Historischer Handelsplatz Jennestad, Vesterålen | (Jennestad Gamle Handelssted)

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.

Etwa acht Kilometer nördlich des Zentralortes Sortland auf den Vesterålen begegnet uns der alte Handelsplatz Jennestad. Nicht nur die malerische Umgebung aus türkis-blauem Fjord und schneebedeckten Bergen berührt uns….

Historischer Handelsplatz Jennestad, Vesterålen | (Jennestad Gamle Handelssted)

Eigentlich sind wir auf den Weg zum verlassenen Fischerort Nyksund, doch etwa acht Kilometer der Inselhauptstadt der Vesterålen, Sortland, fasziniert uns eine kleine Gebäudeansammlung unterhalb der Reichsstraße RV 820, die sich als Historischer Handelsplatz Jennestad (Jennestad Gamle Handelssted) entpuppt. Neugierig, was es mit diesem traumhaften Ort auf sich hat, steigen wir aus und gehen auf Erkundungstour.

Eigentlich ist in Jennestad vor Jahren schon die letzte Nudel, der letzte Schuh, das letzte Werkzeug verkauft. Im Jahr 1982 klingelte die Kasse zum letzten Mal, dann war endgültig Schluss. Doch, wenn wir heute den Landhandel Jennestad betreten, einem Krämerladen aus vergangenen Tagen, dann haben wir den Eindruck, der Inhaber hätte einfach nur jahrelang Urlaub gemacht. Denn alles hier scheint noch auf seinem Platz. Aus dem gesamten 20. Jahrhundert finden sich hier einige tausend Produkte wie Einmalunterhosen der sechziger Jahre, Strumpfhosen, Schuhe, Kleidung, Kaffee oder Reinigungsmittel in den gefüllten Regalen, als wären sie soeben eingeräumt worden.

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Lange lief es gut am alten Handelsplatz Jennestad, doch mit den Jahren war dieser schöne Landhandel den Mitbewerbern aus dem nahen Sortland nicht mehr gewachsen. Wie schade. In den besten Jahren wurden hier etwa 14.000 Artikel angeboten. Vom Tee bis zum Geschirr gab es hier alles.

Vieles wurde unverpackt, also lose verkauft, ganz gleich ob Obst oder Gemüse. Bis heute geblieben sind die Warenträger, der gesamte Ladenbau und die bisweilen ebenso alten Werbeplakate. Ein wenig chaotisch und bunt, wie so ein alter Landhandel eben aussehen soll. So könnte ein neuer Handel wieder aussehen, wenn es um Verpackungsfreien und damit nachhaltigen Einkauf geht. 

Ort der Kontraste, der historische Handelsplatz Jennestad

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Im Haupthaus des historischen Handelsplatzes sieht es wiederum ganz anders aus. Es entstand nach Schweizer Vorbild und beherbergt heute eine der wichtigsten Galerien der Vesterålen. Die Ausstellungsräume sind ehemalige Wohnräume, deren Mobiliar zwar verloren ging, aber für die regionale Gegenwartskunst auf diese Art ihren Platz schuf. Zur sichtbaren Kunst gesellt sich die akustische- immer wieder finden hier besondere Konzerte statt.

Wie alles begann in Jennestad

Alles begann an dem mittlerweile historischen Handelsplatz Jennestad im Jahr 1871. Jennestad war einer der zentralen Orte auf den Vesterålen und so war es selbstverständlich, dass sich hier auch Geschäfte ansiedelten. So eröffnete im Jahr 1871 dann der Landhandel in einer Form, wie man sie noch hin und wieder in entlegenen Regionen Norwegens antreffen kann.

Denn zu der Zeit florierte der Fischhandel in den kleinen Fischerorten auf den Vesterålen, ebenso wurde Grafit abgebaut. Zudem konnte seit jeher erfolgreich Landwirtschaft auf den fruchtbaren Böden betrieben werden. Folglich kam Geld in die Kassen, das ausgegeben werden sollte.

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Jennestad Gamle Handelssted, Vesterålen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asp.| © mare.photo

Im Jahr 1917 hatten die Besitzer des Landhandels genug Geld verdient, um sich das schöne Wohnhaus bauen zu lassen. Dabei wurden sie von der Schweizer Architektur inspiriert.

Doch ab 1922 nahm die Schifffahrtsroute Risøyrenna ihren Betrieb auf, ebenso wählte die Hurtigrute den Hafen im nur acht Kilometer entfernten Sortland als Anlegehafen. Das war zu viel für den aufstrebenden Ort Jennestad. Es ging stetig abwärts, die Bedeutung des Landhandel in Jennestad verlor schleichend an Bedeutung, auch, wenn noch in den 1970er Jahren hippe Mädchen auf der Suche nach schicker Mode dieses Geschäft als erste Adresse aufsuchten.

Die Zukunftsaussichten verhinderten eine Modernisierung des heute historischen Handelsplatzes Jennestad. So ist ein wunderbares Stück Zeitgeschichte erhalten geblieben, das als Konzept vielleicht an einem anderen Ort durchaus wieder eine Zukunft haben könnte. Denn ein bisschen einkaufen kann man hier immer noch: Klassische Spiele, ausgewählte Bonbons oder regionale Kunst.

Während der Landhandel Jennestad zum Museum Nord gehört, befindet sich die Galerie in privatem Eigentum.

Informationen zum Programm und weitere Bilder gibt es auf museumnord.

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