Die nördlichste Kirche Europas* – Gamvik Kirke auf Nordkinn (Nordkyn)

Gamvik Kirke, Nordkyn, Nordkinn, Finnmark, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Zu Norwegen gehören die Kirchen wie die Trolle zur Kultur. Die Kirche hat den Sprung vom Götterglauben der Wikinger hin zum christlichen Glauben geschafft. Norwegen gehörte einst zu den Ländern mit den meisten Missionaren. Heute besuchen wir eine Kirche, die durchaus so etwas ist wie ein Fels in der Brandung ist.

Die nördlichste Kirche Europas* – Gamvik Kirke auf Nordkinn (Nordkyn)

Die nördlichste Kirche Europas, die Gamvik Kirke, ist zugleich die nördlichste Kirche in Norwegen. Zudem gehört die Gamvik Kirke zu den jüngsten Kirchen in Norwegen und das hat einen traurigen Hintergrund. Denn während des Abzuges der deutschen Besatzung am Ende des Zweiten Weltkrieges sollte in der gesamten Finnmark und auch hier auf Nordkinn (Nordkyn) kein Stein mehr auf dem anderen bleiben. Selbst vor einer Kirche machten diese blinden Erfüllungsgehilfen des Satanisten und Tyrannen Adolf Hitler nicht Halt. Doch von Anfang an:

*auf dem Festland

Zu Besuch an der Barentssee – wir nähern uns der Gamvik Kirke

Zwar ist der kleine Fischerort Gamvik im Norden von Nordkinn (Nordkyn) schon sehr lange besiedelt, die erste Kirche entstand allerdings erst im Jahr 1894. Zuvor besuchten die Sami, die in dieser Region zuhause sind, ihre Kirche am südlichen Tanafjord, in Gullholmen. Doch mit der Einweihung der Gamvik Kirke wurde die kleine Blockhaus-Kirche mit kleinem Turm in Gullholmen außer Dienst gestellt. Die erste Kirche in Gamvik verfügte über 260 Sitzplätze.

Die kleine Sami-Kapelle in Gullholmen befand sich bis 1858 übrigens in Tana. Aber es war immer eine Herausforderung und auch Abwägung, wie man in dieser unwirtlichen und oft nur von Seeseite aus zugänglichen Halbinsel Nordkinn (Nordkyn) den Menschen einigermaßen zentrale und gut erreichbare Orte bieten konnte.

Dann kam der Zweite Weltkrieg und dessen grauenvolles Ende, besonders für die Finnmark. Denn aus Sorge, die nachrückenden russischen Truppen könnten die vorhandenen Strukturen für ein schnelleres Vorrücken nutzen, sollte alles dem Erdboden gleichgemacht, alles verbrannt werden. Da machte die deutsche Wehrmacht selbst vor heiligen Orten wie einer Kirche wie der Gamvik Kirke nicht Halt.

In Gamvik wurden die Menschen am Morgen des 05.November 1944 unter Androhung von Gewalt aufgefordert, auf die Boote der Deutschen zu kommen und sich in südlich des Lyngenfjordes gelegene Gebiete bringen zu lassen. Anschließend wurden die Holzgebäude der Reihe nach angezündet, Telefonleitungen gekappt und mögliche Brücken gesprengt. Kein Fischerboot würde nach dieser Aktion mehr brauchbar sein.

Da brannte sie am Abend des 5. November 1944, die Gamvik Kirke. Kann man Gott schlimmer lästern? Die Menschen von Gamvik würden dieses Jahr kein Weihnachten feiern, sie würden auf die Gnade in den Lagern, in denen man sie unterbringen würde, angewiesen sein. Denn die Samen waren in Norwegen eher zweitklassig angesehene Menschen.

Gleich nach dem Krieg begann der Wiederaufbau. Die vertriebenen Menschen befanden sich seit November 1944 verteilt über ganz Norwegen. Sie wollten so schnell wie möglich wieder zurück in ihre Heimat. Sie wollten wieder mit ihren Nachbarn, ihren Freunden und Arbeitskollegen zusammen sein. Sie wollten wieder zusammen ihren Gottesdienst in der Gamvik Kirke feiern. Bei ihrer Ankunft standen sie vor dem Nichts. So entstanden zunächst Behelfsbaracken, um den Arbeitern des Wiederaufbaus eine Infrastruktur zu ermöglichen.

Schnell aber suchten die Menschen wieder ihren Mittelpunkt, an dem sie sich versammeln und treffen konnten. Eine neue Kirche war teuer und zur Zeit auch logistisch nicht darstellbar. Aber immerhin entschloss man sich für eine Interimskirche. Sie wurde von freiwilligenHandwerkern in Form einer großen Baracke mit einem Turm gebaut. Am 07. Dezember 1947 wurde sie feierlich geweiht und sollte den Menschen bis 1956 als Gottesdienstraum und Versammlungsort dienen.

Dann begann der Bau der neuen Gamvik Kirke. Die neue Gamvik Kirke entstand aus Stein und Beton und konnte am 27. April 1958 durch Bischof Wilg geweiht und der Gemeinde übergeben werden. Bischof Wilk war nach dem Krieg für den Wiederaufbau der zerstörten und die Restaurierung der beschädigten Kirchen der Finnmark verantwortlich.

Aus der Interimskirche wurden die beiden gestifteten Leuchter in die neue Gamvik Kirke übernommen.

Von Beginn an konzipierte man die neue Gamvik Kirke als Arbeitskirche. Das bedeutet, dass die Gamvik Kirke verschiedene Funktionen unter einem Dach vereint. So verfügt sie zum einen über einen Gottesdienstraum mit 224 Sitzplätzen und einem variablen Gemeindesaal mit 80 Sitzplätzen. So ist die Gamvik Kirke Kirche und Gemeindehaus in einem. Gleich gegenüber der Gamvik Kirke befindet sich hinter niedrigen Mauern und einem kleinen Eisentor der Friedhof.

Heute gehört die Gamvik Kirke zu den norwegischen Kulturdenkmälern und ist im landeseigenen Antiquariat unter der Nummer 84229 gelistet.

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