das ein oder andere Gespräch mit Einwohnern der Stadt oder der Spielplatz-Besuch mit unseren kleinen Kindern. Besser als hier kann man kaum eine Stadt kennen lernen und erleben.

Und so sind wir neugierig auf die Stadt, die für ihre Oper und ihren Klippfisk im ganzen Land eine kleine Berühmtheit ist.  Aufgrund der Größe erreichen wir an einem Nachmittag gemütlich alle Sehenswürdigkeiten und setzen uns an diesem Abend in den Park, um eben die kleinen toben zu lassen.

Erstaunt sind wir vom vielfältigen kulturellen Angebot, sei es die bereits genannte Oper mit ihren Opernfestwochen, etliche Festivals, oder das Nordic Light Photofestival.

Kristiansund, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, mare photo

Kristiansund, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Unseren Stadtspaziergang in Kristiansund beginnen wir im Hafen, wo übrigens eines der ältesten aktiven Linienboote liegt, das Sundbåten. Da bietet sich eine etwa 20 Minuten dauernde Fahrt an, um sich ganz entspannt einen Überblick über die vier Inseln der Stadt zu verschaffen.  Insgesamt, sollte man es eilig haben, braucht man etwa vier Stunden zu Fuß und mit dem Boot, um ein wenig Eindruck zu bekommen.

Ein kleiner Teil der Altstadt von Kristiansund ist im Kriegsverlauf nicht zerstört worden und der ist wirklich sehenswert. Hier finden sich die traditionellen Holzhäuser mit ihren engen Gassen. 
Im Stadtteil Gomalandet sollte man das Klippfischmuseum anschauen, welches die Geschichte eines der wichtigsten Einnahmemöglichkeiten der Fischerei erzählt und schon mit seinem historischen Gebäude fasziniert. Kleine Cafés und schliche Hafenrestaurants verlängern den Aufenthalt auf ziemlich angenehme Art und Weise. Vor allem sind solche Lokalitäten eine unbeschreiblich schöne Chance, auf Menschen der Stadt zu treffen, die uns so offen begegnen wie wir es eben tun.

Ein Hafenstadt wie Kristiansund hat natürlich auch eine eigene Geschichte im Schiffsbau. Ob man sich nun für das maritime Leben begeistert oder nicht, alleine schon die alten Anlagen der Mellemværfte aus dem Jahr 1856 werden niemanden kalt lassen. Zu diesem kleinen Schifffahrtsmuseum, gerade einmal 15 Minuten vom Zentrum entfernt, gehören auch einige Museumsboote.

Etwa 14 Kilometer nördlich von Kristiansund liegt ebenso auf einer kleinen Insel ein ganz bezauberndes Fischerdorf, das nennt sich Grip. Zwischen Mitte Mai und Mitte August gibt es vom Anleger am Hafen ein bis zwei Abfahrten täglich, die insgesamt etwa drei Stunden dauern. Wir waren dieses Mal nicht in Grip, wollen dies aber unbedingt nachholen.

Wer sich für Architektur und Kirchen interessiert, kommt nicht umhin, die moderne und extravagante Kirkeland Kirke ebenso etwa 15 Minuten vom Stadtzentrum entfernt zu besuchen. Im Jahr 1964 wurde dieses Gotteshaus fertig gestellt und es bricht mit der Tradition des klassischen Kirchenbaus. Das passiert wohltuend oft in Norwegen und jedes Mal zeigen die Bauwerke, wie vielfältig Kirche sein kann.

Wir selbst haben am Abend noch einen ausgedehnten Spaziergang im Park Kringsjå genossen und dabei einen traumhaften Blick auf die benachbarten markanten Inseln geworfen. Etwa drei Kilometer führt der einfache und gut zu laufende Weg durch lichten Wald, direkt auf einer Anhöhe am Meer entlang, Die Aussicht nach Averøya, Grip oder Smøla ist schon fantastisch. (Übrigens, wenn wir hier verlinken, dann nur auf eigene Artikel, weil wir die Orte besucht haben.) Im Park gibt es auch einen kleinen Aussichtsturm, den Varden, von dem man aus das Panorama über Kristiansund und die umgebenden Fjorde genießen kann.

Wir haben noch viele Bilder, die wir in Kürze ergänzen. Da wir diese Tour analog fotografiert haben, warten wir auf die Entwicklung und die Scans.

 

 

 

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