Kodaks Spuren im Schnee – Mit dem Kodak Tri X in Sjusjøen, Hamar und Lillehammer

In unserer bunten und farbigen Welt bringt der Schnee, so noch vorhanden, wohltuende Abwechslung. Aber soll man Schneelandschaften monochrom oder in Farbe ablichten. Und welchen Film sollte man in der analogen Fotografie einsetzen? Wir waren in Norwegen und haben den Kodak Tri X 400 im Schnee getestet, entgegen jeglicher Vernunft. Aber um Vernunft geht es ja auch in der Fotografie eher selten.

Schneelandschaften mit dem Kodak Tri X fotografieren

Schneelandschaften können so vielfältig wie eintönig sein. Mal ist der Himmel strahlend blau, die Sonne blendend hell und der Schnee traumhaft weiß, ein anderes Mal versinkt die Landschaft in dichtem Nebel und schluckt jegliche Kontur. Wie wird sich in all den Situationen der klassische Reportagefilm Kodak Tri X 400 verhalten, der nicht gerade ein Favorit für Landschaftsfotografie ist.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Es ist März und wir haben uns in einer kleinen Hütte in Sjusjøen einquartiert. Die Temperaturen sinken bis auf minus 27 Grad Celsius in der Nacht, tagsüber bewegen sie sich kaum unter dem Gefrierpunkt. Beste Verhältnisse also für einen tollen Winterurlaub. Drei Wochen bleiben wir in Sjusjøn nahe der kleinen Olympia-Stadt Lillehammer mit ihrem traumhaften Freilichtmuseum. Wir besuchen Norwegens berühmtestes Langlaufrennen Birkebeiner und entdecken dabei sogar Prinz Harkon auf Skiern, bauen uns eine Schneehöhle und Schneetheke, besuchen Lillehammer oder dessen Nachbarstadt Hamar mit dem norwegischen Eisenbahnmuseum.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Wir haben uns in Flensburg verabredet und sind dann mit der Fähre von Kopenhagen nach Oslo genommen. Von hier aus geht die Fahrt über Hamar und Lillehammer ins Skigebiet Sjusjøen. Freunde aus Oslo sind bereits einige Tage in ihrer Hütte und genießen hier ihre regelmäßige Auszeit. Von Lillehammer aus wird der Schnee mit jedem Höhenmeter mehr. Bis zu zwei Meter türmt er sich rechts und links des freigefrästen Weges auf.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, VW T6 California Beach 4Motion, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Bald haben wir unsere Hütte erreicht und schaufeln uns einen Weg zum gänzlich zugewehten Eingang. Doch schnell zieht es uns wieder hinaus. Strahlend blauer Himmel und reinweißer Schnee, aus denen die tief verhangenen Fichten und die Dächer anderer Hütten herausschauen, sorgen für die Ruhe und Stille, nach der wir uns so gesehnt haben. Die trockene und klare Luft verleitet, sich nur dünn anzuziehen, denn kalt ist es nur, wenn der Wind sich jede Ritze und jede Durchlässigkeit der Kleidung sucht. Die Sonne wärmt unser Gesicht und ich kann es kaum abwarten, mit der Schneeschaufel die ersten Laufgräben zu einer noch zu bauenden Schneehöhle zu buddeln, in der meine kleine Tochter sogar stehen kann.

Unser alter Hund kämpft sich durch den Schnee, sichtlich zufrieden mit sich der Landschaft. Er wälzt sich und pflügt wohlig seine Schnauze durch die weiße Landschaft, um dann wieder innezuhalten oder zu buddeln. Ohne Sonnebrille würden wir nichts sehen, so sehr blendet die Helligkeit des Schnees vor dem tiefblauen Himmel.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Norwegisches Eisenbahnmuseum Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

In den nächsten Tagen besuchen wir Hamar mit dem legendären Hamardomen, dem höchsten Holzhochhaus, dem Mjøsa und dem norwegischen Eisenbahnmuseum, welches unter einer weißen Pracht wie vergraben wirkt. Nur wenige Ausstellungsbereiche sind geöffet, aber es ist die Stimmung, diese historischen Anlagen und Gebäude in aller Ruhe auch im Winter zu erleben.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Norwegisches Eisenbahnmuseum Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Norwegisches Eisenbahnmuseum Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Eine Eisenbahn in einem Land der winterlichen Extreme zu unterhalten war früher wie heute eine besondere Herausforderung. Schneefälle würden in anderen Ländern in vergleichbarer Dimension den Katastrophenfall auslösen, hier gehören sie zur jährlichen Normalität.

Gemütlich laufen wir durch die tief verschneiten Außenanlagen mit dem weitläufigen Wald bis zum See hin und den zahlreichen kleinen und größeren historischen Gebäuden, die in eine Art Winterstarre verfallen sind. Kaum ein anderer Besucher verirrt sich um diese Jahreszeit hier her.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Norwegisches Eisenbahnmuseum Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Norwegisches Eisenbahnmuseum Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Zu Fuß gehen wir später weiter, immer am See entlang, der zugefroren vor uns liegt und ein riesiges Langlaufgebiet in jeder kalten Jahrsszeit vor den Stadttoren von Hamar bietet. Ein schmaler Weg führt uns geradewegs auf die Anhöhe des Domkirkeodden mit seinem Hamardomen. Hier ruht die größte sakrale Ruine Norwegens in einer Art überdimensionierten Gewächshaus, welches für Konzerte und Gottesdienste seine Türen öffnet.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamardomen, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamardomen, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Gleich dahinter folgt das Hedmark Museum in Hamar mit seinen historischen Gebäuden in eben dieser einzigartigen und romantischen Stimmung. Winter hat neben seinen eigenen Farben auch seinen ganz eigenen Duft.

Die Zeit scheint stehen geblieben, nichts, was uns drängt oder was uns hält. Ganz offen folgen wir unserem Gefühl hier draußen in der Winterlandschaft von Hamar, im Museum Hedmark, verziert mit seiner weißen winterlichen Pracht. Die Gebäude stehen in völligen Gegenzug zum modernen gläsernen Hamardomen. Winter, Sommer, Sonne, Regen und Schnee haben ihre Spuren hinterlassen. Die Holzhäuser haben den Charme, der ihnen ohne die Witterungseinflüsse nicht vergönnt gewesen wäre.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamardomen, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Hier geht es um SEIN und nicht um SCHEIN, hier geht es um die wärmende und wohlige Atmosphäre inmitten der kalten Jahreszeit. Und doch werden wir bald wieder zurückfahren, in unsere Hütte nach Sjusjøen, bei anhaltend schönem Wetter. Bis jetzt.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Doch irgendwann zieht es sich auch hier zu, das geht mitunter sehr zügig. Wie am anderen Morgen. Die Temperaturen liegen unterhalb von minus 10 Grad Celsius, leichter Schneefall und Nebel verwandeln die Umgebung in eine Märchenwelt ganz anderer Art. Alles ist in weiche Watte gehüllt, nur noch wenige Hütten sind erkennbar und alles, was bisher in der schneeweißen Welt für Abwechslung sorgt, verschwimmt. Die wenigen verbliebenen Geräusche werden nochmals gedämpft und ich bekomme allmählich selbst das Gefühl, in Watte gepackt zu sein.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Ein leichter Wind verteilt den frisch gefallenen Schnee, er treibt die Kälte unter meinen Jacke. Das Objektiv meiner Leica muss ich immer wieder abdecken, damit die Schneekristalle nicht auf ihrem Glas anfrieren. Ein Autofokus würde in diesem Moment schier verzweifeln, aber die simple Technik meiner Kamera lässt mich diesen Moment entspannt genießen und genauso entspannt immer wieder einen der Momente einfangen.

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X, Sjusjøen im Winter, Hamar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Bald wird der Himmel wieder aufklaren, werden sich Wasser und Schnee so gegensätzlich zeigen, wie sie doch andererseits verwandter nich sein können. Dann wird das Wasser wieder schwarz und der Schnee wieder weiß.

Dann werde ich wissen, mit den Kodak Tri X 400 alle winterlichen Bereiche aufgenommen zu haben und beim Betrachten der Bilder das tun, für das solche Bilder gemacht sind: mich erinnern. Erinnern an drei wunderbare Wochen in einer kleinen Hütte in Sjusjøen mit einer malerischen Umgebung, die ich bisher nur im Sommer entdeckt habe.

P.S. Ich habe immer auf die mittleren Töne belichtet. Auf beeidruckende Art zeigt der Kodak Tri X seinen außergewöhnlichen Dynamikumfang von tiefen Schwärzen bis zu feinen Nuancen in den weißen Tönen des Schnee.

Aufgetretene runde Lensflairs stammen vom Orangefilter, nicht vom Objektiv. Die Kamera habe ich immer unter der Jacke getragen und nur kurz zum Fotografieren hervorgeholt. Beim Betreten der Hütte habe ich die Kamera und Objektive langsam an die Innentemperatur gewöhnt, um Kondensbildung an Kamera, Film und Objektiv zu vermeiden. 

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