Idas Hütte / Idas Stuga – die berührende Geschichte einer Magd

Wir sind auf Åland, irgendwo zwischen dem schwedischen Stockholm und dem finnischen Turku. Auf einer der Hauptinseln entdecken wir in einem kleinen abgelegenen Dorf an einer unbefestigten Straße ein kleines rotes Haus- Idas Stuga. Hier lebte im  vorigen Jahrhundert die Magd Ida Emilia Jannsen.

Wir betreten Idas Stuga und sind mitten im Leben dieser bescheidenen und fleißigen Frau und damit mitten im Leben einer Magd im frühen 20. Jahrhundert auf Åland.

 

Idas Stuga, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Portra 160

Idas Stuga: bescheiden, glücklich, zuhause.

Schon beim Betreten des Grundstückes und bei Eintreten in Idas Stuga (übersetzt: Idas Hütte) auf Åland werden wir ein bisschen neidisch. So etwas als kleines Ferienhaus würde uns gut gefallen. Aber man darf sich nicht täuschen. Hier war die Armut und das karge Leben zuhause. Das wird uns bewusst, als wir uns der Geschichte der Magd Ida aus dieser Umgebung nähern.

Ida Emilia Janssen kam am 24. April 1885 in Bertbyvik / Saltvik auf Åland zur Welt. Ihre Mutter Olga Emilie Janssen war 22 Jahre alt, ihr Vater Jan Henik Janssen allerdings schon 60 Jahre alt. Ihre Mutter hat ihre Kindheit auf der nordöstlich gelegenen Insel Brändo in Åva erlebt, ihr Vater ist auf der ebenfalls östlich gelegenen Insel Kumlinge in Klements.

Idas Eltern trafen sich in Vårdö, hier arbeitete ihre Mutter im Pfarrhaus.  Kurz nach der Geburt von Idas Schwester starb der Vater.

Daraufhin heiratete die Mutter  den Siedler Karl Gustav Blaw aus Boxöl /Saltvik. Sie bekamen daraufhin die gemeinsame Tochter Lydia. Die Familie zog nun nach Sibby in Sund, einem Ort, der im Volksmund „Blommens“ genannt wird.

Idas Stiefvater wanderte schon bald nach Amerika aus und kehrte nicht mehr zurück. Die Mutter musste nun alleine mit ihren Töchtern durch das Leben gehen, sie lebten weiterhin Sibby. Ida besuchte die Schriftschule in Sund und interessierte sich besonders für die biblische Geschichte. Sie zog sich in dieser Zeit sehr zurück und vermied selbst den Kontakt mit ihren Mitschülern.

Die Zeit verging und Ida verdiente sich ihr Geld als Dienstmädchen in Grannas / Tengsöden und in Saltvik/ Syllöda. Im Jahre 1910 nahm sie eine Stelle als Köchin in einem wohlhabenden Gutshof an, bevor sie im Jahr 1922 nach Hjartö zog.

Ida hatte nun vier Töchter. Im Jahr 1909 kam Valbord Luise zur Welt, dann folgten Elvi Kristina 1911, Judit Teodolina 1914 und Hagar Gunhild 1922.

Eine Zeit war sie mit Erik August Reuters aus Grelsby in Finnström verlobt. Keine von Idas Töchtern konnte bei ihr bleiben. Ihre zweitjüngste Tochter lebte bei ihrem Vater. Die jüngste und die beiden ältesten Kinder kamen mit Eintritt in die Schulpflicht in ein Kinderheim nach Saltvik (Krohlund).

Einzug in ihr eigenes kleines Haus, in Idas Stuga

Idas Stuga, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Portra 160 | © mare.photo

Ein neuer Lebensabschnitt und Einzug in Idas Stuga

Im Jahr 1924 begann ein neues Leben für Ida. Sie hatte nun genug Geld zusammen, um sich ein kleines bescheidenes Haus zu kaufen, die heutige „Idas Stuga“. Das fehlende Geld bezahlte ihr Stiefvater, weiteres Geld kam von den Vätern ihrer Kinder.

Im gleichen Jahr kam ihr jüngster Sohn, Gustav Adolf, zur Welt. Doch von Geburt an war er behindert. Ihren Lebensunterhalt verdiente Ida als Hausmädchen auf dem  Gutshof Borgbodagården. Doch ihr Sohn war aufgrund seiner Behinderung völlig unselbständig.  Ida suchte Unterstützung, aber sie fand niemanden, der ihr half. So gab sie ihre Festanstellung im Jahr 1927 auf und verdiente sich fortan ihr Geld mit Gelegenheitsarbeiten. 

Oft war Gustav Adolf dadurch alleine zu Hause. Dann krabbelte er außerhalb von Idas Stuga herum, spielte in einer Sandkuhle oder in einem alten Schuppen.

Damit Idas Sohn ein wenig Gesellschaft hatte, ließ der Bauer Bengt Lindholm vom Borgbodagården seine Pferde auf dem gegenüberliegenden Grundstück weiden.

Idas Stuga

Als Ida ihre Hütte bezog, lag der Eingang noch auf der Straßenseite. Dieser führte direkt in die Küche. Fließendes Wasser gab es genauso wenig wie Strom. Erst in den 1940er Jahren folgte der Stromanschluß, als das Dorf an das Stromnetz angekoppelt wurde.

Ida wusste sich immer zu beschäftigen. Sie spann Stoffe und Garne, arbeitete mitunter als Tagelöhnerin und hatte zeitweise auch einen kleinen Verkaufsstand. Einige Zeit arbeitete sie als Haushaltshilfe beim Pastor udn bekam als Lohn Essen, Kleidung und ein wenig Geld. Ein anderes Mal verdiente sie sich als Bäckergehilfin in der Anna Grete Grüssners Baggeri an der Knetmaschine.

Die Zeit ging ins Land, in der knappen freien Zeit wurden Blumen auf dem kleinen Grundstück gepflanzt und die Vorräte im Erdkeller sortiert.

Ida sang gerne und viel zuhause, aber auch während ihrer Arbeit. Vor allem sang sie Psalmen und Volksweisen. Ihre Stimme wurde sogar vom schwedischen Radio im Jahr 1958 als Einspieler genutzt. Ida beklagte sich nie.

Umbau und Abschied von Idas Stuga

Im Jahr 1955 wurde Idas Stuga aufwendig umgebaut. Idas Stuga sollte geeignet sein, sich darin mit einem Rollstuhl zu bewegen. Denn immer noch wohnte ihr behinderter Sohn mit in der kleinen Stube. Ein eigener Schlafraum entstand.

Im Jahr 1965 kam es bei Ida zu einer Hirnblutung. Sie war nun nicht mehr in der Lage, ihren Sohn und sich zu versorgen. Beide zogen in ein Pflegeheim nach Jomala und bewohnten dort ein eigenes Zimmer. Am 27. August 1966 starb Ida an einer zweiten Hirnblutung. Ihr Sohn starb am 18. Juli 1992.

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