Bugøynes – entlang des Varangerfjord ( Barentssee )

Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo
Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

Nach Bugøynes kommt man nicht mal eben. Um dieses schöne Dorf, diese Perle an der Barentsee zu besuchen, braucht es einen warmen Pullover, einen vollen Tank, Liebe zur arktischen Region und die Bereitschaft, einen der schönsten Orte des Nordens entdecken zu wollen. Einen Ort, wie man ihn so nirgend anders findet.

Bugøynes am Varangerfjord / Barentssee

Bugøynes ist nicht nur eines der schönsten Dörfer an der Barentssee, es ist zugleich das einzige Fischerdorf der Kommune Sør Varanger. Um nach Bugøynes zu gelangen, fährt man den etwa 20 Kilometer langen Fiskevej über die Halbinsel Buoddggáidnjárga. Diese ragt auf der Südseite des Varangerfjord etwa 20 Kilometer in die Barentssee hinein.

Wer nach Bugøynes mit dem Auto kommt, sollte rechtzeitig tanken. Die nächste Tankstelle ist etwa 90 Kilometer entfernt, also sollte die Tankfüllung für mehr als 200 Kilometer reichen. Das ist mehr als nur ein wohl gemeinter Tipp, vielmehr sagt es etwas über die Abgeschiedenheit und die eingeschränkte Infrastruktur  des Fischerortes am Varangerfjord, Bugøynes, aus. Aber Bugøynes ist definitiv zu schade, um mal eben besichtigt zu werden, man sollte es ganz entspannt erleben. Mit der Langsamkeit eines Grönlandwales. Immerhin wird dieser durch die Langsamkeit in der arktischen Kälte bis zu 400 Jahre alt.

Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

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Das schaffen die Menschen, die in Bugøynes leben, zwar nicht, aber sie werden gerne in ihrem Dorf alt und wollen es möglichst nie verlassen. Die Frage „..sprechen Sie Deutsch“ sollte man aber hier vergessen. Einige Touristen sitzen im wohlgewärmten Wohnmobil und kommen aufgrund der frischen Temperaturen möglichst nicht heraus. Meist wird hier eine Mischung aus samisch, finnisch und nordschwedisch gesprochen, denn Finnen haben einst Bugøynes gegründet. Heute leben hier in Bugøynes etwa 200 Menschen aus 10 Nationen. Einige allerdings nur über die Sommermonate.

Sie haben ihre Häuser bunt gestrichen, einzig die schöne Holzkirche von Bugøynes erstrahlt in strahlenden Weiß. Dass man in Bugøynes noch Häuser aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg findet, grenzt fast an ein Wunder. Denn Bugøynes dürfte das einzige Dorf in der Finnmark sein, was von den deutschen Besatzern nicht niedergebrannt wurde.

Bugøynes – extreme Momente in einer extremen Umgebung

Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

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Denn es gab beim Vormarsch der Roten Armee auf einmal das Gerücht, die russischen Soldaten stünden unmittelbar vor der Halbinsel Buoddggáidnjárga, auf der sich Bugøynes befindet. Das wäre für die deutschen Besatzer eine tödliche Sackgasse gewesen, so verließen sie fast fluchtartig den Ort. Sie vereinbarten, dass das Dorf verschont bliebe, wenn man sie von der Halbinsel herunter führe….

Abr auch nach dem Zweiten Weltkrieg nahmen die Turbulenzen in diesem paradiesischen Fischerort nicht ab. Die einst fischreiche Barentssee war auf einmal leer gefischt. Auf russischer und auf norwegischer Seite hat man dem Meer genommen, was es nur hergab. Ein Fischer nach dem anderen verlor seine Existenz. Und damit mussten auch die Fischverarbeitungen schließen. Das war in den 1980er Jahren. Was schlecht für die Menschen in Bugøynes war, war gut für den Varangerfjord und die Barentssee: Der Fischbestand erholte sich wieder. Doch die Fisch verarbeitenden Betriebe kamen nicht mehr zurück, die Fischer konnten ihren bescheidenen Fang nicht mehr los werden und die Menschen fanden keine Arbeit.

In ihrer Verzweiflung ließen die Menschen von Bugøynes einen Hilferuf in den landesweiten Zeitungen veröffentlichen, in dem sie fragten, ob sie denn niemand mehr wolle. Ihnen würde nur noch ein Verlassen und Aufgeben von Bugøynes bleiben, wenn nichts geschehen würde.

Und in der Tat, diese Art der Aufmerksamkeit half, dass sich ein Fischzucht- Betrieb ansiedelte und Bugøynes der erste Fischerort mit einer solchen Anlage in der Ostfinnmark wurde.

Bugøynes und seine Meeresbewohner

Doch ein weiteres Unheil sollte sich über die Barentssee ausbreiten. Die russische Königskrabbe breitete sich zunehmend aus und drohte, alle Arten zu verdrängen. Diese großen Tiere haben unter Wasser keine Feinde. Doch in Bugøynes sah man dies wie auch in den Nachbargemeinden entlang des Varangerfjord mehr als Chance denn als Bedrohung und nutzt seit dem diese ungebetenen Gäste für die edle Speisekarte. In einem kleinen Aquarium im Restaurant kann man diese Tiere lebend sehen ohne tauchen zu müssen, sie sind groß. Mit ausgestreckten Armen erreichen sie die Größe unseres während des Besuches 10 Monate alten Kindes.

Kleiner sind sie auf dem Teller. Und sie schmecken. Als Hauptgericht, oder auch im Salat. Man muss also nicht selbst dazu tauchen. Kann man aber. Viele Taucher kommen gerne nach Bugøynes. Denn das Wasser ist hier selbst in Tiefen bis zu 50 Meter absolut klar. Taucher sind immer wieder überrascht von dem Fischreichtum und so kommen auch Angler in Bugøynes auf ihre Kosten.

Neben Fisch stehen aber auch Wal und Rentier auf der Speisekarte.

Traumhafte Strände, klares Wasser und frische Polarluft in Bugøynes

Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

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Klares, türkisblaues Wasser und flach ins  Meer fallender Strand unterstreichen die Schönheit des Fischerortes. Im Norden schützen die Felsen vor den mitunter stürmischen Brandungen. Auch, wenn wir im Sommer in diesen Breitengraden mindestens einen Pullover tragen, sind die Temperaturen durch den Golfstrom  für eine arktische Klimazone recht mild. Mehr als minus acht Grad im Winter und plus 12 Grad Celsius im Sommer sollte man nicht erwarten.  

Das Wasser lädt allerdings lediglich die Saunagäste zum Abkühlen ein, denn wärmer als vier Grad Celsius wird hier das Meer nicht. Dazu kommt mitunter der plötzlich aufkommende Wind oder Sturm. Schnelle, also wirklich schnelle Wetterwechsel gehören hier zur Normalität. In Minuten kan der Ort in Nebel verhüllt und genauso schnell wieder klar sein. Man sieht solche Wechsel förmlich über das Meer kommen. Und auch wieder gehen.

Zuhause in Bugøynes – für einen Moment

Bugøynes, Barents Sea, Barentssee, Varangerfjord, Finnmark, Kodak Ektar, Leica Elmarit M 2.8 28 asph.| © mare.photo

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Der kleine Fischerort in der Kommune Sør Varanger hat gerade einmal 230 Einwohner. Dass es hier keine Tankstelle gibt, hatten wir ja schon. Lässt sich aber auch gut mit leben. Man tankt eben auswärts, 90 Kilometer auswärts. Aber genauso für uns ungewohnt ist das für solch ein kleines Dorf vorhandene Vielfalt für die Bewohner und Gäste von Bugøynes. Für Gäste gibt es tolle Übernachtungsmöglichkeiten in Hütten oder gemütlichen Gästezimmern, für Wohnmobile sogar einen kleinen Stellplatz am Wasser. Diesen sollten sie auch nutzen, sie verderben durch ihre Größe in solch kleinem Ort sonst wirklich die Perspektiven fürs Foto. Denn schön anzuschauen sind die festen, nicht die rollenden Häuser.

Bugøynes hat liebevolle und herzliche Einkehr- Möglichkeiten mit typischer regionaler Küche, die so ganz anders und doch so vertraut ist. Wer sie nicht nutzt, verpasst neben tollen Kontakten zu den Menschen in der Umgebung auch manch kulinarische Entdeckungen, und sei es nur die klassische Waffel und Kaffee, wie es so überall in Skandinavien angeboten wird, ohne viel zu kosten.

Wir haben uns verliebt in Bugøynes

Bugøynes hat uns tief berührt. Sei es durch den Kinderspielplatz mit seinem Spielzeug in der Sandkiste, sei es durch die alte Frau, die mir erzählte, dass sie nie woanders war und auch nichts vermisst hat, sei es durch die Offenheit und Herzlichkeit von jungen und alten Menschen. Dieser kleine Fischerort verführt dazu, für einen Moment zu überlegen, alles  über Bord zu werfen, hierhin abzubiegen und genau hier zu bleiben. Hätten wir doch nur den Mut. wie die Menschen, die hier leben. Und glücklich sind. Und uns in diesen Tagen daran teilhaben lassen. 

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