Kjøllefjord auf Nordkinn – So fern, so nah…

Wir sind auf der Halbinsel Nordkinn östlich der Nordkap-Insel angekommen und möchten Land und Leute kennen lernen. Gespannt und neugierig fahren wir über die Hochebene, bis wir eines der größten Fischerdörfer der Finnmark ansteuern.

Kjøllefjord auf Nordkinn – So fern, so nah…

Es ist für uns immer wieder unbeschreiblich, dass wir das Privileg haben, ein arktisches Dorf wie Kjøllefjord auf der Nordkinn Halbinsel besuchen zu dürfen. Immerhin handelt es sich bei Nordkinn um die nördlichste Halbinsel in Europa. Und so sind wir entsprechend lange unterwegs, bis in die traumhafte und faszinierende Arktis, um Kjøllefjord in der Kommune Lebesby neben all den anderen Orten auf Nordkinn besuchen zu dürfen. 

Ach, beim Schreiben dieses Artikels könnten wir gleich wieder los. Zu tief sind die Erinnerungen, als wir auf Nordkinn über die Hochebene nach Kjøllefjord abbiegen.

In leichten Serpentinen führt die Straße von der weiten Hochebene hinunter nach Kjøllefjord und zunächst gelangen wir auf einen großen Platz. Ein paar Wohnmobile stehen hier mit bester Aussicht auf die zu Norwegens schönster Felsformation gekürten Finnkirka. Hier könnten wir einschließlich Toiletten- und WC-Nutzung sogar über Nacht bleiben. Dieser Stellplatz zeigt, dass Kjøllefjord sich zunehmend auf Touristen einstellt.

Vorrangig aber ist die Fischerei, Fischzucht und Fischverarbeitung die Haupteinnahme des zu den größten Fischerorten der Finnmark gehörenden Kjøllefjord. Zwei größere Fischbetriebe sind hier ansässig.  Größter Arbeitgeber ist aber die Gemeindeverwaltung, denn Kjøllefjord mit seinen 925 Einwohnern ist zugleich auch Verwaltungssitz der Kommune Lebesby.

Ein frischer Duft nach Fisch legt sich über Kjøllefjord, gleich gegenüber des Stellplatzes für Wohnmobile wartet denn auch eine große moderne Fischfabrik. Mengen an Fangkörben liegen am Rand des großen Platzes.

Kjollefjord,Kjølefjord, Nordkyn, Nordkinn, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kjollefjord,Kjølefjord, Nordkyn, Nordkinn, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kjøllefjord liegt am Fuß der umgebenden Hänge rund um den Kjøllefjorden. Immer wieder kommen hier kleine Fischkutter hinein und löschen ihren Fang. Ein anderes Fischerboot liegt im Dock der kleinen Werft und hofft, bald frisch restauriert wieder auslaufen zu können.

Schlicht und schön ist dieses kleine arktische Dorf, und wahrscheinlich ist die geschützte Bucht Grund genug, hier zu siedeln. Abgesehen vom einst großen Fischreichtum der Barentssee, der die Menschen immer wieder in diese schöne Umgebung zurück geholt hat.

Wir sind im Sommer in diesem arktischen Kjøllefjord und auch jetzt ist es ganz schön kühl und windig. Wie es aber in der kalten Jahreszeit hier zugehen muss, verraten die hohen Schneefang-Gitter, die in verschiedenen Ebenen an den umgebenden Hängen angebracht sind. Ohne sie würde es immer wieder dramatische Unglücke durch Lawinen geben. Und die hat es in Kjøllefjord gegeben. Wir werden später von solchen Lawinenunglücken erfahren.

Schnee kann durch die orkanartigen Stürme extrem hohe Verwehungen aufwerfen. Oft ist die Landstraße auf der Hochebene der Halbinsel Nordkinn dann unpassierbar. Irgendwann taut er ab und dann entlädt sich seine Masse unkontrolliert ins Tal.

Dass Wetter in der Arktis eine unberechenbare Rolle spielt, merken wir bei unseren Tour durch die Arktis überall entlang der Barentssee, auch hier auf der Nordkinn-Halbinsel. Von jetzt auf gleich kann die Sonne scheinen und genauso schnell der Himmel grau und dunkel erscheinen. Ja, selbst Schneefall im Sommer ist keine unübliche Sache.

Aber das schreckt uns nicht ab, uns Zeit zu nehmen für dieses wunderschöne Dorf am Ende der europäischen Welt. Eigentlich besteht Kjøllefjord bis auf wenige Ausnahmen aus einer schmalen Hauptstraße, die sich um den Kjøllefjorden zieht, also immer am Wasser entlang. Am Ortsende endet auch diese Straße.

Aber Kjøllefjord, so entdecken wir, hat alles, was es braucht. Geschäfte und kleine Boutiquen, einen kleinen Laden für Buch- und Schreibwaren. Selbst das ein oder andere Restaurant ist zu finden. Und eine kleine bescheidene Tankstelle mit zwei Säulen, wie man sie häufig in kleinen Orten Norwegens findet. So herausfordernd das Leben hier ist, so entspannt fühlen sich die Menschen hier an. Wir finden keine Hektik, die wir aus den dichter besiedelten Regionen kennen. Im Sommer sind die Menschen draußen. Nur die Wohnmobil- Touristen, so entdecken wir es immer wieder, kommen oft selten und kurz aus ihrer rollenden Höhle heraus. Denn ja, hier in Kjøllefjord ist es kalt. Aber das sollte man wissen, wenn man in den arktischen Raum fährt.

Vor allem, wenn wir aussteigen, kommen wir auch mit den Menschen, die hier in Kjøllefjord leben, ins Gespräch, entdecken ihre Gewohnheiten und ihre Spezialitäten. Und ihre Gastfreundschaft.Ja, und wir entdecken in der baumlosen Arktis sogar ein paar Bäume. Wie lange haben wir keine Bäume mehr gesehen.  Und hier, hinter den Häusern am Hang, am Ende von Kjøllefjord, da entdecken wir sogar eine richtige Ansammlung von Nadelbäumen. Aber auch Ruinenreste und einen Gedenkstein. Von einem der Lawinenunglücke, die an dieser Stelle Existenzen und Leben ins Meer schoben.

Nur ein paar wenige Meter zuvor, wie zum Trotz, Blumenkübel mit blühenden Pflanzen und eine Frau, die sie zwischen den Wohnhäusern liebevoll pflegt. Denn auch Gärten gibt es in der Regel nicht in der Arktis, solche blühenden Blumen erst recht nicht. Vielleicht wissen die Menschen in Kjøllefjord, solches viel mehr zu schätzen. 

Gleich gegenüber, am Ende des Fischerortes Kjøllefjord, werden wir gleich im Museum eine kleine Reise in die Vergangenheit erleben. Dieses Museum, eine ehemalige Landungsbrücke der Fischer, zeigt zahlreiche Exponate aus dem Leben der Fischer und spannende Bilder aus der Geschichte des Ortes Kjøllefjord.

Einige der Geschichten haben wir uns herausgesucht und beschreiben sie in einem eigenen  Artikel. Irgendwann gehen wir doch ziemlich wehmütig zurück. Und sagen Kjøllefjord „auf Wiedersehen.“ 

Ja, vielleicht auf Wiedersehen schon im nächsten Jahr.

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