Begegnung am Leuchtturm Slettnes Fyr in Gamvik

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Bartenssee, Barentssea, Barentssjø, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Der Leuchtturm Slettnes Fyr ist der nördlichste Leuchtturm der Welt, der je auf dem Festland gebaut wurde. Wir haben uns genau hier verabredet und treffen junge Menschen, die wir in dieser Abgeschiedenheit gar nicht erwartet haben.

Vom südlichsten zum nördlichsten Leuchtturm in Norwegen: auf nach Slettnes Fyr

Lindesnes Fyr, Lindesnes, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Lindesnes Fyr, Lindesnes, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Das Thema unserer diesjährigen Sommertour war schnell klar. Wir würden vom südlichsten Leuchtturm Norwegen, Lindesnes Fyr, zum nördlichsten Leuchtturm von Norwegen, Slettnes Fyr, reisen.

Zugegeben, eine solche Tour ist ziemlich abstrus und sie macht nur Sinn, wenn man sehr oft in Norwegen ist. Auch, wenn wir jetzt über sieben Wochen in diesem Land unterwegs sind und es sich dabei um meine 50ste Nordlandreise handelt, überfluten uns die Eindrücke. Aber egal, jetzt sind wir hier. Endlich. Nein, eher: schon. Denn Gamvik und Slettnes Fyr sind so plötzlich und unerwartet erreicht wie Weihnachten jedes Jahr vor der Tür steht.

Sommer, Sonne und mächtig Wind am Leuchtturm Slettnes Fyr

Slettnes Fyr, Gamvik, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar

Slettnes Fyr, Gamvik, Leica M Elmarit 2.8 28 asph., Kodak Ektar | © mare.photo

Das  Wetter meint es gut mit uns, hier im äußersten Norden am arktischen Ozean. Heute Abend scheint die Sonne, kaum ein Wind geht und der Himmel erstrahlt in tiefen klaren Blau. Das Nordmeer ist für diese Region unerwartet ruhig und obwohl bereits 22.00 Uhr steht die Sonne dank der Jahreszeit im Nordwesten so, wie wir es zuhause im Sommer um 17.00 Uhr gewohnt sind.

Wir parken unseren Bulli auf dem ersten kleinen Parkplatz und lassen es uns nicht nehmen, die etwa 1500 Meter lange Schotterpiste zum nördlichsten Leuchtturm Slettnes Fyr zu Fuß zu gehen. Slettnes Fyr strahlt von weitem eine ganz eigene Magie aus, die man erleben, fühlen muss um sie zu verstehen. Der schmale geschotterte Weg führt geradewegs auf Slettnes Fyr zu und was wäre es jetzt für ein tolles Motiv, würden nicht die auffällig weißen riesigen Wohnmobile fußfauler Reisender direkt vor diesem Bauwerk parken.

Kostenlos werden sie an diesem einzigartigen Slettnes Fyr, dem nördlichsten Leuchtturm der Welt, übernachten und bis zur Schlafenszeit mit ihren umgedrehten Sesseln und ausgeklappten Satellitenschüsseln heimisches Fernsehen schauen. Ich werde mit meiner kleinen Tochter andere Perspektiven finden, unverständig darüber, dass etliche Nutzer dieser rollenden Ferienwohnungen ihre Umwelt nur aus dem riesigen Frontfenster wahrnehmen werden, um am anderen Morgen zur nächsten Sehenswürdigkeit zu hasten.

Mitternacht am Leuchtturm Slettnes Fyr

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Sollen sie machen, wir werden morgen früh, nein, in wenigen Stunden, wieder hier am Slettnes Fyr sein, denn es ist bereits Mitternacht, die Zeit verfliegt unbemerkt und es bleibt taghell. Die Nacht wird kurz für uns, denn wir freuen uns zu sehr auf das kleine Café, welches am Vormittag in einer der ehemaligen Wohnungen der Leuchtturmwärter öffnet.

Und da sind wir wieder, betrachten den Leuchtturm Slettnes Fyr wieder von allen Seiten, aus allen Richtungen, lassen die Magie dieses Ortes  immer wieder neu auf uns wirken. In der kleinen Bucht mit ihrem schmalen Sandstrand und der wettergeschützten Lage nehme ich ein kurzes Bad, erfrischender kann der Tag kaum starten.

Die ersten Übernachtungsgäste des Slettnes Fyr verlassen ihre Zimmer, denn die ehemaligen Dienstwohnungen sind heute eine simple und authentische Übernachtungsmöglichkeit für Urlauber, die in dieses Land, in diese Region eintauchen wollen.

Wetterwechsel beim Bettenwechsel im Leuchtturm Slettnes Fyr

So langsam frischt der Wind auf, Wolken haben sich in der Ferne schon um Mitternacht angekündigt und es wird kalt, eisig kalt.  Von mir aus darf es auch regnen, stürmen, schneien, denn erst dann entfacht solch ein Seezeichen wie der Leuchtturm Slettnes Fyr seine eigene unbeschreibliche Dramatik. So schlimm wird es heute kaum, aber die Wellen werden merklich größer und ergießen ihre Gischt über die riesigen Steine am Strand.

Warme und wetterfeste Kleidung ist an einem arktischen Ort wie Slettnes Fyr Pflicht, trotz allem aber ist es auch nun die beste Gelegenheit, einzukehren. Es ist 11.00 Uhr und die Gastgeber warten auf uns. Die Tür der ehemaligen Dienstwohnung des Slettnes Fyr ist angelehnt, vorsichtig öffnen wir sie und treten ein. Ein wenig zurückhaltend und umso mehr neugierig tasten sich unsere Blicke vor. Ein Sofa und ein paar Sessel im Vorraum, dann folgt der Raum mit den vier kleinen Küchentischen aus den siebziger Jahren mit ihren dünnen Chrombeinen und der Melaminplatte. Im weiteren Raum steht der Tresen, dahinter die kleine Küche und das Regal mit ein paar Postkarten und Büchern.

Die vielleicht nördlichste Möglichkeit, Waffeln und Kaffee zu genießen

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Waffeln und Kaffee gibt es- was anderes hätten wir uns auch nicht vorstellen können. Ein frisch belegtes Brot mit ebenso frischem Fisch wäre die ebenso verführerische Alternative. Zusätzlich bekommen wir je ein riesiges Glas heiße Schokolade, kann man den Norden intensiver genießen? Kaffee gibt es immer noch ganz traditionell bis zum abwinken, ryfyll nennt man as hier.

Die Waffeln in der Dienstwohnung des Slettnes Fyr werden frisch gebacken, in unserem Raum, dem früheren Wohnzimmer dieser Dienstwohnung des Leuchtturm Slettnes Fyr, stehen Sahne, Creme Fresh, Marmeladen oder Käsesorten als Belag zur Selbstbedienung.

Begegnung in der Dienstwohnung auf Slettnes Fyr

Cathy bringt uns die warmen und duftenden Waffeln, eigentlich kommt sie aus der Mitte Kanadas. Ihre Tante lebt hier im Gamvik und hat den zweimonatigen saisonalen Job vermittelt. Eigentlich unterrichtet Cathy in Italien die englische Sprache. Doch nun ist sie hier, im mitunter unwirtlichen Norden. Und startet von hier aus, um die nächsten zwei Jahre die Welt zu erkunden.

Ihre junge Kollegin kommt für diese Saison aus der Umgebung von Kopenhagen. Eigentlich studiert sie, aber sie suchte eine Alternative während der Ferien zum turbulenten Stadtleben. Für immer hier leben, nein, das währe ihr Dinge genauso wenig wie von Cathy. Aber einen Sommer lang hier sein zu dürfen, das bliebe unvergesslich. Nur der einzige Mann, in ihrem Alter, der stammt aus Gamvik und kann sich nicht vorstellen, jemals woanders zu leben. Das ganze Jahr über, auch in den komplett dunklen Monaten kann man hier am Leuchtturm Slettnes Fyr ein Zimmer buchen- alles eine Sache der Vereinbarung. Dramatisches Wetter, orkanartige Stürme, Schnee und Polarlichter inklusive. Die Gischt kann bis an den Leuchtturm heranreichen, unvorstellbar.

Vor der Küste gäbe es viele Schiffswracks, die See sei sehr gefährlich und für viele zum Grab geworden, erzählt Cathy, während wir die schmalen Treppen des Leuchtturmes Slettnes Fyr herauf gehen. In Gamvik wird uns ein kleines Mahnmal stellvertretend an die vielen Tragödien hier vor der Küste erinnern.

Zahlreiche Geschichten erfahren wir auf unserer kleinen Leuchtturmführung, heute sind wir die einzigen Gäste. Von der Laterne des Leuchtturm Slettnes Fyr aus bietet sich uns ein atemberaubendes Panorama bis hin zum Nordkinn, dem eigentlich nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes.

Im Maschinenhaus des Leuchtturm Slettnes Fyr finden immer wieder kleine Kunstausstellungen statt und immer wieder ist der Leuchtturm Slettnes Fyr auch Ort kultureller Veranstaltungen.

Abschied fällt schwer vom Leuchtturm Slettnes Fyr

Slettnes Fyr | Photo Finnmarks Fylkesbibliotek

Slettnes Fyr | Photo Finnmarks Fylkesbibliotek

Zurück von unserer kleinen Führung bekommt unsere Tochter Papier und Malstifte, während ich im Schuppen nebenan eine kleine Bildergalerie der anderen Leuchttürme der Finnmark entdecke, gleich nebenan wird unsere Kleine gleich aus großen Würfeln ihren eigenen Leuchtturm bauen können.

Einige Postkarten kaufen wir hier ein und bringen sogleich unsere Eindrücke zu Papier. Wohlwissend, dass es auch für die Empfänger besonders sein wird, Post zu bekommen vom nördlichsten Leuchtturm, vom Leuchtturm Slettnes Fyr.

Einige Stunden später werden wir aufbrechen, aber wir wären auch eine Nacht geblieben, hier im Leuchtturm Slettnes Fyr. Doch leider ausgebucht und so brechen wir wehmütig auf. Mit dem Gedanken, wieder zu kommen. Vielleicht zu Weihnachten. Oder zu Ostern. Ganz bestimmt aber zum nördlichsten Leuchtturm der Welt. Auf dem Festland. Auf jeden Fall zum Leuchtturm Slettnes Fyr. Dessen spannende Geschichte beschreiben wir hier.

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Bartenssee, Barentssea, Barentssjø, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Slettnes Fyr, Nordkinn, Nordkyn, Gamvik, Bartenssee, Barentssea, Barentssjø, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

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