Filmvorstellung

Kodak Portra 800 mit ISO 640 belichtet: Statt-Spaziergang Hamburg

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.
Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

mare.photo liebt die unterschiedlichen Charaktere der analogen Filme. Spannend und oft unterschätzt ist der Einsatz von hoch empfindlichen Material. Wir nähern uns dem Kodak Portra 800.

Kodak Portra 800 mit ISO 640 belichtet – Statt-Spaziergang

Der Kodak Portra ist die Erfolgsserie der analogen Produkte aus dem Hause Kodak. Zudem gehört der Kodak Portra 160 zu meinen Favoriten. Überrascht bin ich aber auch von der Toleranz des Kodak Portra 400. Wie aber verhält sich der Kodak Portra 800 bei einem Spaziergang durch Hamburg? Wie meistert der Kodak Portra 800 sowohl die dunklen wie die hellen Aufnahmeorte? Das probieren wir bei grauem Wetter, einer der schwierigsten Herausforderungen für Film und Objektiv. Um die Empfindlichkeit des Kodak Portra 800 ein wenig zu drosseln, belichte ich ihn mit ISO 640, ohne die Entwicklung im Labor anzupassen.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Hamburg ist meine Stadt. Immerhin lassen sich meine Gene in diese Stadt zurück verfolgen und so hat sich die Liebe zu Hamburg vielleicht ein wenig vererbt. Schon lange aber möchte ich mich mit der neuen Hafencity auseinander setzen, die so geliebt und so verachtet wird. Das Wetter ist fast Hamburg-typisch grau. Ein Wetter also, bei dem man nicht unbedingt fotografiert. Ideal aber, um die Qualitäten von Objektiv und Film zu testen. Denn wer bei solch kontrastarmen Licht noch Bilder einfängt, schafft auch jede andere Situation.

Kodak Portra 800 bei ISO 640 – grau-bunt

Um es vorweg zu nehmen, ich fotografiere im freien Gelände und analysiere nicht in einem Pseudolabor. Hinter solchen Tests verstecken sich oft Menschen, die nicht unbedingt mit dem Thema Fotografie etwas anfangen könne, aber doch irgendwie ihre Amazon-Links in pseudo-wissenschaftlichen Tests unterbringen müssen. Für mich muss ein Bild ansprechend gelingen und nur das zählt.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Natürlich mag ich blauen Himmel und Sonne  in jeder Form, aber wie oft kommt es vor, dass man an einem Ort ist, an dem das Wetter falsch geliefert wurde. Dann kann man in Depressionen verfallen oder sich der Realität stellen. Letzteres öffnet nicht selten ganz neue Sichtweisen und am Ende des Tages vielleicht auch noch ein Bonus-Lächeln.

Reduzierte Farben prägen die Hafenumgebung in Hamburg, das Einheitsgrau des Himmels setzt dem noch einen auf. Der Kodak Portra 800, mit ISO 640 belichtet, also bewusst überbelichtet, nimmt das an Restfarbe auf, was uns das diffuse Licht noch übrig lässt.

Warum den Kodak Portra 800 mit ISO 640 belichten?

Der Kodak Portra 800 ist ja eigentlich ein Film für die Dämmerung. Durch seine Empfindlichkeit bietet er noch halbwegs vernünftige Belichtungszeiten, wenn es für ISO 400 so gar nicht mehr reicht. Allerdings ist der Kodak Portra 400 ein halbwegs farbintensiver Film. Der Kodak Portra 800 dagegen verhält sich recht neutral. Sowohl für den Kodak Portra 400 wie auch für den Kodak Portra 800 gilt, dass die Farben intensiver werden, je großzügiger, also länger, man ihn belichtet. Zum anderen wird der an sich grobe Kodak Portra 800 bei Überbelichtung etwas feinkörniger. Ein Nachteil bei Überbelichtung ist der abnehmende Kontrast, so sollte man die bewusste Überbelichtung also nicht übertreiben.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Der Kodak Portra 800 bei ISO 640 bei Tageslicht

Der Kodak Portra 800 ist der beste Farbfilm seiner Empfindlichkeit auf dem Markt. Bei Tageslicht bietet er eine echte Empfindlichkeit von ISO 800. Aber: man kann ihn bis zu vier Blendenstufen überbelichten oder bis auf ISO 1600 seine Empfindlichkeit steigern, ohne die Entwicklung im Labor abstimmen zu müssen. Das schafft kein anderer Film.

Ich kann also mit dem Kodak Portra 800 mit der Entscheidung für eine bestimmte Empfindlichkeit meinen ganz eigenen Bildlook schaffen.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Und: ich bin mit dem Kodak Portra 800 für alle Aufnahmesituationen gerüstet, die mir in der Stadt begegnen können. In der Morgendämmerung, in der U-Bahn, im Museum oder in der Kirche, im Biergarten oder am Strand, bei Sonnenuntergang und abends bei Beleuchtung im Biergarten, nachts auf der Reeperbahn- alles mit nur einem Film.

Dabei ist der Kodak Portra 800 grundsätzlich wie die gesamte Kodak Portra-Serie auf europäische Hauttöne abgestimmt.  Wie aber verhält sich der Kodak Portra 800 bei Mischlicht  oder im Schatten?

Die Schattenseiten des Kodak Portra 800 bei ISO 640

Suchen wir uns also die dunklen Seiten des Hafens im Hamburg, um uns dem Charakter des Kodak Portra 800 zu nähern, wenn wir ihn mit ISO 640 belichten. Ideal dafür ist ein Ausflug in den alten Elbtunnel. Hier werden Fahrzeuge mit dem Fahrstuhl nach unten befördert, um durch die schmale Röhre auf der anderen Seite der Elbe wieder nach oben zu kommen. Fußgänger haben die Wahl zwischen Treppenhaus und Fahrstuhl.

Wir nehmen das Treppenhaus mit seinem hohen Fenstern und seiner Eisenkonstruktion. Die hellen Bereiche der Fenster fressen nicht aus und gleichzeitig werden die Schatten gut durchgezeichnet. Wenn der Kodak Portra 800 das schafft, kann man ihn auch für die Nacht einsetzen, ohne Angst zu haben, dass die dunkeln Bereiche nicht mehr zu differenzieren sind.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Niedrig empfindliche Filme unter ISO 200 hätten mit solchen Situationen durchaus ihre Probleme. Bei ihnen müsste man sehr wohl überlegen, auf die Schatten oder auf die hellen Flächen zu belichten und sich damit für eine Priorität zu entscheiden.

Die dunklen Seiten des Kodak Portra 800 bei ISO 640

Nun sind wir im Keller des alten Elbtunnel in Hamburg angekommen, Fensterlicht kommt hier nicht mehr an. Die Ausleuchtung geschieht mittels Leuchtstofflampen, zudem gibt es gelbe, rote und grüne Signallampen und Glühbirnen. Tageslichtfarbe ist nicht im Ansatz vorhanden. Nur können wir uns grundsätzlich keine Lichtfarben einprägen,  der Film merkt sich diese allerdings schon. Nur wie geht er damit um?

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Die gesamte Kodak-Portra-Familie gilt als ideal für Mischlicht-Situationen. So beherrschen sie das Blitzlicht im Studio genauso wie vorhandene Straßen- oder Raumbeleuchtung. Und genau so gibt der Kodak Portra 800 die Farben wieder.

Vor allem: Kein Licht franzt aus, kein Schatten säuft ins schwarze Leere.Immer noch werden die Farben real wieder gegeben udn erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Und auch in dieser kontrastärmeren Umgebung zeigt der Kodak Portra 800 seine für die Empfindlichkeitsklasse erstaunliche Schärfe.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph.

Kodak Portra 800 bei ISO 640, Leica M Elmarit 2,8 28 asph. | © mare.photo

Für mare.photo ist dies der erste Fotoausflug mit dem Kodak Portra 800 bei ISO 640. Wir werden wiederkommen und den Kodak Portra bei Nacht und auch bei strahlender Sonne einsetzen.

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