Gotland Kirchenruinen

Kirchenruine St. Georg, S:t Görans kyrkoruin, Visby

Kirchenruine St. Georg, S:t Görans kyrkoruin, Visby, Leica M Summilux 1.4 50 asph. Kodak Ektar
Kirchenruine St. Georg, S:t Görans kyrkoruin, Visby, Leica M Summilux 1.4 50 asph. Kodak Ektar | © mare.photo

Wir sind auf Gotland und entdecken zahlreiche Kirchenruinen, die ihren Ursprung im Mittelalter haben. Eine besonders bewegende Geschichte dazu erwartet uns vor den Toren von Visby.

Kirchenruine St. Georg, S:t Görans kyrkoruin, Visby

Nahe der beliebten Stadtmauer und des Krankenhauses von Visby steht ein wenig unbeachtet die Kirchenruine St. Georg, (S:t Görans kyrkoruin). So unscheinbar sie ist, so erzählt die Kirchenruine St. Georg (S:t Görans kyrkoruin) doch eine ganz spannende und berührende Geschichte aus dem mittelalterlichen Leben in und um Visby.

Dass die Kirchenruine St. Georg (S:t Görans kyrkoruin) außerhalb der Stadtmauern von Visby entstand, hat einen verständlichen, wenn auch traurigen Grund. Denn sie war Teil eines Spitals für Lepra-Kranke. Lepra ist ansteckend und so durfte kein Erkrankter mit gesunden Menschen in Berührung kommen. Die Kirche gilt als größte Hospitalkirche in Nordeuropa. Zur Kirchenruine St. Georg (S:t Görans kyrkoruin) gehörte ein großer Friedhof.

Die Hospitalkirche wurde dem Heiligen St. Göran (Georg) geweiht, ihm wurde der Sieg über feuerspeiende Drachen nachgesagt und so galt als der Schutzpatron der Lepra-Kranken. Den brauchten die Kranken auch, denn die Menschen der Stadt Visby kümmerten sich nicht um die Erkrankten, vielmehr die Menschen aus dem Umland.

Die Kirche St. Georg (S:t Görans kyrka) und das Hospiz entstanden im 13. Jahrhundert. Einige Ausgrabungen deuten aber bereits auf das 11. Jahrhundert hin. Die Architektur unterscheidet sich von den anderen Kirchengebäuden auf Gotland, denn sie hat zwei Kirchenschiffe.

Lepra wurde zu dieser Zeit als Aussatz bezeichnet. Der Name bezieht sich auf das Aussetzen von mit Lepra befallenen Menschen. Lebra galt bis ins 19. Jahrhundert für unheilbar, in der Regel starben die Kranken an Tuberkulose, welche die geschwächten Menschen befiel.

Für Lepraerkrankungen auf Gotland gibt es unterschiedliche Erklärungen, zum Teil wird die Übertragung durch die Kreuzzüge und die Seefahrt vermutet, zum Teil lag sie aber auch an Unterernährung und mangelnder Hygiene. Auch heute kommt diese Krankheit, wenn auch extrem selten, in Europa vor, ist aber mittlerweile in langwierigen Therapien heilbar. Aussatz ist eine schwerwiegende Hautkrankheit, welche das Immunsystem schwächt und den Körper zunehmend völlig entstellt.

Die Lepra-Erkrankungen verschwanden in Europa im 16. Jahrhundert ohne offensichtlichen Grund. Nur ein paar wenige isloierte Orte konnten noch betroffen sein. Gotland war von der Krankheit aber nun befreit. Das Lepra-Hospiz wurde im Jahr 1542 geschlossen, doch wurde der Frieddhof bis etwa 1850 genutzt. Denn der Lepra folgte in den Jahren 1711 und 1712 die Pest und um 1850 eine Cholera-Epidemie.Vom Krankenhaus und auch vom Friedhof ist nichts mehr erhalten. An der Nordseite der Kirchenruine St. Georg (S:t Görans kyrkoruin) sind aber noch ein paar verlorene alte Grabsteine zu entdecken. Unweit des damaligen Krankenhauses steht heute ein hochmodernes Hospital, daß regelmäßig, täglich,  aufgrund der Insellage von Hubschraubern angesteuert wird, um Patienten von See zu bringen oder sie aufs Festland zu verlegen.

Heute ist die Kirchenruine St. Georg (S:t Görans kyrkoruin) von innen für die Allgemeinheit gesperrt, sie kann aber ganz entspannt von außen besichtigt werden. 

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