Egernsund – zwischen Ton und Ölfarben

Wir reisen entlang der Flensburger Förde und sind nun auf dem Gedarmstien unterwegs in Egernsund. Benannt nach der Wasserverbindung zwischen der Flensburger Förde und dem Nybøl Nor (Nübeler Noor) liegt das Zentrum der verbliebenen Ziegeleien in direkter Nachbarschaft zu Gråsten und Alnor auf der westlichen Seite des Egernsund und dem Broagerland auf der östlichen Seite. Hier also ist sie, die ignorierte wie bekannte Künstlerkolonie Egernsund, welche dies bezüglich in Dänemark kaum Beachtung findet. 

Egernsund und eine der innovativsten Brücken Europas

Führte seit dem 18. Jahrhundert eine Fähre über den Sund vom Gråstener Ortsteil Alnor nach Egernsund und damit in Richtung Sonderborg bzw. Flensburg, so steht dem Verkehr seit 1968 die heutige Klappbrücke mit einer Durchfahrtsbreite von 25 Meter zur Verfügung. 

Zur Eröffnung verfügte die Brücke über das innovativste Kontrollsystem in ganz Europa. In der Regel wird sie einmal stündlich geöffnet. Über diese Brücke führt neben der vierspurigen Autostraße auch der Gendarmstien, der Grenz-Kontrollpfad.

Egernsund – Zentrum der Ziegelsteine

Wer sich das neue Wohngebiet am Flensburger Wasserturm angeschaut hat, wird wahrscheinlich die schönen Ziegelfassaden bewundern. Wer dann die berühmte Frage stellt: „Woher hat Du diesen Stein?…“, dem können wir sagen, dass er aus der berühmten Ziegelei in Egernsund stammt. Diese Ziegelei hat es in einer Umgebung in die Neuzeit geschafft, in der noch bis ins letzte Jahrhundert die Umgebung geprägt war von einst Fabriken.

Wer sich in dieser Umgebung an die Strände und Ufer der Flensburger Förde und ihren Nebenarmen begibt, dem werden die Ziegelreste auf dem Meeresgrund auffallen.

Ein weiteres Indiz auf die Geschichte dieses Baustoffes findet sich gleich an der Uferpromenade unterhalb der Egernsund-Brücke- dort gestaltete ein Künstler ein Monument aus Ziegeln, die er in dieser Umgebung aus dem Wasser fischte und zu einem Kunstwerk zusammen fügte.

Egernsund – die verdrängte Künstlerkolonie

Das vorübergehend deutsche Ekensund (dän. Egernsund) entwickelte sich nach 1864 zu einer weit beachteten Künstlerkolonie. Deren Werke standen den zu jener Zeit bekannten Künstlern in nichts nach. Mit der Wiedervereinigung von Nordschleswig mit Dänemark im Jahr 1920 gerieten die Bilder und ihre Erschaffer in Vergessenheit. Man wollte durfch nichts an die Zeit der deutschen Besatzung erinnert werden. Heute besinnt man sich vorsichtig auf diese künstlerische Epoche von Egernsund und nähert sich dezent der deutschen Kunst auf dänischem Boden an.

Bis 1920 versuchten die preußischen Besatzer, die dänische Kultur zurück zu drängen und Nordschleswig auch eine deutsche gesellschaftliche und kulturelle Szene aufzuzwingen. So bekamen deutsche Künstler schon früh die Chance, sich in Egernsund zu verwirklichen. Stand doch Egernsund bei dänischen Malern nicht im Fokus.

Egernsund war zu der Zeit ein kleines umtriebiges Fischerdorf, nur drei Kilometer Luftlinie von der deutschen Küste entfernt. Ziegeleien waren überall anzutreffen. Sie sorgten für bescheidenen Wohlstand. Eine kleine Fähre verband über das Nybøl Noor / Flensburger Förde Egernsund mit Alnor und Gråsten. Auf der Flensburger Förde fuhren die ersten Ausflugsdampfer. Die Menschen gingen ihrer Arbeit nach und versuchten, sich mit der Besetzung durch Preußen zu arrangieren. Aber sie fühlten sich wie Fremde im eigenen Land.

Dann kamen auch noch Maler aus Berlin und Düsseldorf auf die Idee, hier in Egernsund zu leben udn zu arbeiten. Der Blick auf die Flensburger Förde mit ihren Dampf- und Segelschiffen, der Halbinsel Holnis oder das Broagerland bot ihnen immer wieder neue Perspektiven. In Egernsund wechselt sich das schwungvolle grüne Hügelland mit der blauen und facettenreichen Flensburger Förde ab.

Die Künstler kamen ab etwa 1870 mit der neuen Eisenbahnverbindung von Hamburg nach Flensburg. Weiter ging es mit dem Fördeschiff bis nach Egernsund.. Industriemotive oder Landschaftsmalerei fanden sich auf Leinwand wieder. Aber auch Portraits der hier lebenden und arbeitenden Bevölkerung.

Der Flensburger Museumsberg widmet sich mit einer Dauerausstellung der Künstlerkolonie Egernsund, Aber auch im Schifffahrtsmuseum Flensburg gibt es Bilder aus dieser Epoche zu entdecken. Viele Werke sind aber auch in privater Hand.

Mittlerweile gibt es aber auch in Dänemark wachsendes Interesse an der Schaffenszeit der Künstlerkolonie. Wenn auch nur vereinzelt angestoßen durch dänische Künstler.

Über den Gendarmstien durch Egernsund

Egernsund hat man nicht unbedingt auf dem Zettel. Meist durchfährt man den Ort übet die Schnellverbindung zwischen Flensburg und Sønderborg. Dabe bietet sich zumindest ein Spaziergang auf den Spuren des Gendarmstien durch Egernsund an. Der etwa 84 Kilometer lange Gendarmstien ist der populärste und vielleicht schönste Fernwanderweg in Dänemark. 

Man muss aber lange nicht die ganze Etappe laufen, ein Spaziergang entlang der Küste von Egernsund ist schon ein Erlebnis für sich. Auf ganzen fünf Kilometern.

Wir empfehlen den Startpunkt am Ufer westlich der Klappbrücke zu Egernsund. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Hafen und die Promenade von Egernsund und nähert sich dann zu Fuß oder mit dem Rad über die Klappbrücke ins Ortszentrum. Von der Brücke aus hat man einen herrlichen Blick auf den Ort und den Sund der Flensburger Förde. Sund steht im übrigen für Meerenge und ist auch der Ursprung für das Wort „Sünde“, denn es hat etwas trennendes.

In diesem Fall wurde die Trennung einst mit einer Fähre, nun aber mit eben dieser Brücke überwunden. Doch fahren heute bei geöffnetem Zustand in der Regel nur noch Segelboote unter sie hindurch.

Hat man dann Egernsund unterhalb der Klappbrücke nach wenigen Minuten erreicht, lädt der Platz alleine schon zum Verweilen ein. Ein Künstler hat entlang der Ufer zahlreiche Ziegelsteine gesammelt, die man auf diese Art entsorgt hat, weil sie nicht dem Standart genügten. Daraus gestaltete er ein wunderbares Kunstwerk und vielleicht ist es der Auftakt dieses Abschnittes des Gendarmstien.

Noch aktive Ziegeleien gibt es auf der anderen Seite, dazu geht man einfach unter der Brücke hindurch und macht daraus eine ganz eigene Tour nach Nybøl.

Wir aber folgen heute dem Gendarmstien und der wird uns eine Zeit entlang der Dorfstraße führen, vorbei an der schön gelegenen Kirche mit Blick auf die Flensburger Förde und irgendwann zum Wasser hinunter, bis ein breiter Weg direkt am Wasser entlang führt, vorbei an einem Leuchtturm und kleinen schönen Häusern, die zum Teil auch Feriendomizile gut betuchter Menschen sein dürften.

Irgendwann trifft man auf die Feriensiedlung und die Marina mit ihren schönen Rastmöglichkeiten und während der Saison einer bescheidenen und angenehmen Gastronomie.

Rendbjerg Marina Minde – Zu Wasser, zu Lande und viel frische Luft

Schon früh war Egernsund der Ziegelindustrie verbunden. Es gab reichlich Ton und auch Holz für die Brennöfen. Die Anbindung mit dem Schiff war perfekt.So stand hier im Ortsteil Rendbjerg seit 1783 das größte Ziegelwerk Nordeuropas, welches beispilsweise 1851 neben Klinkern, Dachziegeln, Gesims- und Grabsteinen auch Zwei Millionen Mauersteine produzierte.

Etwa100 Arbeiter und fünf große Brennöfen standen zur Verfügung. Heute erinnern zahlreiche Ziegelgebäude und Heerscharen von Ziegelresten am Strand  aus dieser Zeit. Heute ist die Verladebrücke einem Badesteg gewichen und mehr als 170 Ferienhäuser mit einer modernen Marina säumen dieses wunderschöne Gebiet parallel zum Wasser.

Direkt am Wasser liegt auch der Gendarmstien, von dem man übrigens von hier aus auch in das beeindruckende Ziegelmuseum Cathrinesminde kommt.

Überhaupt bietet sich diese Gemeinde für einen spontanen Spaziergang an, kleine und größere Yachthäfen liegen auf dem Weg, dazwischen immer wieder kleinere schmale Strände und ein harmonisches Miteinander von klassischer und moderner Architektur. Fast unauffällig findet sich auf halben Wege ein kleiner malerischer Leuchtturm.

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