Ingmar Bergman Gotland | Ingmar Bergman: „Die Stunde des Wolfs“

Drehorte auf Gotland, Ingmar Bergman, Die Stunde des Wolfs, Faroe

So leicht es auf Fårö fällt, in die Welt der Fantasie, der Mystik und des Götterglaubens zu entfliehen,  so auffallend ist es, dass Ingmar Bergman an diesem Ort einen Spielfilm dreht, den man in diesem Stil nicht unbedingt von ihm erwartet hätte. Und doch geht es wie in den weiteren Filmdramen um die menschliche Angst und deren Umgang mit dessen bedrohlichen Situationen. Wie gewohnt dreht Bergmann auch diesen Film in schwarz-weiß und wieder ist es die Reduktion von Landschaft und Aufnahmetechnik, die den Film bis heute spannend macht.

Ingmar Bergman auf Gotland: „Die Stunde des Wolfs“

Im Film „Die Stunde des Wolfs“ von Ingmar Bergman berichtet Alma vor der Kamera über das mysteriöse Verschwinden Ihres Mannes, den Kunstmaler Johan Borg. Bilder über die Zeit vor seinem Verschwinden vermitteln die Geschichte.

Bisher lebte das Ehepaar zusammen in einer kleinen abgeschiedenen Hütte auf der ostfriesischen Insel Baltrum. Dem Rückzug an diesen Ort war eine Beziehungskrise vorraus gegangen. Johan glaubt verfolgt zu werden, doch war es Einbildung oder real? Er empfindet die Verfolger als Gespenster, Dämonen und bezeichnet sie beispielsweise als Vogelmensch oder Frau mit dem Hut.

Wie aus dem Nichts steht eines Tages eine alte Inselbewohnerin vor der Tür und zeigt Alma das Tagebuch, welches ihr Mann unter dem gemeinsamen Bett liegen hat. Alma beginnt umgehend, darin zu studieren und erfährt, das ihr Mann sich nicht nur durch Menschen verfolgt fühlt, sondern auch durch Erinnerungen an seine frühere Affäre Veronica Vogler.

Als Alma und Johan der Einladung auf ein Schloss folgen, wird Johan dort mit indsikreten Fragen konfrontiert. Doch Alma versichert ihrem Mann ihre Treue, auch wenn beide Angst haben, daß Dämonen sie auseinander brinngen könnten.

In der folgenden Nacht bleiben beide aus Furcht vor der Wolfsstunde, der Zeit, in der die meisten Kinder geboren werden, aber auch die meisten Menschen sterben, wach. Johan erinnert sich an eine Begebenheit aus seiner Kindheit, in der man ihn in einen Schrank sperrte. Dann berichtet er seiner Frau, dass er glaubt, einen Jungen getötet zu haben, den er für einen Dämon hielt.

Da kommt einer der Gäste aus den Schloss zu den beiden und übergibt eine Einladung zu einer weiteren Feier, zu der auch Veronica Vogler zugesagt hat. Als er sich verabschiedet, überreicht er Johan eine Waffe, um sich vor dem Kleinwild der Insel zu schützen.

Kaum sind Alma und Johan alleine, entwickelt sich ein Streit, da Alma nur schwer mit Johans Bindung an Veronica umzugehen weiß. Auch Almas Angst um seine Wahnvorstellungen bringt sie zum Ausdruck. Dennoch will sie an seiner Seite bleiben. Doch Johan nimmt die Waffe und schießt auf seine Frau, anschließend flieht er ins Schloss und trifft dort auf Veronica. Nun kann er gar nicht mehr unterscheiden zwischen Wahn und Realität.

Er sieht in den Gästen seltsame Gestalten, die sich teils ihre Gesichtshaut vom Kopf reißen. Johan flieht vor den Geistern, die ihn bis in den Wald verfolgen. Wie durch ein Wunder hat indess Alma den Mordanschlag überlebt und sucht ihren Mann. Nun sieht sie selbst die Dämonen, die ihren Mann umgeben. Plötzlich verschwinden sie, mit ihnen aber auch Johan.

In der Schlussphase des Films wird die Anfangseinstellung fortgesetzt. Alma, die diese Geschichte ja erzählt, schaut in die Kamera und fragt sich, ob ihre Liebe zu Johan zu klein oder zu groß war und ob sie seinen Ängsten und Wahnvorstellungen überhaupt gerecht wurde. Hätte sie ihn doch besser beschützen können?

Hintergründe zum Film „Die Stunde des Wolfs“ von Ingmar Bergman

Eigentlich sollte dieser Film bereits 1965 gedreht werden, doch Ingmar Bergman lag mit einer Lungenentzündung im Krankenhaus. Er nutzte die Zeit, um „Persona“ zu schreiben, die dann auch zügig gedreht wurde.

So entstand dieser Film von Ingmar Bergman zwischen Mai und Oktober 1966 auf Fårö, einige Aufnahmen allerdings auch in der ebenso reizvollen Landschaft der südschwedischen Provinz Schonen, genauer in Hovs Hallar. Für die Studioaufnahmen wurde die damals sehr berühmte Filmstaden in Solna bei Stockholm gewählt. In Hovs Hallar hatte Ingmar Bergman bereits neun Jahre zuvor seinen Epos „Das siebente Siegel“die Außenaufnahmen erstellt.

Für Liv Ullmann, die mittlerweile mit Ingmar Bergman zusammen lebte, war es der zweite Film unter seiner Regie. Auch die im Film sichtbare Schwangerschaft von Lif Ulmann ist real, während der Dreharbeiten kam die gemeinsame Tochter zur Welt.

Kinostart in Schweden war der 19.Februar 1968, in Deutschland bereits der erste März 1968.

Die SchauspielerInnen

  • Max von Sydow: Johan Borg
  • Liv Ullmann: Alma Borg
  • Allan Edwall: Oscar Ekdahl
  • Erland Josephson: Baron von Merkens
  • Gertrud Fridh: Corinne von Merkens
  • Georg Rydeberg: Archivar Lindhorst
  • Naima Wifstrand: Alte Dame mit Hut
  • Ulf Johansson: Therapeut Heerbrand
  • Gudrun Brost: Alte Frau von Merkens
  • Bertil Anderberg: Ernst von Merkens
  • Ingrid Thulin: Veronica Vogler

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