Båtsfjord auf der Varanger Halbinsel: Am Ende der Welt gibts noch Meer…

Båtsfjord, Barentssee, Eismeerstraße, Ishavsvejen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph.
Båtsfjord, Barentssee, Eismeerstraße, Ishavsvejen, Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Wir haben die Barentssee erreicht und besuchen alle wichtigen Orte und Städte im nördlichsten Osten von Norwegen am Eismeer. Eine lange und kaum befahrene Straße über die karge Hochebende führt uns in einen Ort, der sich ganz der Fischverarbeitung verschrieben hat.

Båtsfjord auf der Varanger Halbinsel: Am Ende der Welt und noch Meer…

Wir sind bereits einige Tage auf der Varanger Halbinsel in der Finnmark, haben die Eismeerstraße an der Barentssee entdecken dürfen und eine Waffel Lanthandel im malerischen Kongsfjord gegessen. Nun könnten wir wieder in den Süden fahren, aber die Neugierde auf einen Ort hält uns noch. Und so biegen wir ab und fahren wieder in nordöstliche Richtung nach Båtsfjord.

Nachdem wir die Hauptstraße verlassen, schrauben wir uns in wenigen Kurven wieder auf das Hochplateau der Varanger Halbinsel. Weich geschwungene und doch tiefe Täler, kleine Schmelzwasser-Seen und hin und wieder die Reste von Schnee begleiten uns rechts und links der geraden Verbindungsstraße, die uns ein weites gleichmäßiges Panorama bietet.

Bäume gibt es hier genauso wenig wie auf dem Rest der Varanger Halbinsel, dafür begleiten uns hin und wieder einige Rentiere. Die riesigen Schneefang-Zäune  deuten an, was in diesen Breitengraden die Kombination von Schnee und Sturm bedeutet.

Dann geht es wieder abwärts, bis auf Meereshöhe. Und wir sind da. Willkommen im Nirgendwo. Willkommen in Båtsfjord.

Båtsfjord im Zeichen des Fisch

Schon mit der Ortseinfahrt bemerken wir, worum es in Batsfjord geht: um Fisch. Einige Hochsee-taugliche Trawler liegen dicht nebeneinander, ein kleinerer Fischkutter ist zur Reparatur in einem Gestell an Land gezogen worden. Ein leichter Duft aus Salz und Fisch liegt in der arktischen klaren Luft.  Die Wolken haben Båtsfjord in Einheitsgrau getaucht. Frisch ist es heute für einen Juliabend. Aber so sind die Temperaturen hier in Båtsfjord, an der Südgrenze der arktischen Region. 

Båtsfjord, Barentssee, Varanger Halbinsel ,Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Båtsfjord, Barentssee, Varanger Halbinsel ,Kodak Ektar, Leica M Elmarit 2.8 28 asph. | © mare.photo

Wir besuchen das kleine Zentrum von Båtsfjord. Alles, was eine Kleinstadt benötigt, um die Menschen mit bescheidener Kultur, mit Geld und Essen und Trinken, mit Kleidung oder Geschenkideen zu versorgen, all das gibt es hier in Båtsfjord. Und das, obwohl in Båtsfjord nicht mehr als etwa 2.270 Menschen leben. Hier, an der Nordküste der Varanger-Halbinsel. Früher gab es neben Båtsfjord einige kleinere Siedlungen entlang der Küste, aber sie waren nur mit dem Boot zugänglich. Und so wurden sie aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben. Leider lag einer der traurigsten Gründe in der totalen Zerstörung durch die deutsche Wehrmacht, die die Varanger Halbinsel für den Russlandfeldzug missbrauchte und Båtsfjord als Versorgungszentrum nutzte.  Doch beim Rückzug blieb Båtsfjord von der Aktion „Verbrannte Erde“ verschont, warum auch immer.

Dabei sieht man Båtsfjord nicht unbedingt an, dass es den Krieg schadlos überstanden hat. Die Bebauung wirkt vom Stil her aus den 1960-1970er Jahren. So verkehrt liegen wir mit der Einschätzung whl nicht, auch die Kirche in Båtsfjord wurde 1971 erbaut. Wie man die Häuser fast generell entlang der Barentssee vorfindet, sind diese schlicht und funktional gebaut, romantische Schnörkel sind nicht unbedingt Sache der Nordeuropäer in diesen Breitengraden, oftmals Samen. Die Besiedelung aber geht vermutlich bis in die Steinzeit. Entsprechende geologische Funde geben Hinweise darauf.

Aber in Båtsfjord treffen sich einige Nationen, die verwöhnte Wohlstandsgesellschaft wird hier kaum leben wollen. Und sie gibt es Menschen, für die ist Båtsfjord zunächst das kleinere Übel, bis sie sich dann aber doch hier zu Hause fühlen.

Arbeit finden die Menschen fast ausnahmslos in den Fischfabriken und Werften. Dazu gehören eine große Gefrieranlage, ein Entgrätungsbetrieb und verschiedene Werkstätten rund um die Schiffstechnik. Die ganze Infrastruktur ist gegründet auf den Fischreichtum vor der Küste der Varanger-Halbinsel in der Barentssee.

Dass sich Båtsfjord mit seinem großen Fischereihafen so entwickeln konnte, liegt in dem geschützten Fjord, in dem die arktischen Stürme der Hafeneinfahrt nichts anhaben können. Und so ist es auch der Fjord, der dem Ort seinen Namen gab. Denn die altnordische Form von Båtsfjord ist Botnsfjorðr, wobei „Botn“ für das Innerste eines Fjordes steht. Und tatsächlich, an dieser Stelle der Varanger-Halbinsel gräbt sich der Fjord tief ins Land ein, an deren Ende liegt Båtsfjord.

Dass es in diesem Gewässern jede Menge Fisch gibt, hat sich im Laufe der Zeit auch bei Anglern herumgesprochen. So entwickelt sich erfolgreich ein reger Angeltourismus in Båtsfjord. Aber Angler lieben ja auch die Einsamkeit und einsamer kann ein Ort in der Größe von Båtsfjord kaum liegen.

Eine unübersehbare Sehenswürdigkeit gibt es in Båtsfjord, und diese ist wirklich weithin sichtbar. Denn in Båtsfjord steht der höchste Fernsehmast von Norwegen. Er hat eine Höhe von 241,80 Meter. Eine weitere Sehenswürdigkeit wird dagegen allenfalls von Geologen entdeckt. Denn an den Klippen der Küste des Fjordes bei Båtsfjord haben die Klippen mitunter merkwürdige Streifen. Sie haben ihren Ursprung als Sandsteinschichten im Meer und kamen dann durch Landbewegungen in höhere Bereiche.  Durch die Bewegungen haben sie sich in der Form so geändert, dass sie wie gefaltet wirken.

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