Keine Kinderbilder im Netz – Kinderschutz vor Eigennutz

Jeder hat das Recht auf ein eigenes Bild. Auch unsere und schon gar fremde Kinder. Wer egal wo auch immer im Internet Bilder von Kindern publiziert, darf sich gewiss sein, keine Kontrolle mehr über sie zu haben. 

Mit Glück werden diese nicht missbräuchlich für ganz andere Seiten genutzt, die man sich nicht vorstellen mag. Mit Glück nutzt auch niemand die Gesichtserkennung und stellt dem gezeigten Kind nach. 

Wie man aber dennoch Bilder von Kindern im Netz zeigen kann ohne deren Identität preis zu geben, möchten wir in diesem Artikel behandeln.

barnevernet, child protection servive norge

Warum stelle ich Kinderbilder im Netz?

Grundsätzlich sollte ich mich fragen, warum ich Kinderbilder ins Netz stellt. Was ist mein Antrieb. Geht es darum, eigene Aufmerksamkeit zu erhaschen? Geht es um einen persönlichen Wettbewerb und Vergleich mit anderen?

Geht es um fotografischen Austausch oder geht es um eine redaktionelle Nutzung? Geht es darum Mitleid zu erregen oder Kontakte zu finden?

Die Gründe sind vielfältig und idealerweise verzichtet man auf das Zeigen seines Kindes, auf welcher so privaten Plattform auch immer.

Zum einen gibt es tatsächlich Anlässe, in denen Kinderfotos in einen Beitrag eingebunden werden müssen. Für alles andere steht nicht selten der eigene Egoismus im Vordergrund.

Aber wie bekomme ich den Seilakt hin, ein Kinderbild ins Netz zu stellen, welches das Kind zeigt wie es ist, ohne die Identität Preis zu geben?

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Ob eigene Kinder oder fremde Kinder – die Gefahr, an die man nicht denkt

Wie unbedacht und schnell ein Bild zur Gefahr für das Kind und seine Eltern werden kann, musste ich vor einigen Jahren erleben. Ich hatte Kontakt zu einer Familie, die unter neuer Identität lebte. Der Junge war vom Vater nach Tanzania entführt worden. In einer geheimen Operation konnte die Mutter ihr Kind aufspüren und heimlich über die Grenze dann wieder zurück nach Deutschland bringen.

Die Geschichte ging damals durch das Fernsehen. In Deutschland zurück bekamen Mutter und Sohn eine neue Identität und einen neuen, geheimen Wohnort. Aus Sicherheitsgründen sollte niemand um diese Geschichte im direkten Umfeld der Familie wissen.

Bei einem Schulausflug machte der Lehrer ein Gruppenfoto und stellte dies bei Facebook ein. Die Folge: Die Familie benötigte umgehend wieder einen neuen Wohnort und neue Namen.

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Anhand eines Bildes kann man doch nicht wissen, wer das abgebildete Kind ist – oder doch?

Der Standardspruch ist oft: „Von uns kann man alles wissen, wir haben nichts zu verheimlichen…“ Eine andere Ansicht ist auch, dass man anhand eines Bildes gar nicht auf die Identität schließen könne.

Es ist ein Fall bekannt, an dem der Täter den Ort des Kindes in dessen Pupillen erkennen konnte. Sicherlich ein Extrembeispiel. Aber wir kennen vielleicht noch alle die Schulaufgabe, eine Geschichte aus drei Begriffen zu bilden. 

Nichts anderes machen Wahrsager und die Suchmaschinen, aber auch potentielle Täter. Alle Informationen werden zusammen getragen. Daraus können Schlüsse über die Identität des Abgebildeten gezogen werden. Auch ganz ohne die heute weit verfügbare Gesichtserkennung. Das einfachste ist im Übrigen die GPS.Koordinate, da man in der Regel GPS bei der Kamera eingeschaltet hat und diese in den Hintergrundinformationen eines Bildes auch gespeichert sind. Wir selbst schalten diese Funktion grundsätzlich aus. 

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Mit dem Bild kann doch keiner was anfangen, oder?

Ich selbst habe bei einer testweisen Rückverfolgung meiner Bilder drei Fälle entdeckt, wo Bilder eines Kindes, welches ich fotografiert habe, für betrügerische Angebote genutzt wurden. Sogar mit gleichem Eingangstext. Menschen sollten also mithilfe meiner Bilder auf Spam-Seiten gelockt werden. 

Wie fühlt sich das an, wenn auf einmal ein bekanntes Gesicht für einen Betrug steht? Das Gesicht eines Kindes? In meinem Fall war wie auch in diesem Beitrag kein Gesicht zu erkennen. Aber die Bilder löschen zu lassen, war sehr aufwendig und ich habe keine Kontrolle darüber, wann sie wiederverwendet werden. 

Wer sich einmal das Kleingedruckte der Geschäftsbedingungen von Whats App und Co anschaut, wird vielleicht darüber stolpern, dass der Diensteanbieter automatisch die Rechte an den hochgeladenen Bildern erwirbt und sie selbst für Werbung nutzen kann. Ganz ohne zu fragen und auch ganz ohne Einschränkungen der Kategorie. Ich möchte mein Kind nicht für ein Produkt missbraucht wissen. Vor allem nicht, wenn ich nicht dahinter stehe. Und wie wird das Kind darüber denken, wenn es einmal größer ist?

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Wenn es denn sein muss, wie kann ich das Risiko für mein Kind minimieren?

Der erste Schritt ist sicherlich, ohne GPS zu arbeiten und ohne ergänzende Texte, die Hinweise über die Identität des Kindes verraten.

Ebenso wichtig aber ist es auch, kein Gesicht zu zeigen. In den Redaktionen ist es üblich, bei Berichterstattungen in Zusammenhängen mit Kindern deren Gesicht nicht zu zeigen. Und genau das sollte man sich auch im Privaten zu Eigen machen. Auch ohne Gesicht kann ich in einem Foto das Wesen eines Kindes einfangen und dem Bild einen starken Ausdruck verleihen. Vielleicht sogar mehr wie mit einem verspannten „Nun lach mal- Foto“.

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Das Wesen eines Kindes ist mehr als ein gestelltes Gute-Laune-Bild

Ein Kind ist mehr als ein ewig lächelndes Wesen. Es hat seinen eigenen Charakter, ist im Idealfall selbstbewusst und bewegt sich frei und ungezwungen. Warum sollte ich es also in ein Korsett zwingen, in dem ich bestimmte Posen erwarte oder eben dieses ewige Lächeln?

Wenn ich ein Kind fotografiere, dann beobachte ich es. Und begleite es mit der Kamera. Ich zwinge das Kind nicht in meinen Blickwinkel, sondern verlagere meinen Blickwinkel hin zum Kind.  Auf dieser Basis fange ich im Übrigen an, das Kind wirklich zu sehen.

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Ein Kind verdient Zeit. Und Respekt.

Fotografiere ich Kinder, nehme ich mir generell Zeit. Und ich begleite sie an ihrem Ort, an dem sie sich wohl fühlen. Wenn mir ein Kind signailisert, nicht fotografiert werden zu wollen, lass ich es. Auch, wenn ein Kind zwei Jahre alt ist, wird es mitteilen, ob es fotografiert werden will oder nicht. Das habe ich zu respektieren. Und genau da sind wir bei der Frage: Worum und um wen geht es, wenn ich das Kind fotografiere.

Das Kind wird sich erst vor der Kamera frei bewegen, wenn es das auch möchte. Und es wird erst dann Vertrauen zu mir haben. Genau dieses Vertrauen hört aber nicht nach der Fotografie auf. Nein, es ist ein Vorschuss auch für die Verwendung der Bilder. Es liegt an mir, dieses Vertrauen nicht zu verraten. Auch nicht mit der so verführerischen Veröffentlichung, von deren Wirkung ein Kind gar keine Vorstellung haben kann.

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Wie nehme ich ein Kind auf, ohne dass ich es verrate?

Wie bereits angemerkt, ich folge dem Kind, wenn ich es darf. Und begleite es unaufdringlich bei dem, was es tut. Idealerweise fange ich die Bewegungen ein. Und richte das Objektiv auf eben diese Bewegungen. 

Grundsätzlich fotografiere ich kein Kind unangezogen oder in einer Pose, die irgendwie sexy wirkt. Ohne prüde zu sein, aber solche Aufnahmen werden aussortiert, wenn sie zufällig doch den Anschein erwecken würden.

Ich nehme die Umgebung nur in der Form auf, in der diese keine Rückschlüsse auf den Ort zulässt.

Hilfreich ist bei dieser Art der Kinderfotografie ein leichtes Teleobjektiv. Ich gebe dem Kind durch die erforderliche Distanz den nötigen Freiraum, dränge mich also nicht auf. Und ich bekomme von der Örtlichkeit einen Ausschnitt, der etwas über die Art des Ortes zeigt ohne diesen aber zu benennen.  In diesem Fall sind alle Aufnahmen mit einer Brennweite von 75mm Vollformat bei Blende 2 entstanden.

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Wie veröffentliche ich verantwortungsbewusst?

Grundsätzlich stelle ich keine Bilder der eigenen Kinder ins Internet. In diesem Fall benötigte ich Kinderbilder für einen Artikel über das norwegische Kinderschutzsystem Barnevernet. Betroffene Elter wollte ich nicht zeigen, die Situation aber emotional mit Kinderbildern unterstreichen. Denn ein Text ohne Bilder ist bei weitem schwieriger zu vermitteln.

Ich hatte das Glück und durfte zwei Kinder begleiten, über die ich eine längere Bilderserie mache.  Ob in Schwarz Weiß oder in Farbe aufgenommen ist dabei reine Stil-Angelegenheit.  Für den redaktionellen Beitrag wählte ich ausschließlich Bilder aus, auf denen kein Gesicht erkennbar ist. Zudem gibt es auf unseren Seiten nirgendwo Hinweise auf diese Kinder.

Für die Veröffentlichung verkleinerte ich die Daten auf maximal 800 PX, um eine eventuell mißbräuchliche Nutzung einzuschränken und die Suche nach Ausschnitten und Details uninteressant zu machen.

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Und wie teile ich die Bilder mit meiner Familie?

Dazu braucht es keine digitale Weise. Ein schöner Abzug, eine nette Karte, Briefumschlag und Porto drauf und das Bild bekommt einen ganz anderen Wert. Das Bild Eures Kindes wird wieder zu dem, was es doch eigentlich ist: etwas besonderes. Und da darf es auch sein Gesicht zeigen. Muss es aber nicht. Denn das Wesen eines Kindes zeigt sich nicht alleine in einem gestellten Lächeln.

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