Ekkerøy – Sommertage an der Barentssee

Ekkerøy, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, Varanger | © mare.photo

Ekkerøy, das ist ein kleiner Zipfel, eine Halbinsel, die im Varangerfjord hoch im Nordosten von Norwegen. Es liegt an einer der schönsten Touristenstraßen des Landes bei Vardø und bietet in dieser arktischen Region sogar einen echten Strand. Aber während des dritten Reiches war es auch Aufmarschgebiet für die deutsche Wehrmacht gegen Russland.

Ekkerøy – Sommertage an der Barentssee

Bunt bemalte Häuser in einer kleinen romantischen Bucht, ein breiter Strand und Weite, soweit das Auge reicht. Vor uns breitet sich die Barentssee aus, die sich bis weit nach Russland erstreckt.  Über einen kleinen natürlichen Damm geht es auf diese Halbinsel Ekkerøy, allein der Wind und die vielen Vögel sind hier hörbar.

Ekkerøy, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, Varanger | © mare.photo

Ekkerøy, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, Varanger | © mare.photo

Menschen wohnen hier kaum, etwa 30 von den 300 Einwohnern, die vor etwa 100 Jahren hier auf Ekkerøy lebten, sind in dieser rauen Wirklichkeit und Einsamkeit geblieben. Doch im Sommer kommen sie wieder, um die schönste und zugleich erträglichste Zeit hier zu genießen. Bei klarem Wetter bietet die gute Fernsicht einen Blick auf die entfernte russische Fischerhalbinsel. Sibirien liegt fast in greifbarer Nähe.

Denn im Sommer ist es auf der Halbinsel Ekkerøy fast tropisch warm, dank der Hochdruckgebiete über Russland. Zumindest empfinden es die Menschen aus der Umgebung so, die durchaus andere Witterungen gewohnt sind. Im Juli kann es immerhin bis zu 14 Grad warm werden. Wen schrecken da schon die Badetemperaturen von etwa vier Grad Celsius? Zumindest die Strände sind wo weitläufig wie schön und bei Windstille laden sie zu ungestörtem Sonnenbad inmitten der arktischen Region ein.

Doch es gibt noch andere Möglichkeiten, diese Landschaft der Halbinsel Ekkerøy zu genießen und die sind ebenso wenig extrem und dennoch erlebenswert.

Wandern in Ekkerøy 

Ob man es wandern oder spazieren nennt, darf jeder selbst entscheiden, empfehlen können wir jedoch diesen gut begehbaren und markierten Pfad rund um die Halbinsel Ekkerøy. Gerade einmal sechs Kilometer ist er lang. Gutes und wasserfestes Schuhwerk mit einer griffigen Sohle ist allerdings ein Muss, aber das sollte in Norwegen eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Für die Gelenke ist die Tour ein Traum, denn wir wandeln auf weichen Moosen und Gräsern. 

Ekkerøy hat einen Vogel und noch viel mehr

Auf Ekkerøy ist das Kreischen und Singen der Vögel unüberhörbar. Etwa 50 Vogelarten sind hier zuhause und sie genießen es. Am Strand sowohl wie auf dem Vogelfelsen, den man hier so nahe kommt wie sonst nirgend in Norwegen.

Man fährt dazu die Straße bis zum ende und befindet sich an der Spitze von Ekkerøy. In nur wenigen Minuten bequemen Fußmarsches bis zum Fugleflåget, einer Klippe, auf der etwa 15.000 Möwenpaare, Kormorane, die arktischen Tordalke und Gryllteiste nisten mit allem, was dazugehört. 

In der kälteren Jahreszeit fühlen sich hier die aus Ostsibirien stammenden Prachteiderenten und Scheckenten, denn im Verhältnis ist der nahe Varangerfjord für sie recht milde.

Wenn es auf Ekkerøy kocht und dampft

Auf Ekkerøy muss niemand hungern. In der Arktis einen kulinarischen Ausflug erleben, das ist wohl kaum zu toppen. Empfehlenswert ist das Restaurant Havhesten, in dem es die regionale und ziemlich große Königskrabbe neben Rentierfleisch und Fischsuppe gibt. Wer es bescheidener mag, besucht natürlich nach einer kleinen Führung im Varangermuseum das kleine Museumscafé.  Früher war dies ein ganz klassischer Kolonialwarenladen, wie man ihn oft in Norwegen antraf. Hier gibt es ganz klassisch Kaffee und eine Waffel.

Ekkerøy, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, Varanger | © mare.photo

Ekkerøy, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar, Varanger | © mare.photo

Das Museumscafé ist Teil der ehemaligen Fischfabrik, auf die schon zu Anfang das Hinweisschild „Kjeldsenbruket“ aufmerksam macht. Bis 1969 wurden hier Garnelen und Lebertran von den Walen verarbeitet, aber wie das so mit der Überfischung ist, irgendwann war Schluss. Heute ist in dieser schön erhaltenen Anlage eben ein Teil des Varangermuseums untergebracht. Für alle, die die Lebensbedingungen der Fischer und Familien in dieser Region interessiert, sollte sich den Besuch keinesfalls nehmen lassen. 

Das ursprüngliche Leben auf Ekkerøy

All das, was heute so romantisch verklärt zu entdecken gilt, zeigt eigentlich das harte und karge Leben der Fischer und ihrer Familien, auch auf Ekkerøy. Denn die Fischerei war die einzige Möglichkeit, sich selbst zu ernähren und sein Geld zu verdienen. Dabei waren die Fischer in kleinen Booten auch bei eisigen Temperaturen und Stürmen unterwegs. Nicht jeder Fischer kam auch wieder zurück.

Die Geschichte auf Ekkerøy lässt sich bis ins Jahr 1567 belegen. Vor allem die Samen und Finnen nutzten diesen Außenposten, der aber schon immer norwegisch geprägt war.

Das Kjeldsenbruket war die zentrale Annahmestelle für die Fänge, vor allem die Garnelen wurden hier verarbeitet. Der älteste Teil des Kjeldsenbruket stammt aus dem Jahr 1911, für die Finnmark ein seltener Rekord. Denn die deutsche Wehrmacht sorgte in der Finnmark für Leid und Zerstörung. Nur in dieser Gegend kam man durch ein Gerücht recht glimpflich davon. Später dazu mehr. Mit der Schließung der Fischfabrik verließen viele Menschen Ekkerøy und zogen in größere Orte.

Ekekrøy im zweiten Weltkrieg

Hatten die Menschen in Ekkerøy zwar ein hartes Leben, dafür aber auch weitgehend ihre Ruhe, änderte sich das schlagartig mit dem Allmachtstreben von Hitlerdeutschland. Die deutsche Wehrmacht nutzte Ekkerøy ab 1941 als Aufmarschgebiet für seinen Russlandfeldzug und besetzte hier zahlreiche Häuser. Bunker, Munitionsdepots und Stellungen wurden in die Landschaft gesetzt. Selbst eine kleine Eisenbahn war Bestandteil dieser Strategie. Die beiden Kanonenstellungen Gerda und Paula kamen auf den höchsten Punkt der Insel.

Doch dann kam 1944 die Nachricht, dass die Russen die Front bei Kirkenes durchbrochen haben. Panisch flohen die Deutschen aus Ekkerøy, die unbedingt den westlichen Weg in den Süden vor den Russen erreichen wollten. Zwar schlugen sie noch ein paar Fensterscheiben ein, setzten aber nicht mehr die Ortschaft in Brand, wie es sonst in Nordnorwegen im Rahmen der „verbrannten Erde“ durchgeführt wurde. Entsprechend zeigt Ekkerøy heute einen Ausschnitt aus dem Leben vor den zweiten Weltkrieg.

Auch, wenn unsere Generation nichts mit dem Krieg zu tun hat oder zu tun haben will, wir sollten uns in der gesamten Region, auch auf Ekkerøy,  einfach demütig verhalten und zumindest in dieser Form Respekt vor dem Leid der Menschen in dieser Umgebung zollen, dass sie durch unsere Eltern/Großeltern erfahren haben. 

Wir haben Reisegruppen in der Nordfinnmark erlebt, die mit der Deutschlandflagge unterwegs waren. Sicherlich unbedarft aber entsprechend unsensibel.  Für uns sind die vielen Reste der militärischen Erinnerungen in Ekkerøy an die Zeit eher Grund zur Traurigkeit als zur Faszination.

 

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