Hamburg – meine Stadt

Zu Hamburg habe ich eine ganz persönliche Beziehung. Genauer gesagt zu Altona und St. Pauli. Hier trafen sich die beiden, die nie meine Eltern werden wollten. Und es auch nicht wurden. Aufgewachsen bin ich dann bei den beiden, die gerne meine Eltern werden wollten. Und es auch wurden.

Und so wuchs ich gar nicht dort auf, wo mein eigentlicher Ursprung lag, sondern viel weiter südlich. Und doch hatte Hamburg für mich bereits etwas magisches, als ich gerade einmal in die Schule ging. Übrigens, ohne je da gewesen zu sein. Aber in meinem Inneren hörte ich dieses dumpfe Hupen der Schiffe, den Trubel in den Häfen oder am Kai. Meine Sehnsucht an diesen Ort, sie war schon so groß, als ich noch gar nicht wusste, welche Verbindung ich mit Altona und St. Pauli hatte.

Er war Steward auf der Hanseatic, sie arbeitete in einem Konsum. Ja, von ihm muss diese Sehnsucht kommen. Die Sehnsucht nach Meer. Nach Ferne. Nach Hafen. Ziemlich früh machte ich Karriere, arbeitete in ganz Europa, wohnte in ziemlich teuren Hotels. Doch da war etwas, was mich alles hinschmeißen ließ. Um endlich meiner Sehnsucht zu folgen. Meine Sehnsucht zum Meer.

Immer wieder zieht es mich seitdem in die Stadt, genauer gesagt nach Altona und nach St. Pauli. Und dann stehe ich am Kai und habe diese Bilder vor mir. Von den Frachtern. Den Kreuzfahrern. Von den Festmachern und den Fischverkäufern. Ich höre das umtriebige Gerede, das Horn des Schiffes, das metallische Geräusch der Hochbahn und das Schlagen der Wellen gegen die Pier. All diese Bilder, die sehe ich in schwarz-weiß. Bei grauem Wetter. Ja, Hamburg ist grau. Und vielleicht ist es das schönste Grau in meinem Leben.

So lasse ich es mir nicht nehmen, wie bei jedem Trip nach Hamburg ein Tagesticket des HVV zu ziehen, um auf eine dieser hektisch anlandenden und wieder ablegenden HAPAG-Fähren zu steigen und die Welt um mich herum für einen Augenblick vielleicht mit den Augen dessen zu sehen, der mich nicht wollte.

Melancholie, Hafenromantik, St.-Pauli-Geschichten. Egal wie. Ich gehe hinauf. Halte mein Gesicht in den kühlen Fahrtwind und fühle mich für einen Moment zuhause. Ich lächle. Glücklich, über Eltern, die gerne wollten. Und auch durften. Glücklich, über einen Ort, der mich willkommen heißt. Und ich ihn als mein inneres Zuhause gerne annehme.

Heute ist Hamburg wieder grau. Wie in meinen Träumen. Hamburg. Meine Stadt.

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