Kodak Tri X 400
Auf ein Korn

Kodak Tri X | © mare.photo
Kodak Tri X |  © mare.photo

Der Schwarz-Weiß-Film Kodak Tri X i400 st einer der populärsten Filme in der monochromen und analogen Fotografie und Kinoproduktion der Vergangenheit, aber auch der Gegenwart. Vor allem in der Kunstfotografie findet der Kodak Tri X 400 heute seine Anwendung. Wir haben uns für seine Geschichte interessiert.

Kodak Tri X 400 als klassischer Reportagefilm

Wer sich mit analoger Fotografie beschäftigt und sich für den klassischen Fotojournalismus interessiert, wer Ausstellungen altbekannter Fotografen besucht, der kommt um den Kodak Tri X nicht herum. Wir nutzen den Kodak Tri X für eine ganz traditionelle Reportage und wollen herausfinden, was ihn nach über 60 Jahren immer noch so jung hält.

Möchte man den Kodak Tri X entdecken, lohnt sich eine Zeitreise zurück bis ins Jahr 1954. Denn das ist die Geburtsstunde dieses Klassikers. Und damit werden neue Klassiker geboren, die es ohne diesen Schwarz-Weiß-Film nie so geben würde.

Doch alles, was neu ist, ist erst einmal schlecht. So empfinden es anfänglich die Kritiker, denen das Korn zu grob und der Kontrast zu intensiv ist. Selbst Zeitungsredaktionen nehmen Bilder eines Kodak Tri X nur, wenn es nicht besseres, sprich feinkörnigeres, gibt. Gleichmäßige Grautöne, sanfte Schattenzeichnung, all das ist man gewohnt. 

Die Erfolgsgeschichte des Kodak Tri X 400

Doch dann kommt das Jahr 1957. Eine Filmkamera liegt in einem Kinderwagen. Die Frau, welche ihn durch die Straßen von Paris zu nächtlicher Zeit führt, hastet, fühlt sich verfolgt und rennt um  ihr Leben. Allein die Lichter der Stadt beleuchten sie.  An Dramatik und Realitätssinn ist dieser Film nicht zu toppen. Über Nacht wird Moreau weltberühmt als die Frau, die den Kinderwagen schiebt. Als eine der Szenen des bis heute berühmten Filmes von Regisseur Louis Malle, „Fahrstuhl zum Schafott“.

Dieser Film wäre nie ohne den Kodak Tri X 400 zu einem Klassiker geworden, vielleicht sogar ohne Erfolg geblieben. Zum ersten Mal in der Filmgeschichte ist es möglich geworden, Nachtszenen ohne künstliches Licht zu erzeugen. Als der Film im Jahr 1959 in zahlreichen europäischen Kinos anläuft, begeistert er die Massen und verhilft zugleich auch dem Kodak Tri X 400 zum Durchbruch.

Auf einmal nehmen sich Fotografen quer durch die Bank dieses Materials an und nutzen den Kodak Tri X 400 im Belichtungsbereich zwischen 200 und 1600. Es sollte kein Genre mehr geben, in dem dieses Material nicht eingesetzt wird. Das gilt für die Kinowelt genau so wie für die Fotografie.

Kodak Tri X + Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X 400 + Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

Noch heute zählt dieser nun weit mehr als 60 Jahre alte Kodak Tri X 400 zu den Favoriten der Analogfotografen. Aus der Reportage hat er sich verabschiedet, aber nicht, weil er seine Wirkung verloren hätte. Vielmehr hat die Reportage durch ihre eigene Beliebigkeit an Wert verloren. Und doch gibt es Menschen, die die Entwicklung des Filmmaterials immer weiter ausreizen, herausholen, was heraus zu holen ist. Mittlerweile ist es möglich, den Kodak Tri X 400 in einem Empfindlichkeitsbereich von ISO 50 bis zu 12.800 zu belichten.

Dabei verrät der Kodak Tri X 400 aber nie seinen eigenen Charakter. Unangepasst, eigenwillig, robust, kantig und kontraststark- das sind einige der Attitüde, die ihn noch heute so populär machen. Die Motive intensiv zu gestalten, ist Sache des Fotografen- den Rest übernimmt dieser Kodak Tri X 400.

Kodak Tri X + Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kodak Tri X 400 + Leica Elmarit M 2.8 28 asph. | © mare.photo

Genau das ist, was ich suchte für unsere anstehende Reportagereihe „Slesvigland“. Im Jahr 1920 wurde die heutige Grenzlinie zwischen Dänemark und Deutschland gezogen, ganz demokratisch. In zwei Jahren wird das Jubiläum groß gefeiert. Ich begebe mich dazu auf Spurensuche, entdecke stillgelegte Schranken von Grenzübergängen, die es gar nicht mehr gibt. Und besuche die Konzentrationslager dies- und jenseits der Grenze mit ihrem kalten Stacheldraht und ihren Baracken und Wachtürmen, finde verlassene Grenzhäuschen und hadere mit den mittlerweile modernsten Überwachungssystemen. Ich trauere beim Verbleiben in der Geschichte zahlreicher Morde an den Grenzgendarmen und freue mich auf die Treffen mit dänischen und deutschen Grenzbeamten. Ich nehme dankend die Einladung der Dansk Bibliothek an in historischem Material zu forschen und treffe Menschen, die an dieser Grenze zuhause sind und dies schon lange waren.

Welcher Film kann dieses spannende und prägende Ereignis besser dokumentieren als der Kodak Tri X? Einen ersten Film habe ich belichtet und er hat meinen Entschluss gefestigt, dieses Projekt ausschließlich analog fertig zu stellen und bereits eingesetzte digitale Bilder analog zu tauschen. Nicht jedes Bild wird mit mit einem Kodak Tri X fotografiert, aber garantiert die bewegendsten Momente. Denn eines möchte ich erreichen. Dass die Bilder zu dieser Landschaft annähernd so berühren wie dieser Film.

 

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