Die Tourismusmanagerin der Zukunft: Oma Erna

Tourismus in Schleswig-Holstein | © mare.photo
Tourismus in Schleswig-Holstein | © mare.photo

Es ist wohl eines der Zitate des ehemaligen deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl, als er vom kollektiven Freizeitpark sprach. Zwar wurde ihm heftig widersprochen, doch irgendwie ist Urlaubsland mit seinem boomenden Tourismus ja kaum etwas anderes wie ein gigantischer Freizeitpark.

Alleine in Schleswig-Holstein arbeiten über 150.000 Menschen im Tourismus. An dieser Stelle wollen wir nicht über die vielen schlecht bezahlten Jobs mit entsprechend niedrigem Lohnsteueraufkommen sprechen, auch nicht über die vielen Menschen, die durch den erfolgreichen Tourismus sich keine Wohnung oder gar ein kleines Häuschen leisten können.

Wir könnten uns viel mehr Gedanken machen, wie wir den Tourismus gerechter und nachhaltiger verteilen und dazu entsprechend zu bewerben. Denn Tourismus ist nur in seelentoten Menschen einzig ein Umsatzfaktor. In den Herzen gelebter Gastfreundschaft ist Tourismus Offenheit, Liebe zu den Menschen und zu ihrem eigenen Zuhause.

In einem nachhaltigen Tourismus müssten private Gastgeber gestärkt und Investoren zurück gedrängt werden, Subventionen müssten fair bezahlten Arbeitsplätzen, Familienfreundlichkeit und Ökologie zugute kommen.

Doch machen wir uns nichts vor, Politiker besuchen lieber die Partys der Großen und verzichten dafür gern auf ein Kaffeekränzchen bei Oma Erna. Dabei würden sie viel mehr über den Tourismus bei Oma Erna erfahren als bei den geldfixierten Aktionären. Vor allem aber unterstützt Oma Erna mit ihrem eingenommenen Geld auch die Infrastruktur und zahlt Steuern, während die Investoren mit äußerst geringem Steueranteil herauskommen, die großen Plattformen als Vermittler von Flügen und Unterkünften kommen ganz ungeschoren davon.

Nun können wir uns weiter darüber ereifern und werden doch nichts daran ändern. Oder wir nehmen unser Glück selbst in die Hand und vermarkten uns selbst.

Der erste Schritt ist ein gutes Bild. Ein Bild, was Lust macht auf das vorübergehende Zuhause, auf die Umgebung, die Ferienwohnung, die Landschaft, die Natur. Natürlich kann man nur das zeigen, was vorhanden ist. Bei der Ferienwohnung darf man sich dabei wirklich Mühe geben und diese vom Kram befreien, den man selbst nicht zuhause haben möchte. Auch darf man der Ferienwohnung oder dem Gästezimmer ein Thema geben, in dem der Tourist seine Träume wiederfindet.

Ein schönes einheitliches und ruhiges Gesamtbild trägt zum Wohlbefinden bei. Gesamtkonzepte der Hotels noch gar nicht inbegriffen. 

Großes Potential liegt dabei in den Regionen, die bisher vom boomenden Urlaubs- und Freizeitmarkt wenig spüren. 

Letztendlich ist hinter allem aber der Mensch, dem man am Telefon oder in der E-mail und später an der Haustüre begegnet. In unserem Beispiel ist es die Herzlichkeit von Oma Erna, die einen Urlaub zur echten Begegnung macht. Und der Urlauber, der kann kaum authentischer in die Region eintauchen als genau in solcher Begegnung.

Machen wir Lust auf Urlaub, genau hier, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Denn, wo gibt es das sonst noch? Jedenfalls nicht an den überfüllten kollektiven Freizeitparks.