Finnmark

Honningsvåg am Nordkap – die nördlichste Stadt Europas

Honningsvåg, Hurtigruten, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.
Honningsvåg, Hurtigruten, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Kolonnen von Fahrzeugen pilgern Jahr für Jahr ans Nordkap. Das gleiche gilt für Kreuzfahrer oder Radtouristen. Sind sie am Nordkap angekommen, sind sie auch schon wieder auf dem Rückweg. Vielleicht bunkern sie noch ein wenig Proviant für den Rückweg in der Inselhauptstadt. Dabei lohnt es durchaus, sich dem Lebensstil der Menschen auch in den anderen Orten der Nordkap-Insel zu nähern. Will man es denn entdecken.

Honningsvåg am Nordkap – die nördlichste Stadt Europas

Event ist des Erlebens Tod, das kommt mir beim Gedanken an das Nordkap in den Sinn. Ich weiß nicht, vom wem das Zitat stammt, aber leider liegt viel Wahrheit in dieser Feststellung. Die Menschen pilgern die lange und teure Anfahrt zum Nordkap, dabei entdeckt man doch das Leben in dieser bezaubernden Region erst, wenn man sich individuell den Menschen und ihrer Umgebung nähert, wo sie wirklich leben. Beispielsweise in der Inselhauptstadt von Magerøya und zugleich nördlichste Stadt von Europa, Honningsvåg.

An Honningsvåg führt kein Weg vorbei

An Honningsvåg führt in der Tag kein Weg vorbei, möchte man das Nodkap besuchen. Die nördlichste Straße des internationalen Wegenetzes tangiert Honningsvåg, hier legen auch die Kreuzfahrtschiffe an und die kaum zu zählenden Busse und Taxis  zum berühmtesten Felsen Europas ab. Zudem ist Honningsvåg Stationshafen der historischen Postschiffe, also auch der Hurtigruten. In meinen Augen hat eh kein anderes Schiff hier etwas zu suchen, denn die Veränderung des Klimas macht sich hier einmal drastischer bemerkbar.

Aber wie auch immer, wir haben uns Zeit genommen für Honningsvåg. Dieses Mal ein wenig mehr als bei unserem letzten Besuch. Denn, so meine Aussage gegenüber meiner Frau: „In den nächsten sechs Monaten werden wir nicht mehr hier her kommen…“ Mit anderen Worten, wenn es nach uns geht, sind wir schon bald wieder hier, in Honningsvåg.

Jetzt sind wir hier und machen, was wir immer gerne tun: wir stellen den VW-Bus irgendwo ab, wo ihn niemand stört und machen uns zu Fuß auf den Weg. Durch Honningsvåg durch fahren und wieder zurück kommen, das wäre abhaken aber kein Sightseeing, kein Empfinden. Nein, wir möchten die Möwen hören, die Luft riechen, den Wind im Gesicht spüren und uns auch für einen Moment in die Kirche setzten und Danke sagen, dass wir an einem so tollen Ort sein dürfen. Ist doch nicht selbstverständlich, oder?

Honningsvåg, Nordkapp, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.

Honningsvåg, Nordkap, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Die nördlichste Stadt Europas, Honningsvåg, ist auch nur ein Dorf

Ja, man sollte die Kirche im Dorf lassen, denn da gehört sie hin. Schneeweiß steht sie zentral am Fuße der waldlosen Berge, Bäume haben wir seit langem ja schon nicht mehr gesehen. Seit 1885 dient sie, zentral auf der Insel Magrøya, den Bewohnern als Raum, Gott in welcher Situation auch immer, zu begegnen. Zahlreiche Kirchen gab es zuvor auf der Nordkap-Insel, aber Wind und Wetter zerren an den Gebäuden und sind für die Menschen eine tägliche Herausforderung,

Honningsvåg, Kirke, Nordkapp, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.

Honningsvåg Kirke, Nordkap, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Wir können uns nicht im entferntesten ausmahlen, wie der Sturm außerhalb der Urlaubssaison hier toben kann. Diese Kirche jedenfalls hat bis heute standgehalten und ihre Vorgänger abgelöst. Wie es wohl sein muss, hier Heilig Abend zu verbringen?

Im Jahr 1910 wurde der Friedhof angelegt, direkt vor der Honningsvåg Kirke. Ja, und dann begann irgendwann schreckliches. Wir wissen es und es sollte uns eine dringende Warnung sein. Die Kirche ist zusammen mit dem kleinen Leichenhaus das älteste Gebäude auf der Insel Magerøya. Alles, auch wirklich alles hat die deutsche Wehrmacht im Zuge der verbrannten Erde angezündet. Gnädiger Weise wurden die Bewohner zuvor zwangsevakuiert und mussten bis ins Nordland umsiedeln. Als der Krieg vorbei war, kamen die ersten zurück. Ihnen müssen Tränen vor Wut und Verzweiflung gekommen sein, als sie ihr Zuhause in Trümmern sahen.

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, mare.photo

Honningsvåg Kirke, Nordkapp, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Einzig die weiße Kirche, die Honningsvåg Kirke, schaute noch unbeschädigt in dieser trostlosen Landschaft hervor. Und so ist sie bis heute ein Ort der Hoffnung und Beständigkeit geblieben in einer Region, in der den Menschen seit jeher alles abverlangt wird.

An anderer Stelle beschreiben wir die Kirche noch einmal. Aber klar ist, dass es keine historische Bausubstanz gibt, sondern nach dem Krieg nach zügigen und praktischen Möglichkeiten Honningsvåg wieder aufgebaut wurde. Denn die Menschen, überwiegend Fischer, mussten schnell wieder ihrer Arbeit nachkommen und ihre Familien ernähren.

Heute leben etwa 2.465 Menschen in Honningsvåg, die meisten davon ganzjährig. Im Sommer steht der Tourismus an erster Stelle, aber generell leben die meisten Menschen von der Fischerei. Denn Honningsvåg hat auf Magerøya auch den zweitgrößten Fischereihafen.  Angehende Fischer aus der ganzen Finnmark können sich im Ausbildungszentrum Honningsvåg das nötige Wissen für ihren zukünftigen Beruf aneignen.

Honningsvåg, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph

Honningsvåg, Magerøya, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Daneben kommen jährlich etwa 110 Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Magerøya an. Wie lange man diesen Trend noch verantworten kann, muss jeder für sich selbst wissen. Jeden Gast eines Kreuzfahrtschiffes raten wir aber, seine Tour auf der Insel selbst zu organisieren. Das ist zum einen deutlich günstiger, zum anderen haben die Menschen vor Ort dann etwas davon.

Auf jeden Fall aber sollte man mit einem Besuch im kleinen Nordkapp-Museum in Honningsvåg beginnen. Es liegt direkt gegenüber des Kreuzfahrer-Terminals, nur ein paar Minuten von Hurtigruten-Anleger entfernt. In fast familiärer Atmosphäre, die in kleinen norwegischen Museen übrigens einzigartig ist, bekommt man einen berührenden und informativen Einblick in die Kultur der Küstenbewohner dieses Landstriches und geht auf geschichtliche Spurensuche rund ums Nordkap. Regelmäßig gibt es wechselnde Ausstellungen, die den Museumsbesuch unbedingt bereichern.

In der Hauptsaison kann man sich kleinen Führungen in norwegischer, englischer und deutscher Sprache anschließen. Liebevoll zusammen getragen hat der Nordkap Geschichts- und Museumsverein die Ausstellungsstücke, geführt wird das kleine Nordkap-Museum heute von der Stadt Honningsvåg. Geöffnet hat es zwischen Mitte Juni und Mitte September.

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Ach ja, da war ja noch das Ding mit der nördlichsten Stadt Europas. Denn eigentlich bezeichnet sich Hammerfest ja als solche, nur liegt Hammerfest doch einige Kilometer südlich. Irgendwie hat man sich an seine Stadtrechte im Jahr 1998 erinnert und sie auch 1998 wieder bekommen. Denn eigentlich sind in Norwegen mehr als 5.000 Einwohner erforderlich, um Stadtrechte zu erlangen.Aber großzügiger Weise darf sich Hammerfest auch weiter als nördlichste Stadt Europas bezeichnen. Beide Städte sind in unseren Augen sehenswert.

Auf jeden Fall schlendern wir einige Stunden entspannt durch die einsamen und abgelegenen Straßen von Honningsvåg, auf der einen Seite die Berge, auf der anderen Seite die Küste. Die Grundstücke der Privathäuser reichen hier in der Regel bis direkt ans Meer.

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, mare.photo

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

So schlicht die Häuser von Honningsvåg sind, so bunt sind sie und so gepflegt sind die schlichten Gärten. Hier lässt sich nicht viel anbauen, außer Gras und einige Bodendecker kann in dieser subarktischen Umgebung nichts wachsen. Und so leben die Menschen in Honningsvåg pragmatisch, bescheiden und trotz der rauen Umgebung recht zufrieden.

Haben wir Respekt vor ihnen und interessieren wir uns für ihren Lebensstil und ihre wahre Umgebung. Das kann sogar spannender sein als das Massen-Event Nordkap.

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, mare.photo

Honningsvåg, Magerøya, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

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