Højer Danmark, Hoyer Dänemark

Hoyer (Højer) – das schöne Kirchdorf hinter dem Deich

Hoyer (dänisch: Højer) istein gar nicht so kleines, fast historisches Dorf an dr südlichsten dänischen Nordseeküste gelegen. Nirgend in Dänemark gibt es so eine Dichte an hisorischer Küstenarchitektur, wie man sie an der nordfriesischen / südjütländischen Küste häufig vorfand.  Aber um Hoyer (Højer) zu erreichen, geht es erst einmal über den Deich. Um aber dann zur Nordsee zu gelangen, müssen zwei weitere Deiche überwunden werden. Die Bewohner von Hoyer (Højer) nennen ihr Dorf einfach „Dorf hinter dem Deich“.

Wo liegt denn eigentlich Hoyer (Højer)?

Hoyer (Højer) liegt nur etwa acht Kilometer vom Grenzübergang Rudbøl – Rosenkranz entfernt. Nach Tondern (Tønder) sind es gerade einmal 12 Kilometer und nach Rømø benötigen wir 38 Kilometer. Hoyer (Højer) liegt im südwestlichsten Zipfel Dänemarks. Als Kirchspielgemeinde grenzt sie direkt an die dänisch-deutsche Grenze und an das Wattenmeer der Nordsee

Was macht Hoyer (Højer) so besonders?

Hoyer ist eine Mischung aus altem friesischen Dorf und einer kleinen Bäderstadt. Und so finden sich genau diese Architekturen in den Häusern wieder. Viele Gebäude aus dem 18. Jahrhundert sind erhalten geblieben und gerade in den letzten Jahren liebevoll saniert worden. Hoyer (Højer) hat die Infrastruktur einer Kleinstadt und den Charme eines beschaulichen Dorfes. Da ist die Holländermühle, die zugleich die größte ihrer Art in ganz Europa ist. Da ist auch mitten im Ort der begehbare Wasserturm, der einen herrlichen Blick in alle Himmelsrichtungen von Hoyer (Højer) bietet. Oder die schliche romanische alte Kirche aus ihren besonderen Baustoffen.

Geprägt hat Høyer (Højer) in erster Linie die Wiedau (Vidå), ein Fluss, der über mehrere Schleusen das Wattenmeer erreich. Überall kann man Spuren der Landgewinnung udn des alten Hafentreibens sehen. Von hier aus wurden mit Booten Waren bis nach Tondern gebracht.

Auf dem Wasserturm

Gleich neben dem Supermarkt erbet sich der 20 Meter hohe Wasserturm mitten in Hoyer (Højer). Im Jahr 2013 kaufte die Kommune den Wasserturm vom Wasserwerk Tondern, da er nicht mehr benötigt wurde. Der Wassertank wurde entfernt und der Turm aufwendig saniert. Statt des Wassertanks wurde eine 34 Meter lange Wendeltreppe installiert und außen ein umlaufender Balkon angebaut. Nun kann man in luftiger Höhe um den Turm laufen und dabei ein wunderschönes Panorama in alle Himmelsrichtungen genießen.

Die größte Holländermühle steht in Hoyer (Højer)

Die Holländermühle in Hoyer (Højer) ist die größte Windmühle aus Holz in Nordeuropa. Stolze 22 Meter ist sie hoch und verfügt über sieben Etagen. Im Jahr 1857 wurde sie errichtet, Heute beherbergt sie ein spannendes Marsch- und Mühlenmuseum. Zwischen dem 01. April und dem 30 August hat es geöffnet.

Sie ist aus Højer nicht mehr wegzudenken, in 170 Jahren haben sie die Menschen in diesem malerischen Ort zu sehr ins Herz geschlossen. Und jeder, der hierher kommt, blickt verträumt auf dieses romantische Kleinod.

Zur Mühle selbst gehören auch noch das Mühlenhaus und das ebenfalls sehr gut erhaltene Mühlengebäude. In vielen Zeitschriften hat dieses Gebäudeensemble schon die Titelseiten geziert. Das Innere der Mühle mit der kompletten Ausstattung ist erhalten geblieben und kann besichtigt werden.  Einen beeindruckenden Blick auf das nahe Wattenmeer bietet der Besuch der umlaufenden Galerie.

Der kleine Mühlengarten und das gemütliche Mühlencafé laden zum Verweilen ein. Zur Zeit entsteht ein ganz neues Ausstellungskonzept, die Öffnung wird aber davon unberührt sein. In den Vordergrund tritt die Begegnung von Land und Wasser, dem ständigen Kampf der Menschen und Tiere an der Küste und deren wechselnde Lebensbedingungen.

Öffnungszeiten: April – Juni: Dienstag bis Sonntag 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr | Juli – August: alle Tage 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr.

Die alte Kirche zu Hoyer (Højer Gamle Kirke)

Die romanische St. Petri Kirche lässt dem Namen nach ihre Widmung auf die örtlichen Fischer schließen. Die ältesten Teile der St. Petri Kirche in Hoyer (Højer) stammen wohl aus dem Jahr 1100. Ihre erste offizielle Erwähnung ist aus dem 14. Jahrhundert bekannt. Sie gilt als die älteste Kirche in der gesamten Umgebung. Nun mag man sich aus heutiger Sicht wundern, dass es in nur wenigen Kilometern Entfernung weitere Kirchen gibt. Aber zu jener Zeit des Kirchenbaues gab es eben kaum Wege in die Nachbarorte, wie man es heute kennt. So baute jede Siedlung ihre eigenen Gotteshäuser.

Den ältesten Tel der Kirche erkennt man an ihrem markanten Granitsockel, der bei den späteren Anbauten fehlt. Zunächst bestand die Kirche aus einem Langhaus ohne Seitenschiffe, Turm und Sakristei.

In den Zeiten der schweren Sturmfluten wurde auch die Kirche getroffen, denn vor dem Jahr 1554 gab es keinerlei Deiche entlang der Nordsee. Aber die Kirche in Hoyer (Højer) hielt den Naturgewalten stand. Nicht so einige andere Kirchen entlang der Nordseeküste, die damals noch viel weiter landeinwärts lag. Und so wurde die St. Petri Kirche in Hoyer (Højer) gegen Ende des 14. Jahrhunderts deutlich vergrößert, um die Gläubigen der in den durch die Sturmfluten untergegangenen Gotteshäuser aufzunehmen. In diesem Verlauf kam der 17 Meter hohe Kirchturm hinzu.

Aber die Zeit forderte das Bauwerk auch hier und und so musste es 1781 von Grund auf instand gesetzt werden, um nicht einzustürzen. Und so bezieht sich die Zahl am Turm eben auf diese Grundrenovierung. Die nächsten Renovierungen folgten in den Jahren 1923 und 1954-56. Ihr Bleidach bekam die Kirche in Høyer (Højer) im Jahr 1976, dies musste aber 1996 erneuert werden.

Eine auffallende Besonderheit sind die unterschiedlichen Baustoffe. Hier wurden auf unerwartet harmonische Weise Ziegelstein, Granitquader und vulkanisches Eurptuvgestein, sogenannter Tuff, verwendet.

Das kleine Fischermuseum an der Vidå

Das kleine Freilichtmuseum „Bådfolk ved Vidåen“ Hoyer (Højer) liegt nur wenige Meter östlich der alten Schleuse an der Vidå, im deutschen auch „Wiedau“ genannt. Es zeigt das Leben der Fischer auf dem drittgrößten Fluss Dänemarks und dem Ruttebüller See zwischen 1870 und 1920.

In dieser Zeit gab es etwa 100 Fischer auf der Wiedau (Vidå) und dem Ruttelbüller See (Rudbøl Sjø). Heute gibt es vielleicht noch 15 Binnenfischer. Das älteste Fischerhaus dieser kleinen Ausstellung stammt aus dem Jahr 1870. Mit diesem Haus im Mittelpunkt entstand ab 1990 eine Nachbildung einer historischen Umgebung. Als Besucher bekommt man in solcher Umgebung vielleicht ein wenig Gefühl für das Leben der Fischer vor 100 Jahren über das abwechslungsreiche und auskommende Leben an diesem Fluss.

Die Fischer und die Bewohner dieser Umgebung hatten vielfältige Aufgaben. Dazu gehörten der Deichbau, der Warentransport bis nach Tondern (Tønder) und eben die Fischerei. Inder Ausstellung wird auch eine Räucherei gezeigt, wie sie zu der Zeit in dieser Umgebung üblich war.

Zu den täglichen Aufgaben gehörte auch die Pflege und Instanthaltung der Ruderboote, wie sie ebenfalls ausgestellt sind.

Es lohnt ein Abstecher zu Fuß vom Parkplatz westlich der Schleuse, welcher nur etwa 10 Minuten von dem kleinen Freilichtmuseum entfernt ist. Ein paar Sitzbänke und Tische laden zum Verweilen ein, vielleicht auch für ein Picknick in dieser einzigartigen und berührenden Umgebung.

Die alte Hoyer Schleuse (Højer Sluse)

Im Jahr 1859 begann die Eindeichung des Ny Frederikskog. Bereits ein Jahr später folgte der Grundstein für den Bau der Schleuse. Private Investoren hatten den Bau ermöglicht. Der alte Deich  am „Gammel Frederikskog“ war so marode, dass er keiner Sturmflut mehr standgehalten hätte. Aus diesem Grund drängte die Zeit derat, dass selbst an den Wochenenden durchgearbeitet wurde. Etliche Sommerstürme behinderten die Arbeiten, doch konnten Deich und Schleuse im Jahr 1861 fertig gestellt werden.

Die neue Hoyer Schleuse (Højer Sluse)

Zusammen mit dem südlichen Nachbarn Deutschland überlegte man ein gemeinsames Küstenschutzprojekt. Denn Deichbar an der Nordseeküste macht nur länderübergreifend wirklich Sinn. Und so entstand der neue deutsch-dänische Deich.  An der Ländergrenze befindet sich dazu ein großer Gedenkstein auf der Innenseite des Deiches.

Die neue Schleuse in Hoyer (Højer) wurde 1981 fertig gestellt. Sie verfügt über drei Kammern, mit jeweils zwei Schleusentoren aus Holz. Die neue Schleuse fungiert als Wehr zum Wasserausgleich zwischen dem Land und dem Wattenmeer.

Im Umfeld der Schleuse gibt es ein kleines Informationszentrum zur Natur im Wattenmeer und und kleines Bistro für die kleinen kulinarischen Erlebnisse. Davor befindet sich ein großzügiger Parkplatz für Busse und PKW. Campen ist ausdrücklich auf den Campingplätzen der Umgebung möglich.

Der Margathenkoog

Durch den Bau des deutsch-dänischen Deiches entstand das dem Meer abgerungene flache Marschland. Dies wurde ebenso grenzüberschreitend dem Naturschutz gewidmet und gliedert sich auf deutscher Seite in den Rickelsbüller Koog und auf dänischer Seite in den nach der dänischen Königin benannten Margarethenkog. Diese Köge sind Brut- und Rastplatz für zahlreiche Seevögel. Über den alten Deich führt eine schmale Straße zum westlichsten Grenzübergang nach Siltoft-Norddeich. Entlang der Grenze kommt man dann auf einer Straße, auf der die Grenze zick zack läuft, an den Grenzstein des deutsch-dänischen Deiches.

Einblick in die Geschichte von Hoyer (Højer)

Die Geschichte von Højer lässt sich bins ins Jahr 1231 zurück verfolgen. Zunächst schrieb man das anfänglich kleine Bauerndorf „Høthær“. Die Nordseeküste sah zu jener Zeit ja noch ganz anders aus und Sturmfluten brachten immer wieder auch schlimme Katastrophen ins Land. So musste man die benachbarte Kleinstadt Tønder (Tondern) besser schützen und baute um das Jahr 1556 um sie herum einen Deich. Hatte Tønder bislang einen eigenen Hafen,  war dieser nun durch den Deich von der See abgeschnitten. Ein neuer Hafen musste her. 

Das war die Chance für Højer. Das kleine Bauerndorf bekam auf einmal einen Seehafen und wurde Marktflecken. Maritimer Handel siedelte sich an. Doch der Krieg zwischen Preußen und der Großmacht Dänemark veränderte mit der entscheidenden Schlacht 1864 in Dybol alles. Højer ging an Schleswig bzw. an Preußen. Und Dänemark stand auf einmal ohne einen Hafen an der Nordseeküste da. Sie bauten einen neuen Hafen im nördlich gelegenen Esbjerg.

Schon früh entwickelte sich der Bäderbetrieb auf der Nachbarinsel Sylt, sodass man bereits ab 1892 die Bäderbahn von Altona bis an die Højer Schleuse in Betrieb nehmen konnte. Zuvor brachten Pferdekutschen die Menschen hierher.  Mit dem Raddampfer, bei dem der Kapitän noch ohne geschlossene Brücke das Schiff steuerte, ging es ausschließlich bei Tageslicht hinüber zur Insel. Ebbe und Flut machten Nachtfahrten trotz Leuchttürmen zu riskant.

Nun folgte die Abstimmung über den neuen Grenzverlauf ab 1920 und die Menschen, die hier lebten, entschieden sich, zurück ins dänische Königreich zu wollen. Die neue Grenze verläuft so ab 1920 nun acht Kilometer südlich des Hafens.

Doch eine Verbindung nach Sylt gab es von Deutschland aus nicht, einen Damm als feste Querung hatte man zwar schon 1910 ins Auge gefasst, doch erst bis 1927 als Hindenburgdamm verwirklicht.

So wurden also die deutschen Züge der Bäderbahn für die etwa acht Kilometer lange fahrt durch den Zoll in Dänemark verblombt.

Nun entstand im Jahr 1980 ein neuer, vorgelagerter Deich mit einer neuen Schleuse. Dadurch wurde der Seehafen aufgegeben. Geblieben ist ein großes Lagerhaus hinter der alten Schleuse mit einem beschaulichen Sportboothafen.

In der Umgebung

Nur vier Kilometer nördlich befindet sich die Stelküste Emmerlev Klev. Sie lädt zu einem entspannten und ausgedehnten Küstenspaziergang ein. 

Sehenswert ist auch die versteckt liegende Schlossruine bei Visby, Torsborg Slottruin.

Eine echte Kuriosität ist der Grenzübergang Rudbøl. Hier verläuft die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland mitten auf der Fahrbahn. In der Straße eingelassen befinden sich die Grenzmarkierungen.