Ilford Delta 3200 – Es gibt noch echte Körner- die in der Sonne spielen…

Freilichtmuseum Molfsee mit Ilford Delta 3200 | © mare.photo
Freilichtmuseum Molfsee mit Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Der Ilford Delta 3200 gehört zu den analogen höchstempfindlichen Schwarz-Weiß-Filmen und ist das ideale Medium für Aufnahmen in der Dunkelheit. Also machen wir das Objektiv mit Filtern so dunkel, dass wir ihn auch bei Tag einsetzen können.

In Zeiten des Wettlaufes um möglichst hohe Auflösung und Schärfe ist es natürlich Wahnsinn, mit einem grobkörnigen Film zu hantieren, aber wir machen des öfteren Dinge, bei denen die anderen den Kopf schütteln. Und so nutzen wir die Körnigkeit als Gestaltungsmittel, um das Freilichtmuseum Molfsee bei Kiel  im emotionalen Kontext zu seiner Epoche zu portraitieren.

Waren doch auch die früheren Schwarz-Weiß-Filme recht körnig und die abgedruckten Bilder in den Tageszeitungen sogar gerastert. Was wollen wir also mehr als den Nostalgiecharme dieser Ausstellung zu verbreiten.

Freilichtmuseum Molfsee, Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Freilichtmuseum Molfsee, Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Vor allem bei Sonnenlicht bedeutet dieses Experiment eine echte Herausforderung. Trotz Abblenden auf bis auf Blende 16 und trotz Einsatz eines Orangefiltes können Belichtungszeiten von 1/8000 Sekunden erforderlich werden. Diesem kann man nur mit dichten Graufiltern begegnen, um die Belichtungszeiten auf 1/1000 Sekunde zu verlängern oder aber den Film nach seiner tatsächlichen Empfindlichkeit von etwa ISO 1250 oder ISO 1600 zu belichten.

Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Ilford Delta 3200, Ausschnitt | © mare.photo

Wir sind mit den hier gezeigten Bildern bei der Nennempfindlichkeit von ISO 3200 geblieben, die genauso ohne Pull-Entwicklung bei Open Eyes in Hamburg verarbeitet wird. Möchte man den Film standartmäßig bei Mein Filmlab entwickeln lassen, sollte er mit ISO 1250 – 1600 belichtet werden. Grundsätzlich lohnt es sich, ein Fachlabor zu nutzen (wir haben sie unten aufgeführt) und Angaben zu machen, bei welcher Empfindlichkeit dieser Film verwendet wurde. Allerdings sind dort auch, wie in allen Laboren, Pull- oder Push-Entwicklungen möglich, denn Ilford gibt an, dass dieser Film mit Qualitätseinbußen bis zu ISO 25.000 belichtet werden kann. Dann wachsen Korn und Kontrast ins unermessliche. Doch wäre auch das mit einem entsprechenden Feinstkornentwickler wieder beherrschbar. Nutzt man diesen Film allerdings mit einer geringeren Empfindlichkeit, dann reduzieren sich Korn und Kontrast.

In unserem Beispiel ist das Korn angenehm präsent, wir stehen einfach nicht auf knackscharfe Bilder, die wie eine Grafik aussehen und mitunter in den Augen weh tun. Wir lieben in diesem Fall die Weichheit de Motive, die mit der Körnigkeit einhergehen und den hohen Kontrast, der gerade in Innenräumen ohne künstliche Beleuchtung entsteht, wenn draußen die Sonne scheint. Dann ist der Schatten auch mal undurchdringlich schwarz, die Lichter werden gut durchgezeichnet und die Kanten zeichnen hervorragend klar.

Freilichtmuseum Molfsee mit Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Freilichtmuseum Molfsee mit Ilford Delta 3200 | © mare.photo

Doch auch in reinen Außenaufnahmen transportiert der Ilford Delta 3200 einen nostalgischen Reportagestil. Generell nutzen wir ja einen Orangefilter, so bleibt ein toller Kontrast erhalten. Im Außenbereich nutzen für für die Belichtung ganz einfach einen Durchschnittswert, die dunklen Bereiche weisen trotz der Körnung eine erstaunliche Zeichnung auf, man erkennt also durchaus alle Details. Im Gegenzug franzen die weißen Motivelemente nicht aus. Der Ilford Delta zeigt hier einen erstaunlichen Dynamikumfang, bzw. ein für diese Empfindlichkeit tolles Kontrastverhalten.

Insgesamt sind wir sehr angenehm überrascht über die Leistung eines solch hochempfindlichen Filmes und wir werden wieder los ziehen, aber vielleicht bei Nacht.

 

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