Kodak Tri X – Heute war gestern

Fischerstelle (Fiskeläge) Kovik +Kodak Tri X | © mare.photo
Fischerstelle (Fiskeläge) Kovik +Kodak Tri X | © mare.photo

Bilder zeigen immer die Vergangenheit. Und gestalten ein Stück Zukunft. Sie entstehen im Bruchteil einer Sekunde, in einem Moment, der niemals mehr wieder kommt. Mit dem Kodak Tri X haben wir einen Moment eingefangen, ohne ihn festzuhalten. Aber mit der Gewissheit, dass er bleiben wird.

Mit dem Kodak Tri X auf Gotland

Wir sind mit dem Bulli unterwegs, die Leica ist mit dem legendären Kodak Tri X geladen und wir fahren in Richtung Klintehamn. Es soll nur ein kleiner Abstecher an die alte Fischerstelle Kovik auf Gotland werden, abseits entdecken wir eine kleine Fischerkapelle. Klänge von Violine und Akkordeon schwingen uns entgegen. Langsam nähern wir uns dem unscheinbaren und bescheidenen Gotteshaus. 

Über dem Meer ziehen sich die dunklen Wolken zusammen, der Wind frischt auf. Die Sonne gibt alles, um immer wieder durchzudringen. Vor uns liegt links die Fischerstelle mit  dem kleinen Museum. Auf der rechten Seite liegt abgelegen diese kleine Fischerkapelle, so schlicht, wie sie einfacher nicht sein kann.

Wir nähern uns langsam diesem fast fensterlosen Gebäude. Immer die Wolken im Blick. Die Klänge von Violine und Akkordeon kommen uns entgegen und machen uns neugierig. Gotländische Volksmusik, wie sie mich an den schwedischen Film „Wie im Himmel“ erinnert.

Die Klänge verstummen, aus der weit geöffneten Flügeltür kommt eine Frau mit ihrer Violine, begrüßt uns und erzählt, dass hier gleich ein Abendgottesdienst mit musikalischer Untermalung stattfindet. Uns wird klar, dass wir bleiben werden, aber ungläubig sind wir, dass diese kleine Kapelle von Kovik, sozusagen im Niemandsland liegend, wirklich voll wird.

Hinter dem kleinen Gotteshaus naht eine junge Herde von Kühen, die vor Lebensfreude springend und laufend zielgerichtet zum Wasser rennt, und auf einmal kommen sie, die Menschen, die diesen Abendgottesdient besuchen möchten. Im Inneren werden die Kerzen an den Wänden entzündet. Klappstühle werden aufgestellt, wir selbst beschließen, zunächst mit unserer kleinen Tochter diesem vor dem geöffneten Tor zu folgen.

Der Pastor hat seine ersten Worte begonnen, die Gemeinde beginnt das erste Lied und wir beschließen im aufkommenden Donnergrollen und einsetzenden Regen doch ins Innere zu gehen. Die letzten beiden Klappstühle stellt uns der Pastor neben sich, wir blicken nach außen in das dramatische Wechselspiel von Windböen, Sonne und Regen, dazu das vorbeiziehende Gewitter. Und dann wieder die Einlagen mit Violine und Akkordeon und dem zauberhaften Gesang der Violinspielerin, mal als klassischer Folk, dann wieder als fröhliche Polka. 

Kurz vor dem Segen geht der Pastor durch die offene Flügeltür, klettert auf den Balken und zieht an dem Strick solange, bis die kleine Glocke 10 Mal geschlagen hat.

Niemals zuvor hat mich ein Gotteshaus und ein Gottesdienst so tief berührt wie an diesem Ort. Er ist für mich heilig geworden und unvergesslich. Er erinnert mich, dass die ersten Christen Fischer waren, die mit dem Wetter und den mehr oder auch weniger erfolgreichen Fängen zu kämpfen hatten und manches Boot verloren. Vielleicht werden wir genau an diesem Ort unsere Kinder einmal taufen lassen,  weil der Ort hier so besonders ist wie diese.

Die Kapelle, der Himmel und der Kodak Tri X

Am folgenden Tag fahren wir erneut an diesen Ort, dessen Magie so nach hallt. Der Himmel ist strahlend blau, ein paar einzelne Wolken schweben langsam ihren Weg. Die Kondensstreifen der Flugzeuge malen scharfe Striche durch die Unendlichkeit. Besinnlich nehme ich die Leica M mit dem Elmarit 2.8 /28 asph. new und lege einen Kodak Tri X ein. Der Orangefilter soll die Stimmung verstärken und so mache ich mich auf den Weg, die Stimmung vom Vortag behutsam einzufangen. Wie kaum ein anderer Film entführen uns die Bilder in eine Zeit, die an die lebendige und aktive Zeit dieser musealen Fischerstelle entführt.

Fürs Album und für diese Seite habe ich diese Fischerkapelle in Kovik fotografiert, doch das eigentliche Bild dieser kleinen Kirche befindet sich in der Galerie meines Herzens.

Übrigens: Schon zu Beginn des Christentums war der Fisch das geheime Erkennungszeichen der Christen. Heute findet man dieses Erkennungszeichen mitunter als Aufkleber auf Autos.

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